Phyllochinon in raffinierten Ölen

Fettsäurespektren, Jodzahlen und Fettbegleitstoffe – hier werden Öle, Buttern und Wachse en detail gewürdigt.

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Phyllochinon in raffinierten Ölen

Ungelesener Beitrag von Ikita » 6. Juni 2018, 21:20

Hallo meine Lieben.

Ich habe da eine Frage zum Gehalt von Phyllochinon (Vitamin K) im raffinierten Traubenkernöl.

Ich habe gelesen, dass Traubenkernöl 280 µg pro 100g Phyllichinon enthält.

Bleibt der Gehalt von Phyllichinon auch in raffinierten Öle erhalten oder wird es durch die Raffination zerstört?
Liebe Grüße, Erika 👧
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Re: Phyllochinon in raffinierten Ölen

Ungelesener Beitrag von Kati » 7. Juni 2018, 21:03

Das würde mich auch interessieren, auf die schnelle kann ich im Internet nichts finden....
Grüße von Kati

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Re: Phyllochinon in raffinierten Ölen

Ungelesener Beitrag von Heike » 7. Juni 2018, 21:07

Ich würde mich da nur auf wissenschafltiche Untersuchungen verlassen. Ein guter Ansatzpunkt ist die Google-Suche für wissenschaftliche Beiträge. Wenn Du hier die entsprechenden Suchbegriffe eingibst, könntest Du eventuell fündig werden und schauen, ob es zu diesem Thema bereits fundierte Aussagen gibt.
Liebe Grüße
Heike

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Re: Phyllochinon in raffinierten Ölen

Ungelesener Beitrag von Kati » 8. Juni 2018, 21:02

Oh danke, versuche ich... :knutscher:
Grüße von Kati

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Re: Phyllochinon in raffinierten Ölen

Ungelesener Beitrag von Ikita » 8. Juni 2018, 23:02

Danke Heike für die Google Suchseite. Die kannte ich noch nicht. Ich habe rum gesucht und folgendes gefunden.

Gefunden in DIPLOMARBEIT "Orale Vitamin K Prophylaxe von Neugeborenen". Gabriele Pfeffer. Wien, 2011

1.2.2 Vitamin K1
Vitamin K1 auch als Phyllochinon bezeichnet (internationaler Freiname:
Phytomenadion), enthält eine Phytylseitenkette mit 20 C – Atomen, also eine einfach ungesättigte (lipophile) Seitenkette, in trans-Konfiguration, mit 4 Isopreneinheiten (Phytolschwanz)...

"1.5 Stabilität
Phyllochinon bzw. pflanzliches Vitamin K ist ein gelbes viskoses Öl, lipophil, löslich
in Fettlösemitteln (Ether, Aceton, etc.) sowie in Pflanzenölen. Es ist stabil gegen Luft
und Feuchtigkeit, ist aber empfindlich gegen Licht und zersetzt sich bei
Temperaturen über 100°C. Es ist beständig gegenüber schwachen Säuren, und
instabil gegen Alkalien und Reduktionsmittel."

Gefunden in "Carotinoide, Vitamin E und weitere qualitätsrelevante Bestandteile der Saat, des Presskuchens und des Öles von Raps, Sonnenblume, Lein und Distel."
S. Franke, K. Fröhlich, S. Werner, T. Graf, V. Böhm, F. Schöne. UFOP: Bericht Carotenoide, 1-31, 2008

"Die Raffination durchläuft mehrere Stufen, um das Rohöl zu entschleimen, zu entsäuern, zu bleichen und zu dämpfen (desodorieren). Dabei wirken Alkalien, Wasser, Adsorbentien
(Bleicherde) sowie Temperaturen bis 220 °C auf die Öle ein. Folglich kann eine Zerstörung
von biologisch aktiven Inhaltsstoffen resultieren."

Meine Schlussfolgerung: Phyllochinon (Vitamin K1) überlebt die Raffination nicht :zickig:
Liebe Grüße, Erika 👧
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Re: Phyllochinon in raffinierten Ölen

Ungelesener Beitrag von Ikita » 8. Juni 2018, 23:12

Da Phyllochinon gegen Augenringe wirken sollte, werde ich für die Augenpflege auf unraffinirtes Traubenkernöl zurückgreifen, weil dieses Öl am meisten Phyllochinon enthält. Und diese Augenpflege dann nur zur Nacht benutzen. Für den Tag würde ich mir ein anderes Öle als Hauptöl aussuchen.

Hier sind noch mal die unraffinierte Öle mit dem Durchschnittswert in µg pro 100 gr.

Gefunden in "Vitamin K in Lebensmitteln". Deutsche Herzstifftung.

Traubenkernöl 280 µg
Rapsöl 150 µg
Sojaöl 138 µg
Kürbiskernöl 112 µg
Olivenöl 33 µg
Weizenkeimöl 24 µg
Walnussöl 15 µg
Kakaobutter 15 µg
Sesamöl 10 µg
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Re: Phyllochinon in raffinierten Ölen

Ungelesener Beitrag von Ikita » 8. Juni 2018, 23:24

Eine ähnliche Frage gab es schon HIER
zum raffinierten Sesamöl.
Hab allerdings später nach meinen Google Recherchen gefunden :achso: .
Hat aber trotzdem Spass gemacht, wissenschaftliche Artikeln zu lesen :morgenkaffee:
Liebe Grüße, Erika 👧
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Re: Phyllochinon in raffinierten Ölen

Ungelesener Beitrag von Schwesterchen » 9. Juni 2018, 21:13

Danke Erika für den aufschlussreichen Bericht. :blumenfuerdich:
Liebe Grüße
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Re: Phyllochinon in raffinierten Ölen

Ungelesener Beitrag von Kati » 9. Juni 2018, 21:35

Da habe ich auch noch gegoogelt. In einem anderen Artikel da - es ging allerdings um Vitamine in Traubenkernöl allgemein - stand dass ca. 40-60 % durch die Raffination verloren gingen, dann wäre noch etwas drin.
Allerdings würde ich das wie du genau so machen, und die Creme mit dem nativen Öl für nachts nehmen. Würde bei mir eh helfen - in der früh ist mehr geschwollen :D
Grüße von Kati

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Re: Phyllochinon in raffinierten Ölen

Ungelesener Beitrag von Ikita » 9. Juni 2018, 23:24

Vom Tocopherol (Vitamin E) geht durch Raffination nicht so viel verloren.

Gefunden in "Carotinoide, Vitamin E und weitere qualitätsrelevante Bestandteile der Saat, des Presskuchens und des Öles von Raps, Sonnenblume, Lein und Distel."
S. Franke, K. Fröhlich, S. Werner, T. Graf, V. Böhm, F. Schöne.

"Die untersuchten kaltgepressten und raffinierten Speiseöle aus dem Handel waren jeweils nicht aus einer Rohware hergestellt, sondern zufällig gezogene Proben. Unterschiede in den Saatherkünften könnten ein Grund dafür sein, dass sich die Gesamt-Tocopherolgehalte der raffinierten Rapsöle nicht von denen der kaltgepressten unterschieden. Weiterhin ist üblich, die Verluste in der Raffination durch Zusetzen freier Tocopherole oder von Tocopherolkonzentraten auszugleichen (COORS, 1991). Außerdem kann synthetisches Vitamin E den Raffinaten gegen oxidativen Verderb und somit zur Verlängerung der Haltbarkeit zugesetzt werden (ELMADFA und WAGNER, 1997). Im Mittel aller raffinierten Öle ergab sich daher die gleiche Gesamt-Tocopherolkonzentration wie im Mittel der kaltgepressten Öle. Dies ist in Übereinstimmung mit JUILLET (1975), wonach die Verluste durch die Raffination selten unter 20 bis 25 % des Ausgangsgehaltes liegen und somit die
Ölqualität nicht schmälerten."
Liebe Grüße, Erika 👧
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Re: Phyllochinon in raffinierten Ölen

Ungelesener Beitrag von Heike » 10. Juni 2018, 11:24

Ikita hat geschrieben:
9. Juni 2018, 23:24
Vom Tocopherol (Vitamin E) geht durch Raffination nicht so viel verloren.
Ich habe die Studie gefunden und gelesen. Ich verstehe die folgende Aussage jedoch anders als Du:
Ikita hat geschrieben:
9. Juni 2018, 23:24
"Unterschiede in den Saatherkünften könnten ein Grund dafür sein, dass sich die Gesamt-Tocopherolgehalte der raffinierten Rapsöle nicht von denen der kaltgepressten unterschieden. Weiterhin ist üblich, die Verluste in der Raffination durch Zusetzen freier Tocopherole oder von Tocopherolkonzentraten auszugleichen (COORS, 1991). Außerdem kann synthetisches Vitamin E den Raffinaten gegen oxidativen Verderb und somit zur Verlängerung der Haltbarkeit zugesetzt werden (ELMADFA und WAGNER, 1997). Im Mittel aller raffinierten Öle ergab sich daher die gleiche Gesamt-Tocopherolkonzentration wie im Mittel der kaltgepressten Öle."
»Daher« verstehe ich als Schlussfolgerung aus der zuvor getroffenen Aussage, dass den Proben raffinierter Produkte Tocopherole zugesetzt werden. Dem ist tatsächlich so, und daher müsste man nicht Handelsprodukte analysieren (»Als Untersuchungsmaterial dienten zwölf kaltgepresste bzw. raffinierte Raps- und Sonnenblumenöle aus dem Handel«), sondern Öle direkt nach der Raffination und noch vor Zugabe von Tocopherolen. Ich hatte vor einigen Jahren (vor Veröffentlichung des Rohstoffbuchs um 2010) zu diesem Thema recherchiert; die Ergebnisse waren eindeutig. Es ist auch logisch, wenn man den Prozess der Raffination gedanklich nachvollzieht. Raffination entfernt signifikant Fettbegleitstoffe, ich zitiere mich selbst:
Raffinierte Öle werden nach der Pressung mit Lösungsmitteln (Leichtbenzin, n-Hexan u. a.) extrahiert, gebleicht, desodoriert und mit Natronlauge entsäuert. Zurück bleibt ein Produkt, dass im Fettsäuregehalt mehr oder weniger, im Hinblick auf wertvolle Vitamine und Fettbegleitstoffe jedoch deutlich verändert wird: Phosphatide, Sterolglycoside, freie Fettsäuren und Carotinoide werden zu über 95 %, Sterole zu 32–61 % und Tocopherole zu 40–50 % entfernt (Fereidoon Shahidi: Nutraceutical and Specialty Lipids and their Co-Products. CRC Press, 2006, S. 545).
Das genannte Buch gibt es online, einfach mal googeln. :-)
Liebe Grüße
Heike

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