Pflege für atopische Haut eines Säuglings

In diesem Unterforum erörtern wir Themen rund um die Entwicklung, Herstellung und Optimierung von Hautpflegeprodukten (inklusive Fehlersuche).

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Kornblume
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Re: Pflege für atopische Haut eines Säuglings

Beitrag von Kornblume »

Ein Update:
Die Creme habe ich über Nacht stehen lassen und morgens nochmal aufgerührt - sehr viele Luftbläschen drin - hätt ich mal in der Kruke gerührt - Lehrgeld.

Die Haut der Nase findet die Creme am Körper ganz gut - aber im Gesicht zieht sie nicht gut ein. Auch ist der PH-Wert eher was für Mengen von 30g, weil für 2-3 Mal am Tag cremen in diesem Hautstadium (nur noch wenige subakute Stellen mit Potential zum Ausbruch) zu aggressiv. Spannend ist: Der Juckreiz ist bei nur einmal am Tag anwenden komplett weg und eine hartnäckige Stelle auf der Wange hat sich endlich geschlossen (nach Anwendung der Creme mit Fett-Feuchtem Wickel).

Das Bienenwachs lasse ich das nächste Mal weg und halte mich erstmal an die EKs in den Rührportraits. Auch der Puffer wird weichen und andere Öle eingesetzt - ich taste mich an eine echte Basis heran.

Heute habe ich meinen UEA-Nachbau )In Anlehnung an die Hydrophile Salbe nach DAB) gerührt - da ist zwar viel zu viel Konsistenzgeber drin, aber ich wollte dann doch was haben, wo ich relativ nah an der Originalcreme bin, um ein Backup zu haben für die weitere Entwicklung. Sheabutter und Barriereschutzbasis sind enthalten. Wenn das funktioniert, poste ich die Zusammensetzung, wobei auch da langfristig der Anteil an Behenylalkohol deutlich reduziert wird.

Ich hab noch diverse Tabs offen, mit interessanten Rezepten (vor allem was die Ölkombis angeht) - ich werde weiter berichten. Ist es ok, den Thread als eine Art Rezept- und Rührtagebuch zu nutzen, bis die finale Pflege gefunden ist?
Liebe Grüße
Sophia

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Helga
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Re: Pflege für atopische Haut eines Säuglings

Beitrag von Helga »

Kornblume hat geschrieben:
5. September 2021, 17:21
Ich hab noch diverse Tabs offen, mit interessanten Rezepten (vor allem was die Ölkombis angeht) - ich werde weiter berichten. Ist es ok, den Thread als eine Art Rezept- und Rührtagebuch zu nutzen, bis die finale Pflege gefunden ist?
Ja, ist es :), weiterhin viel Erfolg und alles Gute für die kleine Nase :)
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga


Mimi
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Re: Pflege für atopische Haut eines Säuglings

Beitrag von Mimi »

Liebe Kornblume,

es tut mir in der Seele weh zu lesen, dass Deine "kleinen Nase" solche Hautprobleme hat und ich finde es einfach großartig, dass Du Dich in das Thema Rühren einarbeitest, um zu helfen! Deshalb erst einmal: Chapeau und ganz viel Kraft und Erfolg! Deine „kleine Nase“ hat eine ganz tolle Mama :gut:

Ich hatte vom Säuglings- bis ins Teenager-Alter schlimme Neurodermitis. Selbst Rühren konnte ich damals natürlich noch nicht und auch jetzt bin ich noch ein Rührküken, deshalb kann ich leider nicht mit Rezepten dienen. Aber ich hoffe, dass Du aus Dingen, die mir geholfen haben, vielleicht ein paar Ansatzpunkte ziehen kannst:

- Wasserkontakt minimieren (besser kurz Abduschen als Baden, dazwischen alle paar Stunden mit einer Chinosol-Lösung abwischen, damit die Haut möglichst wenig austrocknet, aber dennoch möglichst sauber ist)
- offene Stellen mit sterilen Kamillenkompressen bandagieren (um Kratzen und weitere Infektionen zu verhindern)
- so wenig Kortison wie möglich (hat bei mir zu Pergamenthaut und in der schlimmsten Phase zu offenen Stellen geführt)
- Zink als entzündungshemmender Wirkstoff
- linolsäurehaltige Öle (z.B. Nachtkerze)
- Wie schon einige Vorrednerinnen empfohlen haben, würde auch ich Lecithine und Phytosterole/BSB versuchen, denn eine Stabilisierung der Hautbarriere ist das A und O.
- Mindestens genauso wichtig wie die passende Pflege von außen war bei mir, dass das Immunsystem zur Ruhe kam (Allergene reduzieren, Darmflora stärken, Ausschlussdiät)

Neurodermitis kann die Hölle sein, ich fühle mit Dir und Deinem kleinen Schatz - und ich möchte Dir Mut machen: Ich war sehr stark von dieser scheußlichen Erkrankung betroffen, bin nun aber seit 30 Jahren komplett symptomfrei - Linderung und sogar Heilung sind möglich, sobald man den für sich richtigen Weg gefunden hat! Ich wünsche Euch, dass Ihr Euren baldmöglichst findet!

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Kornblume
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Re: Pflege für atopische Haut eines Säuglings

Beitrag von Kornblume »

Mimi hat geschrieben:
5. September 2021, 23:36
Liebe Kornblume,
► Text anzeigen
Liebe Mimi,
danke für das Teilen deiner Erfahrungen. Im Austausch mit meiner Quasi-Schwiegermutter zum Aufwachsen der Tante der Nase habe ich bereits gemerkt, dass bei fähigen Ärzten heute einiges anders gemacht wird.

Desinfizieren soll ich nur an Tagen, an denen ein Kortisonpräparat auf die Haut kommt und dann nur an diesen Stellen. Bei Superinfektion gibt es zusätzlich Fettfeuchte Wickel bis der Schlonz raus ist aus der Haut und sie wieder halbwegs dicht ist - in der Zeit bringt Kortison bei der Nase eh nix, wenn es offen ist und nässt. Die Haut geht nach einem Tag Fett-Feucht-Wickeln aber meist wieder zu, sodass das Octenisept seinen Dienst machen kann.

Die Nase war hocherfreut, als ich zum täglichen Baden verdonnert wurde, damit sich die Schuppen lösen und gut durchhydriert wird. Wichtig war die Info, bei maximal 34 Grad zu baden (Die Nase steht auf 32-33 Grad), da sonsst Fette aus der Haut gelöst werden.

Jetzt ist nur noch jeden zweiten bis dritten Tag baden angesagt, aber Wasser ist gift kennen wir hier auch. Ich hab immer etwas Creme dabei zum Nachfetten.

Beim Stichwort Kortison fällt mir ein, dass ich neben dem richtigen Management auch sparsames Dosieren beigebracht bekommen habe. Führt mich zur Erkenntnis, dass die meisten Wirkstoffkonzentrationen in Heikes Rezepten primär auf Erwachsene ausgelegt sind. Da muss ich schön aufpassen, für die Nase sparsam zu dosieren, bzw. Hinweise nicht zu überlesen.

Zu meinem Ersatz-"Unguentum emulsificans aquosum"(nach DAB 10) trage ich die Tage Erfahrung und Verbesserung nach :).
Liebe Grüße
Sophia


ElisaHelene
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Re: Pflege für atopische Haut eines Säuglings

Beitrag von ElisaHelene »

ich kann dir leider auch nicht helfen, finde es aber super, dass du dich so sehr in diese Materie vertiefst, um deinem Kind helfen zu können. Und dass du dich nicht blind auf die Schulmedizin und irgendwelche umworbenen Pflegeprodukte verlässt.

Das wollte ich dir mal sagen....

lg Elli

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Kornblume
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Re: Pflege für atopische Haut eines Säuglings

Beitrag von Kornblume »

ElisaHelene hat geschrieben:
8. September 2021, 11:59
► Text anzeigen
Danke für deine lieben Worte.

Zum Thema in die Marterie vertiefen: Ich bin Hier auf einen älteren Post zum Thema Neurodermitis und Kleinkinder gestoßen. Sehr weise, wie ich finde und hat mich darin bestärkt, nicht nur hygienisch einwandfrei zu arbeiten, sondern vor allem auch nach dem Prinzip "weniger ist mehr".

Überdies habe ich viel "Pflösch"-Literatur rezipiert, dazu aktuellere Studien gesucht und verschlungen - wohlwissend, dass das für die Rührpraxis teilweise irrelevantes Wissen ist - aber es hält mich von unüberlegtem Aktionismus ab.

Der Nase geht es so weit gut. Die Backe ist infolge der durchbrechenden Zähne wieder voll entflammt und bedarf sehr viel Flüssigkeit, fett-feuchter Wickel und wenig Öl.

Dementsprechend sieht das derzeitige Akut-Rezept für die Wange aus wie folgt:
"Fettphase" (5,5 %)
  • 5g Jojobaöl
    0,5% GMCY (Konservierung)
Wasserphase (94,5%)
  • 0,5% Milchsäure (80%)
    2% Natriumlaktat (60%)
    1% Kaliumsorbat (20%) (Konservierung)
    Wasser ad 100
    1% Cosphaderm 34
Hintergrund
  • Der PH-Wert ist auf 4,7 eingependelt - das ist insofern relevant, als dass der Speichel, der die Wange durchgängig benetzt PH 6.5 hat und der Muttermilch Schmand, der beim Trinken um den Mund rum suppt PH 7.x hat.
  • Das saure Millieu bewirkt - so war es die Hoffnung und letztlich auch die Beobachtung - dass die Haut ihren Dienst tun und sich schließen kann.
  • Die "Fettphase" verhindert, dass bei den Fettfeuchten Wickeln nach vorzeitiger Trocknung der unteren Schicht der Verband an der Backe klebt, während die Nässende Flüssigkeit in den äußeren Verband gezogen wird.
  • Die Konservierung ist mir ein wichtiger Punkt, denn mehr Keime kann ich nicht gebrauchen. Kaliumsorbat verträgt die Nase von Jeher gut - GMCY hat überdies laut Portrait rückfettende Eigenschaften.
  • Jojoba-Öl ist gut verträglich, schafft unwirtliche Bedingungen für Staphylokokken-Stämme, die wir nicht haben wollen und reizt die Haut auch nicht zu Juckreizfördernden Regenerationsphasen.
Warum plötzlich diese Wendung?
Das Zahnen hat eine Öffnung der Wange mit starkem Nässen und Jucken bewirkt. Unschön - da hilft nichtmal mehr Unguentum Emulsificans Aquosum - nachts aber, mit nur Feucht-Feuchten Umschlägen trocknet die Haut fest. Doof am Morgen. So kommen wir zu einem Hautzustand zurück, der UEA toleriert und zugleich auch Kortison aufnehmen kann. Ziel ist immer noch die Haut so weit zu bekommen, nahrhafte Öle nicht nur beim Baden zuzuführen.

So weit das Update :) Der Forum ist ein wahrer Schatz, danke euch dafür.
Liebe Grüße
Sophia

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Helga
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Re: Pflege für atopische Haut eines Säuglings

Beitrag von Helga »

Habe ich gerade entdeckt, vielleicht ist was interessantes (Studien, Adressen) für Dich dabei: klick
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga

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Kornblume
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Re: Pflege für atopische Haut eines Säuglings

Beitrag von Kornblume »

Helga hat geschrieben:
12. September 2021, 20:00
► Text anzeigen
Liebe Helga,
vielen Dank für den Link, da bin ich doch gespannt, was am und nach dem 14.9. an Berichten rumkommt. Die Website im Artikel zum Leben mit Neurodermitis war meine Einsteigerlektüre, bis wir endlich ordentlich mit Erstinfos versorgt wurden. Wobei Erwachsene da nochmal ganz anders zu kämpfen haben. Ich bin gespannt, welche Entwicklung die Nase nimmt.
Liebe Grüße
Sophia

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Re: Pflege für atopische Haut eines Säuglings

Beitrag von Kornblume »

Es ist Zeit ins Land gegangen, 4 Zähne strahlen mir aus dem Mund der Nase entgegen und beim Intervallcremen mit Cortison sind wir auch für den Körper auf einer niedrigen Dosis angekommen. Noch besser aber: die Haut ist auch im Gesicht geschlossen, Spongiosen treten nur selten auf und der aktuelle Juckreiz am Kopf tritt nur nachts/ beim Einschlafen auf und scheint stark mit dem Kopfwachstum einherzugehen.

Für die "Winterzeit" draußen habe ich für den Morgenspaziergang meinen ersten Oleogel-Versuch in die nassen Wangen einmassiert - das hat sehr geholfen, die Wetterumstellung wird gut vertragen.

Dadurch ermutigt habe ich nach dem Rühren einer Oleogelvariante vorhin die Reste unter den allnächtlichen fett-feuchten Verband einmassiert - es gab diesmal kein Schimpfen und die Nase schlummert friedlich.

Das Eichenrinden-Gel hilft bei akutem Juckreiz (auch wenn der Initial verstärkt wird für ca. 1-2 Minuten), wird nach 30 Minuten aber um die Apothekenbasis ergänzt. Im Moment brauchen wir das Gel nicht, ich habe den Überschuss trotz Konservierung eingefroren.

Den ersten Versuch die Apothekenbasis zu ersetzen, habe ich nach einem Abstrich auf zwei Agar-Varianten erstmal sein gelassen, da habe ich beim Rühren wohl geschlampt, es wuchs ein (kleiner) Schimmelpilz auf dem CLED-Agar. Hier sind wir zurück zum Mineralöl, weil in der Apotheke reiner hergestellt - Verkeimung beim zweimal täglich Cremen kann ich der Nase nicht mehr, als das eben im Alltag passiert, antun. Wenn ich mehr Sicherheit im Rühren habe wird das Projekt "Basispflege-Creme" auch praktisch umgesetzt.

Jetzt wird das Oleogel erstmal genutzt, hier war sauberes Arbeiten gut umsetzbar und es ist in eine Kruke abgefüllt.
Liebe Grüße
Sophia

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Kornblume
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Re: Pflege für atopische Haut eines Säuglings

Beitrag von Kornblume »

monacensia hat geschrieben:
11. Oktober 2021, 10:06
Ah, danke, sowas hatte ich schon vermutet. Damit das Lanolin ncht klebt: Meinst Du damit, daß WWA eine, äh, "entklebende" Wirkung auf das Lanolin hat oder nur, daß Du dadurch weniger Lanolin in der Rezeptur hast und es deshalb weniger klebt? Wenn es ersteres wäre, würde ich nie wieder Lanolin ohne WWA irgendwo reintun!
Ich antworte dir mal hier, damit wir das Gerührte nicht zutexten :)

Ich habe mich an den Rohstoffportraits orientiert. Hier heißt es:
Manche bevorzugen Wollwachsalkohol gegenüber reinem Lanolin, da ihm die Klebrigkeit und Schwere des Lanolins fehlt.
Gegen Klebrigkeit an sich scheint Lysolecithin aber besser geeignet, da heißt es im Portrait:
Bienenwachs verliert in Emulsionen mit Lysolecithin seine »Wachsigkeit« und erzeugt samtige Weichheit, Wollwachsalkohol und Lanolin ihre »klebrige Schwere« (vor allem letzteres) und wirken intensiv befeuchtend und »satt«. Seine in Emulsionen konsistenzmindernde Wirkung prädestiniert es als Emulgator für Lotionen und Fluids, denen es eine sehr schöne Textur und eine angenehme Haptik verleiht.
Lysolecithin habe ich bisher noch nicht in W/O eingebarbeitet, weil mir a) schlichtweg die Erfahrung fehlt und b) die kleine Nase bisher in O/W mit Lysolecithin noch nicht klar kam (wobei ich da denke, dass die Haut schlicht noch nicht dafür bereit war, es werden ja momentan nur zaghaft mehr Wirkstoffe vertragen.

Im Wollwachs-Rechner findest du Anregungen zur Kombination von LL, WWA und Lanolin - aber der funktioniert erst ab höherer Fettphase.
Liebe Grüße
Sophia


monacensia
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Re: Pflege für atopische Haut eines Säuglings

Beitrag von monacensia »

OK, das ist dann wohl so, wie ich mir dachte: WWA nimmt dem Lanolin nicht die klebrigkeit, sondern es mindert sie einfach, indem es das Lanolin z.T. ersetzt.
Bei Lysolecithin liest es sich andersrum. Allerdings ist das ein O/W-Emulgator, auch wenn er anscheinend mit hohen Fettphasen klarkommt.
Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit der kleinen Nase weitergeht. Ihr macht ja echt was mit!

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