Was dickt hier an?

Hier geht es um Fragen rund um die Entwicklung und Optimierung von Shampoos, Conditionern, Haarfluids, Festigern und anderen Produkten für unsere Haare.

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Annika
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Was dickt hier an?

Ungelesener Beitrag von Annika »

Hallo ihr Lieben,

nun bin ich ja schon einige Jahre dabei, aber trotzdem stehe ich manchmal wie der Ochs vorm Berg....
Ich habe ein Shampoo gerührt, womit ich allgemein noch nicht so viel Erfahrung habe, aber meine Haare sind recht pflegeleicht. Solange die WAS hoch genug ist, dass sie nicht beschwert werden, funktioniert eigentlich alles.

65 % Tensidphase (65 g)
Tenside (65 g | 65 %):
25 g Disodium/Sodium Cocoyl Glutamate (anionisch) (25 %)
15 g Coco Glucoside (nichtionisch) (15 %)
25 g Cocamidopropyl Betain (25 %)
35 % Wasserphase (35 g)
Wirkstoffe (1 g | 1 %):
1 g Glyceryl Caprylate (1 %)
Hilfs- und Zusatzstoffe (6.4 g | 6.4 %):
0.7 g Cosphaderm® X 34 (0.7 %)
0.2 g Kaliumsorbat (0.2 %, das sind ca. 4 Tr.)
5 g Zitronensäure (5 %, das sind ca. 100 Tr.)
0.5 g Orangenöl (0.5 %, das sind ca. 10 Tr.)
27.6 g Wasser (27.6 %)

Tenside vorsichtig geschmolzen, ÄÖ dazu, Wasserphase ohne Gelbildner vermischt und zu den Tensiden dazu. Gerührt mit IKA auf ca. 200 rpm. Die Konsitenz überprüft und es kam mir recht flüssig vor, also noch das Xanthan dazu. Mmmh, so wirklich geändert hat sich die Konsistenz nicht, aber gut. Ich habe es trotzdem abgefüllt und wollte die Restmenge im Glas abends beim Duschen verwenden.
Das Glas steht also ganz unschuldig im Zimmer und einige Stunden später sehe ich einen super feinporigen Schaum (?), das Shampoo ist komplett angedickt und bockelhart geworden. Die Farbe ist von leicht durchsichtig zu weiß-opak-irisierend gewechselt (sieht echt schön aus :)). Das Zeug war so fest, dass ich es nur mit Gewalt aus der Flasche gedrückt bekam und im Laufe der Verwendung vier Mal mit Wasser verdünnt habe: Jedes Mal wenn wieder Platz in der Flasche war mit Wasser aufgefüllt und gut geschüttelt. Konservierungstechnisch natürlich ein Alptraum und am Ende war die schleimige Masse auch nicht mehr wirklich waschaktiv.

Nun gut, wegschmeißen wollte ich es nicht und nachdem es jetzt endlich aufgebraucht war habe ich gestern eine ähnliche Variante gerührt, ohne Xanthan und mit weniger Tensid.

50 % Tensidphase (50 g)
Tenside (50 g | 50 %):
20 g Disodium/Sodium Cocoyl Glutamate (anionisch) (20 %)
10 g Coco Glucoside (nichtionisch) (10 %)
20 g Cocamidopropyl Betain (amphoter) (20 %)
50 % Wasserphase (50 g)
Wirkstoffe (1 g | 1 %):
1 g Glyceryl Caprylate (1 %)
Hilfs- und Zusatzstoffe (5.7 g | 5.7 %):
0.2 g Kaliumsorbat (0.2 %, das sind ca. 4 Tr.)
5 g Zitronensäure (5 %, das sind ca. 100 Tr.)
0.5 g Orangenöl (0.5 %, das sind ca. 10 Tr.)
43.3 g Wasser (43.3 %)

Die Konsistenz war nach dem Rühren (wie oben) wieder verdächtig flüssig, aber diesmal bin ich in weiser Voraussicht standhaft geblieben. Ca. zwei Stunden nach dem Rühren habe ich die Reste verduschen wollen und konnte zufällig beobachten wie wieder dieser geheimnisvolle Verdickungsvorgang stattfand. Aus einem einigermaßen dünnflüssigem, durchsichtigem Shampoo wurde eine feste opake Masse. Vorher fließfähig, jetzt fester als Pudding, das Zeug bleibt oben beim Umdrehen der Flasche.
Immerhin ist es beim zweiten Versuch nicht so fest geworden wie mit Xanthan, ich denke, es lässt sich verwenden.

Aber was ist da los? Liegt es an der Zitronensäure? An der Tensidkombi? Am Orangenöl? Vielleicht ist das ja auch eine normale Reaktion bei Shampoos? Ich bin jedenfalls sehr verwirrt. :skeptisch:
LG Annika

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Leela
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Re: Was dickt hier an?

Ungelesener Beitrag von Leela »

Welches Cocamidopropyl Betaine hast du denn?

Das mit 38% oder 30% WAS?

Im Datenblatt von TEGO® Betain F 50 (38% WAS) steht zumindest:
TEGO® Betain F 50 provides a strong thickening effect to surfactant solutions.
Da könnte ich mir vorstellen das in Verbindung mit dem zusätzlichen Xanthan Shampoowurst ( :kicher: ) draus wird.

Ob das für die 30% WAS Variante gilt, weiß ich nicht, da habe ich kein Datenblatt gefunden.

Und darf ich dich fragen, wieso schmilzt du die Tenside vor Verarbeitung auf? :)
Liebe Grüße, Alexandra

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marie
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Re: Was dickt hier an?

Ungelesener Beitrag von marie »

Liebe Annika,
möchtest Du eine WAS von min. 21,6% (erster Ansatz), bzw. 16,2% ((zweiter Ansatz); hab bei der Berechnung für Betain-tensid die Variante mit der tieferen WAS genommen)?
Die Tensidkombination hab ich auch (für mich reicht WAS 10%, denke, werde das nächste eher mit WAS 8 oder 9% rühren); habe das amphotere Tensid fürs erste jedoch nur mit einem Anteil von 5% drin (weiß nicht, wie sich innere Salze verhalten, wollte das mal etwas austesten jedoch so möglich ohne "Überraschungen"), hatte mit dieser Kombination keine Schwierigkeiten (Xanthan zu 0,7% eingesetzt); allerdings habe ich andere Wirk-/Zusatzstoffe (verwende Milchsäure/konserviere mit Ethanol und gebe noch Glycerin (10%) sowie eine FP von 8-10% dazu).
Auf welchen pH hattest Du eingestellt?
Liebe Grüße, marie

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Positiv
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Re: Was dickt hier an?

Ungelesener Beitrag von Positiv »

Liebe Annika, was ist da passiert?
Ich weiß es auch nicht, habe nur jeweils 2 Shampoos nach Heikes Rezept gemacht. Da ist so etwas nie passiert.
Ich hoffe, Du bekommstes noch heraus, das interessiert mich sehr. :brille:
Liebe Grüße Karin

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Judy
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Re: Was dickt hier an?

Ungelesener Beitrag von Judy »

Ich denke du hast die Tenside geschmolzen wegen dem Glyceryl Caprylate?
Vielleicht ist das verantwortlich für die verdickende Wirkung...
Für mich hört sich das an wie mit SCI oder einem anderen Isethionate - da passiert genau das.
Bist du dir sicher dass du die richtigen Tenside benutzt?
Die WAS scheint mir auch sehr hoch zu sein, so wie Marie es schon erwähnte...

Liebe Grüße,
Judy
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Annika
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Re: Was dickt hier an?

Ungelesener Beitrag von Annika »

Leela hat geschrieben:
8. Juli 2020, 10:07
Welches Cocamidopropyl Betaine hast du denn?

Das mit 38% oder 30% WAS?
Das von aliacura, mit 38%. In deren Infotext steht nur was von "Zunahme der Viskosität", das las sich in meinen Augen nicht sooo krass. "Strong thickening effect" kommt da schon eher hin.
Und darf ich dich fragen, wieso schmilzt du die Tenside vor Verarbeitung auf? :)
Meine Tenside stehen wie die meisten Rohstoffe im Kühlschrank, daher ist das Coco Glucosid recht fest (wenn ich nicht dran denke es vorher rauszuholen...) und da ich eh Wasser abkochen muss, stelle ich die abgewogenen Tenside zum Aufschmelzen kurz ins Wasserbad.
marie hat geschrieben:
8. Juli 2020, 12:10
möchtest Du eine WAS von min. 21,6% (erster Ansatz), bzw. 16,2% ((zweiter Ansatz); hab bei der Berechnung für Betain-tensid die Variante mit der tieferen WAS genommen)?
[...]
Auf welchen pH hattest Du eingestellt?
Nun ja... Der erste Versuch hatte die hohe WAS, weil ich damit auch Ölkuren ausspülen möchte und es nichts nervigeres gibt als wenn ich dafür zweimal Haare waschen muss. Nachdem ich diesen ersten Versuch einmal verdünnt hatte und die WAS eigentlich immer noch ganz okay war, dachte ich, beim zweiten Versuch gehe ich runter.
Der pH ist auf 5 eingestellt, das würde zu Cocamidopropyl Betaine als Übeltäter passen.
Judy hat geschrieben:
8. Juli 2020, 23:28
Ich denke du hast die Tenside geschmolzen wegen dem Glyceryl Caprylate?
Für mich hört sich das an wie mit SCI oder einem anderen Isethionate - da passiert genau das.
Bist du dir sicher dass du die richtigen Tenside benutzt?
Glyceryl Caprylate habe ich in der WP verarbeitet, Schmelzen siehe oben.
Die Tenside stimmen schon, ich tendiere nach Leelas Hinweis tatsächlich zum Cocamidopropyl Betaine.
Positiv hat geschrieben:
8. Juli 2020, 17:28
Ich hoffe, Du bekommstes noch heraus, das interessiert mich sehr. :brille:
Ein witziges Phänomen jedenfalls. :ja: Ich glaube, ich versuche das beim nächsten Versuch mal fotografisch festzuhalten und einen weiteren Test mit weniger Cocamidopropyl Betaine anzusetzen. Da müsste ja dann weniger Viskosität herauskommen. Schnittfestes Shampoo brauche ich jedenfalls nicht. :D

Danke fürs Miträtseln!
LG Annika

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Leela
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Re: Was dickt hier an?

Ungelesener Beitrag von Leela »

Annika hat geschrieben:
9. Juli 2020, 11:50
Meine Tenside stehen wie die meisten Rohstoffe im Kühlschrank, daher ist das Coco Glucosid recht fest (wenn ich nicht dran denke es vorher rauszuholen...) und da ich eh Wasser abkochen muss, stelle ich die abgewogenen Tenside zum Aufschmelzen kurz ins Wasserbad.
Ah, danke! Ich dachte nur ich hätte bisher bei der Verarbeitung von Tensiden etwas übersehen.
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waschbär
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Re: Was dickt hier an?

Ungelesener Beitrag von waschbär »

Annika hat geschrieben:
9. Juli 2020, 11:50
Ein witziges Phänomen jedenfalls. :ja: Ich glaube, ich versuche das beim nächsten Versuch mal fotografisch festzuhalten und einen weiteren Test mit weniger Cocamidopropyl Betaine anzusetzen. Da müsste ja dann weniger Viskosität herauskommen. Schnittfestes Shampoo brauche ich jedenfalls nicht. :D
Finde ich auch äußerst interessant dieses Verhalten. Schnittfest ist natürlich falsch, aber wenn man bedenkt, was für einen Aufwand sich viele mit Andicken durch Xanthan, Salz und sonstwas machen, dann könnte man das Verhalten doch sicher sinnvoll einsetzen. Voraussetzung ist natürlich daß man es gebändigt bekommt und durch die richtige Dosierung oder Verarbeitung hinterher ein leichtes Gel rauskommt.

Würde mich jedenfalls freuen wenn Du weiter forschst und hier berichtest.

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