Hautphysiologie - Harzsalbe

Ob als Tinktur, Infus, Mazerat, Hydrolat oder Pflanzenpulver: Pflanzen sind die Seele unserer Kosmetik.
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Panakeia
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Hautphysiologie - Harzsalbe

Beitrag von Panakeia »

Hallo liebe MitforistInnen,

Fichtenharz wird seit Jahrhunderten in der Volksmedizin eingesetzt. Inzwischen ist die antimikrobielle Wirkung des Harzes gegen Dermatophyten (Hautpilze) und gram-positive Bakterien (Wundbesiedelung) wissenschaftlich belegt. Vielen ist womöglich die Harzsalbe (Pechsalbe) bekannt. Die gängigen Rezepturen sind ungefähr wie folgt zusammengesetzt:

ÖlNaturharzBienenwachs
62%25%13%
Augenblicklich interessiere ich mich für die hautphysiologishe Wirkung von Baumharz. Auf Wikipedia liest man, Fichtenharz sei "ein wechselndes Gemenge von kristallisierbarer, gewöhnlich aber amorpher Harzsäure mit Terpentinöl und Wasser". Das Terpentinöl sollte jedoch nach dem aushärten des Harzes verflogen sein. Hier findet man auf Seite 52/53 eine detailliertere Aufschlüsselung. Vielleicht kann damit jemand etwas anfangen, wer weiß. Hier meine bisherigen Erkenntnisse und Fragen zu Baumharz:
  • Hier in der Rührküche berichtete Forist MalerBiran über eine astringierende Wirkung des Harzes.
  • Weiß jemand ob die Bestandteile des Harzes auf die natürliche Hautbarriere auswirken?
  • Wie wirkt sich Harz auf die Okklusivität einer Salbe aus?
    Besteht hier beispielsweise die Gefahr einer Schädigung der Hautbarriere, wie dies von mineralölbasierten Kosmetikprodukten berichtet wird
Wenn mir jemand weiterhelfen kann, oder mir weitere Informationsquellen empfehlen kann, dann freue ich mich. Vielen Dank

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Heike
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Re: Hautphysiologie - Harzsalbe

Beitrag von Heike »

Eine Salbe wird immer ein Therapeutikums sein, und in diesem Kontext ist eine hohe Okklusivität erwünscht, weil sie die Penetration von Wirkstoffen fördert: Die unter der okkludierenden Schicht aufgestaute Feuchtigkeit sorgt für eine Quellung der Korneozyten und eine »aufgelockerte Struktur«. Insofern kannst Du diese Bedenken in diesem Kontext außer Acht lassen. Die Salbe wird so oder so immer nur lokal und zeitlich begrenzt eingesetzt.
Liebe Grüße
Heike


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Panakeia
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Re: Hautphysiologie - Harzsalbe

Beitrag von Panakeia »

Gut zu wissen, dass die Okklusivität bei entsprechender Anwendung kein Problem darstellt. Hier habe ich mir wohl zu viele Sorgen gemacht.

Danke und liebe Grüße


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Panakeia
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Re: Hautphysiologie - Harzsalbe

Beitrag von Panakeia »

Heike hat geschrieben:
7. Dezember 2021, 08:23
... in diesem Kontext ist eine hohe Okklusivität erwünscht, weil sie die Penetration von Wirkstoffen fördert...
--> Aha, folglich macht es womöglich Sinn, diese Wirkung durch einen gewissen Anteil an Ölsäure zu verstärken (Die meisten Online-Rezepte für Harzsalbe funktionieren ausschließlch mit Olivenöl ;-) ).

Trotzdem hat mir diese Frage natürlich keine Ruhe gelassen :kekse:
Um Abzuschätzen, inwiefern Inhaltsstoffe des Harzes womöglich in die Lipidschichten der Haut eindringen können, oder lediglich einen okklusiven Film auf der Hautoberfläche bilden, habe ich mich zunächst über Inhaltsstoffe von Fichtenharz informiert. Dieses besteht offenbar (nach der Verarbeitung) in erster Linie aus Kolophonium d.h. Harzsäuren . Unter diesen dominiert die Abietinsäure (vgl. Bild unten) mit durchschnittlich 40%. Ich frage mich, ob es generell möglich ist aufgrund der Molekülstruktur konkrete Aussagen über das Eindringverhalten von Molekülen zu treffen.
Bild
Leider bin ich keinE ChemikerIn. Doch sicher verleiht die Wabenstruktur der Harzsäure im Gegensatz zu den Fettsäuren eine gewisse Starre, welche ein Eindringen erschwert. Außerdem ist ein Albietinsäuremolekül noch etwas schwerer (und größer) als beispielsweise ein Ölsäuremolekül. Daher wird es vemutlich weniger gut einziehen als eine Fettsäure.
--> Sind derartige Aussagen anhand von Strukturformeln prinzipiell möglich und sinnvoll oder sind derartige Schlussfolgerungen eher Kaffeesatzleserei?

Falls diese Harzsäuren (wider meiner Erwartung) die Haut eindringt, dann stellt sich natürlich die Frage, was diese in der Hautbarriere anrichtet...d.h. ob diese wieder ausgespült oder stattdessen irgendwie eingebaut wird. Intuitiv vermute ich, dass solche Moleküle zu andersartig sind, um sich ohne weiteres in Lipidschichten einzufügen. Ein Einbau andererseits brächte sicher einiges durcheinander.
--> Auch hier bin ich neugierig auf eine fachkundige Meinung. Oder gerne auch einen entsprechenden Verweis auf Möglichkeiten zur Weiterbildung.

Vielen Dank an alle, die mir hier weiterhelfen können.

liebe Grüße


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Panakeia
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Re: Hautphysiologie - Harzsalbe

Beitrag von Panakeia »

Nachdem sich durch meine "Kaffeesatzleserei" keinE Chemie-ExpertIn hat triggern lassen ;-), habe ich noch einmal selbst recherchiert. Es folgt eine kurze Zusammenfassung all meiner bisherigen Erkenntnisse in Hinblick auf die kosmetische/mediziniesche Verwendung von Fichtenharz:
  • In der Kosmetikindustrie wird Kolophonium folgendermaßen verwendet:
    • als Bindemittel
    • als Konsistenzregler
    • als Filmbildner (Das spricht dafür, dass Fichtenharz die Haut kaum penetriert )
  • Aus medizinischer Sicht ist folgendes gesichert:
  • Hautphysiologisch ist zudem folgendes Interessant:
    • Es gibt offenbar Harzsäuren, welche in Zellmembrane eingebaut werden. In einer Studie heißt es dazu:
      "Der Einbau von Dehydroabietinsäure in Phospholipidmembranen ist nachgewiesen (Aranda und Villalaín 1997; Villalaín 1997) Die Wechselwirkung mit Zellmembranen ist wahrscheinlich auch die Ursache für die bakteriozide Wirkung gegenüber Gram-positiven Bakterien (Söderberg et al.1996)."
    • Online wird Fichtenharz zudem oft eine astringierende und beruigende Wirkung zugeschrieben.
So damit bin ich mit dem Thema Fichtenharz erst einmal durch ;-). Wer weiß, vielleicht nützt es jemandem.


Kathriona
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Re: Hautphysiologie - Harzsalbe

Beitrag von Kathriona »

Liebe Panakea,

mir hat es genutzt! Ich bin froh und dankbar, dass du deine Gedanken hier geteilt hast.
Liebe Grüße

Kathriona

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