Wirkung auf die Konsistenz: Kakaobutter, Cetylalkohol, Xanthan?

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Moderator: Helga

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Fauka
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Wirkung auf die Konsistenz: Kakaobutter, Cetylalkohol, Xanthan?

Ungelesener Beitrag von Fauka »

Ich entwickele gerade ein neues, weiteres Handcremerezept und stelle fest, dass ich nicht so recht erklären kann, wie sich Konsistenzgeber wie Kakaobutter oder Bienenwachs von Fettalkoholen wie Cetylalkohol und wieder von Gelbildnern unterscheiden.....irgendwie geben die doch als Hauptaufgabe alle Konsistenz....oder? Ich tu mich schwer mit einer Abgrenzung der Gruppen voneinandner und den jeweiligen Vor- und Nachteilen. Wann nehme ich was und warum ist so gut wie immer Xanthan als Gelbildner drin? Dafür scheint es keine Alternative zu geben...?
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Lotti
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Re: Wirkung auf die Konsistenz: Kakaobutter, Cetylalkohol, Xanthan?

Ungelesener Beitrag von Lotti »

Hallo Fauka, ich versuche mal, es zu erklären, wie ich es verstanden habe.
Konsistenzgeber wie Kakaobutter oder Sheabutter dicken durch ihren höheren Schmelzpunkt die Fettphase an. Während Öle bei Zimmertemperatur normalerweise flüssig sind, liegen diese Buttern bei Zimmertemperatur fest vor. Das tun sie auch in der Creme. Darum ist es auch so wichtig, eine Creme mit diesen festeren Fetten bis zum vollständigen erkalten zu rühren. Es bilden sich sonst unregelmäßige Strukturen aus. Buttern sind auch rückfettend und reichhaltig, im Gegensatz zu Fettalkoholen wie Cetylalkohol. Sie bilden ein Netzwerk in der Wasserphase. Darin wird die Fettphase stabilisiert. Wie in einem Gitter. Das Wasser wird dadurch "gebunden" und nur verzögert freigegeben. Ein Gelbildner wie Xanthan bildet halt mit dem Wasser ein Gel und dickt dadurch eine Creme an und stabilisiert sie auch. Das Wasser steht aber trotzdem nach dem Auftragen auf die Haut sofort zur Verfügung. Es ist nicht eingebunden wie bei Fettalkoholen.
Liebe Grüße
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Heike
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Re: Wirkung auf die Konsistenz: Kakaobutter, Cetylalkohol, Xanthan?

Ungelesener Beitrag von Heike »

Lotti, das ist wunderbar erklärt. Ich füge daher nur noch eine Grafik an, die zeigt, wie eine Cremestruktur quasi modellhaft aussieht (sie gehört zu diesem Beitrag):

[ externes Bild ]

Leider kann man das Bild nicht sehen, ich wurde gebeten, die erlaubten Bildmaße zu verkleinern. ;-) Man kann das Bild aber sehen, wenn man draufklickt.

Mit (3) sind die kristallinen Strukturen aus Emulgatoren und Fettalkoholen gekennzeichnet, und da sieht man, wie diese Wasser einschließen. Das macht Konsistenz (und eine trockene Haptik, und es verringert den Anteil freien Wassers und das Wasserabgabeverhalten).

Buttern können das nicht. Sie sind vor allem dann konsistenzbildend, wenn man rein fetthaltige Produkte oder Wasser-in-Öl-Emulsionen rührt. In O/W-Emulsionen (wo wir viel Wasserung wenig Öl haben) spielen sie als Konsistenzgeber nur eine geringe Rolle, da man sie nicht so hoch dosiert.

Wer auf Fettalkohol verzichten möchte und dennoch Konsistenz will, nimmt Gelbildner (Siligel®, Solagum™ AX) oder Wachs – davon braucht man nur wenig, und ihre Haptik ist nicht so ölig. Beerenwachs und Japanwachs sind z. B. sind chemisch betrachtet keine Wachse, sondern Fette wie Buttern auch. Man braucht aber nur wenig von ihnen, um eine gewisse Konsistenz zu erhalten.
Liebe Grüße
Heike

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Fauka
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Re: Wirkung auf die Konsistenz: Kakaobutter, Cetylalkohol, Xanthan?

Ungelesener Beitrag von Fauka »

Danke euch beiden! Das hat beim Sortieren im Kopf geholfen :)

Also würde Kakaobutter in der Fettphase meiner Ö/W-Emulsion nicht nennenswert Konsistenz geben......bleibt noch der Fettalkohol, Bienenwachs oder Xanthan. Eigentlich würde ich ja gerne mal auf Xanthan verzichten, weil es bisher immer dabei war und ich neugierig bin darauf, wie es ohne wäre. Und weil es auch einen fummeligen Herstellungsschritt darstellt, jedenfalls momentan noch für mich. Ist Fettalkohl plus Bienenwachs bei einer Fettphase von 35% eine schlaue Idee? :gruebel:
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Heike
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Re: Wirkung auf die Konsistenz: Kakaobutter, Cetylalkohol, Xanthan?

Ungelesener Beitrag von Heike »

Fauka hat geschrieben:
20. Februar 2021, 16:35
Also würde Kakaobutter in der Fettphase meiner Ö/W-Emulsion nicht nennenswert Konsistenz geben......
In üblichen Dosierungen gibt es mehr »Körper«, bei 35 % Fettphase kann man durchaus mehr Butter nehmen, ohne dass sie sich haptisch unangenehm zeigt. Daher – um Deine nächste Frage zu beantworten (» Ist Fettalkohl plus Bienenwachs bei einer Fettphase von 35% eine schlaue Idee? «) – kann man bei 35 % auch mehrere Konsistenzgeber mischen. Sie werden das Auftragsverhalten angenehmer gestalten.

Bei meiner Basisrezeptur der »leichten Körperbutter« habe ich z. B. – ungewöhnlich für mich – relativ viel Fettalkohol mit dem Emulgator konzipiert. Das führt zu einer sehr reichhaltigen Emulsion, die jedoch gar nicht fettig ist, sondern eine »pudrige« Haptik aufweist. Ich trage sie gerne auf leicht feuchter Haut nach dem Duschen auf; ich kann mich dennoch kurz danach anziehen.
Liebe Grüße
Heike

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Helga
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Re: Wirkung auf die Konsistenz: Kakaobutter, Cetylalkohol, Xanthan?

Ungelesener Beitrag von Helga »

Fauka hat geschrieben:
19. Februar 2021, 22:45
Ich entwickele gerade ein neues, weiteres Handcremerezept und stelle fest, dass ich nicht so recht erklären kann, wie sich Konsistenzgeber wie Kakaobutter oder Bienenwachs von Fettalkoholen wie Cetylalkohol und wieder von Gelbildnern unterscheiden.....irgendwie geben die doch als Hauptaufgabe alle Konsistenz....oder? Ich tu mich schwer mit einer Abgrenzung der Gruppen voneinandner und den jeweiligen Vor- und Nachteilen. Wann nehme ich was und warum ist so gut wie immer Xanthan als Gelbildner drin? Dafür scheint es keine Alternative zu geben...?
Aus meiner Sicht kann man auch unterscheiden was wofür :)
Das Vorhandensein von Kakaobutter spürt man haptisch, je nach Vorliebe mag man das in einer Bodylotion und vielleicht in Gesicht und Handcreme nicht, das Hautgefühl ist je nach eingesetzter Menge "eingecremt", "pflegend", "molllig", ein wenig "aufliegend".
Bienenwachs, etwa 0,5%, in Handcreme schützt auch ein wenig und übersteht - je nach Rezept - auch eine Handwäsche; in Gesichtspflege gibt es ein wenig Konsistenz und - so empfinde ich es - ein bisschen Schutz (Okklusivität) gegen abdunsten Hautfeuchtigkeit.
Gelbildner sehe ich als Allroundler, es ist nicht fettig und gibt doch ein wenig Konsistenz, speziell für leichte Cremen als Stabilisator und wirkt auch leicht -weil leicht filmbildend - gegen abdunsten Hautfeuchtigkeit. (Cosphaderm 34 streue ich problemlos in die Emulsion ein).
Fettalkohole - da fällt mir im Moment nichts dazu ein :), den verwende ausschließlich in Heike`s Fußbalsam.

P.S.: Meine Cremen mit 30% sind keine Cremen, sondern teilweise wie Milch :). Ich verwende zwar Gelbildner, aber weil doch einige Salze (auf einmal zugegeben) in der Rezeptur sind, verflüssigt es sich manchmal. Egal, abgefüllt in einen Airless-Dispenser macht mir das nichts, bin daran gewöhnt und mit 3 Pumpstössen reicht es für Gesicht und Handrücken :).
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga

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