Haarschampoo "Every Day "

Hier geht es um Fragen rund um die Entwicklung und Optimierung von Shampoos, Conditionern, Haarfluids, Festigern und anderen Produkten für unsere Haare.

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Gloa
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Haarschampoo "Every Day "

Ungelesener Beitrag von Gloa »

Hallo zusammen, gestern habe ich dieses Schampoo nachgerührt. Das Weizenprotein habe ich gegen Weizenprotein HT flüssig getauscht und die Wassermenge entsprechend reduziert. Leider klappt es nicht mit der Viscositätseinstellung durch Salz. Das Schampoo bleibt flüssig wie Wasser.
Wie schaut's bei Euch mit diesem Rezept aus ? Habt Ihr andere Erfahrungen gemacht ?
❤️ lichst Gloa

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lafeerique
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Re: Haarschampoo "Every Day "

Ungelesener Beitrag von lafeerique »

Welches Tensid hast du denn benutzt? Soweit ich weiß klappt das mit dem Salz nur bei anionischen Tensiden. Ich benutze z. B. SCS und das klappt super. Bei zu viel Salz wird es übrigens wieder flüssiger.
Liebe Grüße, Fee


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Gloa
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Re: Haarschampoo "Every Day "

Ungelesener Beitrag von Gloa »

Hallo Fee, das Rezept ist aus Heikes Buch.
Dort werden Perlastan und CocoGlucosid als Tenside genommen.
❤️ lichst Gloa

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Heike
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Re: Haarschampoo "Every Day "

Ungelesener Beitrag von Heike »

Es ist richtig, dass eine deutliche Verdickung mit Salz sulfathaltige Tenside voraussetzt. Ich habe bei der Formulierungsentwicklung jedoch so, wie diese im Buch steht, eine Konsistenz erreicht, die gut entnehmbar ist. Das liegt, wie ich heute weiß, am Zusammenspiel aus Dermofeel® P-30 und den verwendeten Tensiden mit dem pH-Wert, nicht am Salz – damals, 2012, waren mir die Zusammenhänge noch nicht bewusst: ich glaubte damals fälschlicherweise, es sei die Kombination aus anionischen Tensiden, Salz und saurem pH-Wert. Tatsächlich sind sulfathaltige Tenside anionisch – aber nicht jedes anionische Tensid ist sulfathaltig. :-)

Der saure pH-Wert sorgt jedoch tatsächlich im Zusammenspiel aller Komponenten für eine ausreichende Konsistenz. ich habe Salz kosmetisch immer als sehr wohltuend für die Kopfhaut empfunden. Auch im Lecithinshampoo (einem uralten Rezept, das aber von Leserinnen sehr geschätzt wird, daher belasse ich es online), is etwas Salz.

Wenn Dir die Konsistenz nicht ausreicht, kannst Du entweder ca. 1 % Xanthan ergänzen oder eine geringe Menge an SCS. Ich nehme seit einigen Jahren gerne ein wenig SCS zu den Zuckertensiden dazu, weil die Konsistenz dann tatsächlich sehr schön wird, auch ohne Gelbildner (oder mit reduziertem Gehalt).
Liebe Grüße
Heike


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Gloa
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Re: Haarschampoo "Every Day "

Ungelesener Beitrag von Gloa »

Hallo Heike, die Konsistenz habe ich final nachträglich mit Xanthan Cosphaderm eingestellt.
Nimmt man zu Perlastan und CocoGlucosid einen Anteil an SCS, klappt's auch mit der Verdickung mit Salz. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht.
Danke für Deine ausführliche Erklärung.
❤️ lichst Gloa


waschbär
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Re: Haarschampoo "Every Day "

Ungelesener Beitrag von waschbär »

Hallo Heike,
Heike hat geschrieben:
17. Januar 2020, 12:58
Das liegt, wie ich heute weiß, am Zusammenspiel aus Dermofeel® P-30 und den verwendeten Tensiden mit dem pH-Wert, nicht am Salz – damals, 2012, waren mir die Zusammenhänge noch nicht bewusst: ich glaubte damals fälschlicherweise, es sei die Kombination aus anionischen Tensiden, Salz und saurem pH-Wert. Tatsächlich sind sulfathaltige Tenside anionisch – aber nicht jedes anionische Tensid ist sulfathaltig. :-)
Darf ich hier nochmal einhaken? Ich hab von ein paar Tagen ein Shampoo angelehnt an das Aloe-Rosmarin-Shampoo-Rezept aus Deinem Buch gerührt. Also Perlastan SC und Kokosglucosid mit Dermofeel P30, keine sulfathaltigen Tenside. Das Produkt war flüssig, ich hatte noch kein Xanthan drin (also nicht wie im Rezept angegeben Xanthan in der zweiten Wasserphase).

Ich habe dann nach dem Einstellen des PH-Werts kleine Mengen Salz hinzugegeben. Beim Einrühren des Salzes dickte sich das Produkt ganz leicht an, so wie im Rezept beschrieben.

Wenn es, wie in Deinem Post oben beschrieben, am Dermofeel P30 und den Tensiden im pH-Wert liegt, nicht aber am Salz, warum dickt es sich dann doch direkt nach der Zugabe vom Salz an?

Ich würde dieses Salz-Andick-Phänomen ohne Sulfate gerne genauer verstehen. Danke.

Gruß,

Waschbär

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Heike
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Re: Haarschampoo "Every Day "

Ungelesener Beitrag von Heike »

waschbär hat geschrieben:
6. Mai 2020, 20:48
Ich habe dann nach dem Einstellen des PH-Werts kleine Mengen Salz hinzugegeben. Beim Einrühren des Salzes dickte sich das Produkt ganz leicht an, so wie im Rezept beschrieben.
Bei mir auch. :-)
waschbär hat geschrieben:
6. Mai 2020, 20:48
Ich würde dieses Salz-Andick-Phänomen ohne Sulfate gerne genauer verstehen. Danke.
Ich vermute, dass die Änderung des pH-Werts und die Salzzugabe zu einer Veränderung der Dichte und Größe der tensidischen Mizellenstruktur führen. Mizellen können agglomerieren, also »Zusammenballungen« bilden, die quasi gelartig sind. Daher kommt es wohl auch hier zu einer leichten Andickung. Da spielen wohl Ladungen eine große Rolle. Ist eine tensidchemisch Bewanderte (Männer sind ausdrücklich mit angesprochen) :monsieur: hier unterwegs?

Dermofeel® P-30 hat ebenfalls leicht andickende Eigenschaften.
Liebe Grüße
Heike


waschbär
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Re: Haarschampoo "Every Day "

Ungelesener Beitrag von waschbär »

Hallo Heike,

danke für Deine schnelle Antwort.
Heike hat geschrieben:
6. Mai 2020, 21:02
Ich vermute, dass die Änderung des pH-Werts zu einer Veränderung der Dichte und Größe der tensidischen Mizellenstruktur führt.
Und wie spielt das Salz da dann mit rein? Verändert das den pH-Wert? Oder zieht es Wasser an und "saugt" es dadurch aus den Mizellen raus, die dadurch dann gelartiger werden?

Und ab einer bestimmten Salzkonzentration zerreißt der osmotische Druck die Mizellen und das Gelartige verschwindet wieder?

Liebe Grüße,

Waschbär


BisMarc
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Re: Haarschampoo "Every Day "

Ungelesener Beitrag von BisMarc »

Hallo Waschbär,

bei den Mizellen sind die negativ geladenen Kopfgruppen an der Oberfläche. Diese negativ geladenen Kopfgruppen haben eine bestimmte Größe und stoßen sich gegenseitig ab. Die führt zur Ausbildung einer typischen runden Mizelle.
Die Zugabe von Salz führt zu einer Verkleinerung der Ladungsdichte an den Kopfgruppen, sprich an der Mizellenoberfläche. Dadurch ändert sich insgesamt die Form der Mizelle. Sie werden größer oder können sogar andere Strukturen ausbilden, zB Wurm-artige Mizellen. Die führt zum Anstieg der Viskosität.
Schätze bei der weiteren Zugabe von Salz verändert sich die Ladungsdichte an der Oberfläche weiter und diese Strukturen lösen sich wieder auf...

Wenn du die Begriffe salt curve, shampoo, thickening mechanism googelst kannst du dich noch weiter einlesen ;)

Lieben Gruß


waschbär
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Re: Haarschampoo "Every Day "

Ungelesener Beitrag von waschbär »

Hallo BisMarc,

vielen Dank für die ausführliche Beschreibung.

Ich habe mittlerweile im Thread zu SLMI hier im Forum das Datenblatt für SLMI gefunden. Da ist eine schöne solche Salzkurve drin und man sieht, wie sie sich deutlich verändert wenn man ein anderes Tensid (dort Betain) zugibt. Da jetzt die richtige Menge zu finden macht es für den Hobby-Rührer natürlich nicht einfacher, aber das macht ja ein Teil des Spaß aus...

Gruß,

Waschbär

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