Schampoo für fettige Haare

Hier geht es um Fragen rund um die Entwicklung und Optimierung von Shampoos, Conditionern, Haarfluids, Festigern und anderen Produkten für unsere Haare.

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Poppy
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Schampoo für fettige Haare

Ungelesener Beitrag von Poppy »

Moin moin,
ich bräuchte bitte Hilfe bei der Formulierung eines Schampoos für fettige Haare. Ich muß allerdings gestehen, dass ich bis dato die Tenside stiefmütterlich behandelt habe. Irgendwie finde ich kein "Zugang" zu ihnen. Und mein selbstgerührtes Schampoo / Duschgel ist wohl eher eine Panscherei als eine wohlüberlegte Rezeptentwicklung (ich habe ein altes Rezept von Jean Pütz gefunden und tausche fröhlich immer wieder die Tenside aus). Aber es passt merkwürdigerweise für mich- für meine Haut und meine Haare und auch mein Freund findet es super.
Nun fragte mich eine Freundin, ob ich ihr etwas für ihre feinen und schnell nachfettenden Haare rühren könnte. Sie muß ihre Haare täglich waschen und egal ob konventionell oder naturkosmetisches Schampoo, das Ergebnis ist immer "voll fett".
Meine Frage ist, welches Tensid ich verwenden soll und mit welcher WAS. Über talgregulierende Zusatzstoffe bin ich gut informiert.
Ebenso über Emulgatoren und Rückfetter. Nur bei den Tensiden, bzw. Tensidklassen stehe ich wie ein Ochs vorm Berg.
Könnte da mit bitte jemand weiterhelfen?
Danke schon einmal für eure Tipps
Poppy
Meine Muse rennt nackert mit 'nem Cocktail über die Wiese (anonym)

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Helga
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Re: Schampoo für fettige Haare

Ungelesener Beitrag von Helga »

Hallo Poppy,

dazu gibt es aufgrund der mittlerweile vielen erhältlichen Tenside und Haarqualitäten sehr unterschiedliche Vorlieben und vor allem Empfindungen :), nicht jede empfindet gleich :wink:
Als ich vor ein paar Jahre mit Shampoos begonnen habe, hatte ich das Glück, dass es für meine Haare passte und seither verändere ich das Rezept kaum, behalte auch die Tenside bei, an die ich gewöhnt bin :wink:
Ich mische anionische und nichtionische Tenside, in meinem Fall Perlastan und Decyl- oder Kokosglucoside; das mischen wird für bessere Verträglichkeit empfohlen. Die Höhe an WAS pendelt bei mir so zwischen 8-10%, mehr wirkt bei mir zu entfettend, die Kopfhaut reagiert. Als Schaumbooster kannst Du SCI 5% zu den anionischen Tensiden zurechnen.

Errechnet wird die Höhe der WAS mit dem Tensid-Rechner auf Olionatura, den kennst Du vermutlich schon :) klick

Ein Rezept könnte in etwa so aussehen:
Shampoo
Für 100 g Shampoo mit 10 % WAS benötigen Sie
16 g Disodium/Sodium Cocoyl Glutamate (16 % im Endprodukt)
0.5 g Sodium Coco Sulfate (0.5 % im Endprodukt)
10.4 g Decylglucosid (10.4 % im Endprodukt)
+
73.1 g restliche Phase¹
Der Tensidanteil (die reine Aktivsubstanz) setzt sich zusammen aus (ca.)²
45 % anionischen Tensiden
55 % nichtionischen Tensiden
(1) »Restliche Phase« meint Wasser sowie Zusätze an Rückfettern/Konditionierern, Wirk- und Hilfsstoffen.
(2) Die Werte orientieren sich an Angaben des Herstellers. Bei einem Toleranzbereich wird der Mittelwert berücksichtigt.
Wenn Du Dich einlesen möchtest, auf Olionatura sind die nötigen Infos: klick

Noch ein paar Worte zur Kopfhaut: Wirkt ein Shampoo zu entfettend auf die Kopfhaut, kann es nicht mit mehr Rückfetter ausgeglichen werden, denn dann werden nur die Haare schneller fett :wink:, es muss das ganze Rezept "mild" gestaltet werden durch die Auswahl der Tenside und Höhe der Einsatzkonzentration (Tenside haben ja unterschiedliche Höhe von WAS). Auch für bereits gesplisste, trockene Haarspitzen gilt das, sie müssen anschließend an die Wäsche behandelt werden, eine Zugabe von mehr Rückfettern macht auch die Haare schneller fett. Anders bei den Hydratisierern, hier kann man sich mehr austoben :)
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga

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Helga
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Re: Schampoo für fettige Haare

Ungelesener Beitrag von Helga »

Dieser Beitrag von Heike (und der nachfolgende, darunter) haben mich damals angeregt, es doch noch mal mit Shampoos zu versuchen :) klick
Zitat aus oben verlinktem Beitrag:
...... Nach meiner Erfahrung gute Kombis ergeben
30–60 % (w/w) Perlastan® SC (Disodium/Sodium Cocoyl Glutamate) und
30 – 60 % (w/w) Kokosglucosid oder Decylglucosid
(Verdickung mit 1–1,2 % Xanthan)

oder
30–60 (w/w) % Perlastan® SC (Disodium/Sodium Cocoyl Glutamate) und
30–60 (w/w) % Kokosglucosid oder Decylglucosid und
3–5 % (w/w) Sodium Coco Sulfate
Hier noch ein Rezept - auch mit SCS - von Heike: klick
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga

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PhyllisBide
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Re: Schampoo für fettige Haare

Ungelesener Beitrag von PhyllisBide »

Ich habe auch eher fettige Haare (Waschrhythmus üblicherweise mit Mühe alle 3 Tage) und habe die letzten zwei Jahre knapp ein Dutzend verschiedene Tenside getestet. Hier meine Zusammenfassung:

Zuckertenside (insbesondere Coco Glucoside, Decyl Glucoside und Capryl/Caprylyl Glucoside, weniger Lauryl Glucoside) sind relativ austauschbar. Werden von manchen nicht so gut vertragen, ich bekomme auch Kopfhautjucken davon, aber viele haben keine Probleme. Waschen gut, die Haare sind danach richtig sauber und fluffig, aber auch etwas strohig und werden bei wiederholter Anwendung schwer kämmbar.

Dem wirkt Disodium/Sodium Cocoyl Glutamate entgegen, was alleine benutzt meine Haare kaum gewaschen hat. Sie waren klebrig und sahen direkt nach der Wäsche noch fettiger aus. Das ist wohl die "konditionierende" Wirkung. In Kombination mit einem Zuckertensid kann man die negativen Eigenschaften des anderen Tensids kompensieren. Viele der gängigen Naturkosmetikshampoos auf dem deutschen Markt verwenden eine Variation dieser Kombination, meiner Meinung nach nicht unbedingt weil es das allerbeste für die Haare ist, sondern auch weil es eine der wenigen Optionen für ein sulfatfreies, 100% pflanzliches und ECOCERT-Konformes Shampoo ist.

Sodium Coco Sulfate ist auch ein beliebtes Tensid, es ist ein Gemisch das zu etwa 50% aus dem klassichen Sodium Lauryl Sulfate besteht, was in der Mehrheit der konventionellen Shampoos drin ist. Habe es selbst noch nicht getestet, aber manche sind ganz wild drauf, z.B. viele der Shampoobars von Lush sind praktisch Brocken aus Sodium Lauryl Sulfate. Ist als ein "scharfes" Tensid bekannt, das gut entfettet (für manche zu viel), aber gemäss meinen Recherchen ein guter Zusatz in einem Shampoo für fettige Haare sein kann.

Im Moment bin ich aber in SLMI (Sodium Lauroyl Methyl Isethionate) verliebt, wirklich ein fantastisches Tensid das gleichzeitig mild ist und alleine gut wäscht, toll schäumt. Kann sowohl in Bars als auch in flüssigen Shampoos verwendet werden. Mir gibt es einen Tag länger saubere Haare, sie haben dabei Volumen, sind gut kämmbar und glänzend ohne fettig auszusehen.
Einziger Wermutstropfen für mich ist, dass es nur zu 80% aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird, damit wäre es im Gegensatz zu den anderen drei Tensiden z.B. nicht ECOCERT-Konform. Wenn das akzeptabel ist würde ich auf jeden Fall einen Test empfehlen, ist meiner Meinung nach ein Geheimtipp.

Andere Tenside würde ich im Moment ignorieren. Dass sich die meisten Rezepte auf die in den vorherigen Beiträgen erwähnten Tenside konzentrieren hat gute Gründe. Mit denen kannst du ein tolles Shampoo für fettige Haare entwickeln.

Shampoos sind eigentlich ganz einfach. Bis auf das zwingend nötige Tensid braucht's nicht viel. Verdickung, Konservierung, reicht eigentlich schon. Dann noch den pH-Wert in einen sauren Bereich einstellen, macht die Haare nachweislich glatt und besser kämmbar. Öle beispielsweise sind überflüssig und stören eher, sie sind in kommerziellen Shampoos in ganz geringen Mengen zu Marketingzwecken drin.

Nach zwei Jahren Shampoo mischen graut's mir viel mehr vor Cremen, so viele Emulgatoren, so viele verschiedene Öle! Dabei soll das angeblich einfacher sein, aber ich behaupte Shampoos sind einfacher. :wink:
Liebe Grüsse,
Yahel

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Helga
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Re: Schampoo für fettige Haare

Ungelesener Beitrag von Helga »

PhyllisBide hat geschrieben:
22. Oktober 2020, 19:12
Im Moment bin ich aber in SLMI (Sodium Lauroyl Methyl Isethionate) verliebt, wirklich ein fantastisches Tensid das gleichzeitig mild ist und alleine gut wäscht, toll schäumt.
Ja, das war ich auch. Nach einigen Monaten bildete sich eine Art Kruste auf der Kopfhaut (habe hier im Forum mal berichtet), dann sah ich, dass SLMI sehr hohe WAS haben. Ab dann habe ich wieder kombiniert, bzw. bin wieder zurück zu meinen Rezepten :)
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga

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PhyllisBide
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Re: Schampoo für fettige Haare

Ungelesener Beitrag von PhyllisBide »

Helga hat geschrieben:
22. Oktober 2020, 22:04
Ja, das war ich auch. Nach einigen Monaten bildete sich eine Art Kruste auf der Kopfhaut (habe hier im Forum mal berichtet), dann sah ich, dass SLMI sehr hohe WAS haben. Ab dann habe ich wieder kombiniert, bzw. bin wieder zurück zu meinen Rezepten :)
Danke für den Hinweis, habe deinen alten Beitrag dazu gerade gesucht und gelesen. Bis jetzt (6 Wochen nur SLMI) läuft es gut, hoffe das geht weiter so, aber ich habe tatsächlich eine eher hohe WAS drin. Das nächste Shampoo mit tieferer WAS hatte ich gerade heute gerührt, mal schauen wie mir das gefällt.
Liebe Grüsse,
Yahel

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