Schüttellotion mit hauteigenen/hautähnlichen Stoffen

In diesem Unterforum erörtern wir Themen rund um die Entwicklung, Herstellung und Optimierung von Hautpflegeprodukten (inklusive Fehlersuche).

Moderator: Helga

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Cremefee

Schüttellotion mit hauteigenen/hautähnlichen Stoffen

Ungelesener Beitrag von Cremefee »

Hallo liebe Community

Ich hoffe, dass ich hier nicht lauter Sachen frage, die schon 1000 Mal beantwortet wurden, falls ja, bitte ich um einen Hinweis. Ich habe ehrlich gesagt das ganze Internet durchforstet und nichts gefunden.
Also gut, es geht um Folgendes: Ich würde gerne eine (Schüttel-)Lotion, Creme oder Ähnliches herstellen, die hauptsächlich aus hauteigenen oder möglichst hautähnlichen Stoffen besteht. Das wichtigste Kriterium ist, dass meine Haut es mag und es sich auf der Haut gut anfühlt und gut einzieht. Es ist mir absolut egal, wie die Konsistenz, das Aussehen, die Homogenität etc. werden.
Im Moment habe ich eine Schüttellotion mit Lipodermin (ca 15%), einigen Ölen und Wachsen (Traubenkernöl, Arganöl, Squalan, Jojobaöl) und einer Wasserphase aus Hamameliswasser, Panthenol, Glyzerin, Sodium PCA und niedermolekularer Hyaluronsäure (die hochmolekulare mag ich nicht). Das Ganze vertrage ich hervorragend. Diese Schüttellotion würde ich jetzt gerne um ein paar Inhaltsstoffe erweitern.

Kurz zu meiner Haut:
Ich habe eine relativ trockene Haut, die, wenn sie trocken ist (z.B. nach dem Waschen) extrem stark fettet. Wird sie aber brav eingeschmiert fettet sie nur noch leicht (ich benutze mittlerweile auch keine Tensidhaltigen Waschprodukte mehr). Ich habe eine Weile Cremaba benutzt, meine Haut hat nicht gezickt (ich krieg relativ leicht Unreinheiten, unter anderem von klassischen naturkosmetischen Emulgatoren), war allerdings irgendwie wie innerlich ausgetrocknet. Dieser Effekt von Cremaba war an meinen Händen ganz extrem: eine glänzende Schicht, aber ein kaum aushaltbares Trockenheitsgefühl (meine Hände sind im Winter sehr sehr trocken). Ich weiss nicht, ob das jetzt irgendwie aussagekräftig ist, vielleicht könnt ihr daraus irgendwas über meine Haut ableiten.

Nun zu meinen Fragen:
-Die Fettphase beträgt momentan ca. 20-25% (hab im Nachhinein noch etwas Öl hineingegeben, weiss die Menge nicht ganz sicher). Ist es genug, um die Hautbarriere wieder einigermassen zu schliessen? Oder hat das rein gar nichts damit zu tun? Ich würde eigentlich gerne etwas Wollwachsalkohol (wegen dem Cholesterol und der Hautbarriere) hinzugeben, verträgt es sich mit Lipodermin? Wollwachsalkohol ist ja eigentlich ein W/O-Emulgator, kann man es in eine Schüttellotion geben? Sofern ich das richtig verstanden habe, ich das Cholesterol im Wollwachsalkohol dasselbe Cholesterol, welches in unserer Haut vorkommt, die Phytosterole z.B. aus UdA haben eine Doppelbindung mehr, oder? Also wäre was Cholesterol im Wollwachsalkohol hautähnlicher? Oder würdet ihr mir trotzdem zu UdA raten?

-Ich habe gelesen, dass das Unverseifbare unter anderem aus Fettalkoholen besteht und dass Fettalkohole, wie z.B. Cetylalkohol auch in unserer Haut vorkommen. Was ich nirgends gefunden habe: wie gross ist denn der Fettalkoholanteil im Sebum und welche Fettalkohole kommen in welchen Verhältnissen vor? Darf ich annehmen, dass wenn ich Wollwachsalkohol nehme, dass ich diesen Anteil bereits decke (ich denke an ca 3% der Fettphase)? Heisst es denn, dass Fettalkohole gut für die Haut sind? Ich dachte irgendwie immer Cetylalkohol usw. sind nur Konsistenzgeber...

-Zählt man Lipodermin zur Fett- oder Wasserphase? (Sorry, die Frage ist irgendwie voll doof, ich weiss es aber nicht.)

-Kommt Lysophosphatidylcholin (aus Lysolecithin) natürlich in der Haut vor? Wenn ja, welche Funktion hat es dort? Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen von Lysolecithin begeistert sind, dabei steht auf wikipedia.de, dass es als starkes Detergens wirkt und Zellmembranen destabilisiert. Ich blick da gerade nicht durch. (Das interessiert mich jetzt nur allgemein, ich will eigentlich kein Lysolecithin verwenden.)

-Ich habe oft gelesen, dass Urea einen pH von ca. 6.2 braucht, damit sie nicht so schnell zerfällt. Das heisst dann aber, dass sie sich trotzdem mit der Zeit zersetzt? Was passiert, wenn der pH ca. 5 ist? Zerfällt sie dann viel schneller und sind die Zerfallsprodukte schädlich für die Haut?

-Was ist in Naticide genau enthalten? Da steht immer nur fragrance bei den INCIs.

-Kennt jemand den Minimixer von Allerlei Praktisches und würdet ihr ihn empfehlen? Ich hab im Moment nur einen Milchschäumer.

-Würdet ihr Cosgard (INCI: Benzyl alcohol, Dehydroacetic acid, aqua) empfehlen, oder lieber Rokonsal?

-Kennt jemand das Hamameliswasser von Primavera und weiss, wieviel Alkohol da drin ist?

Ich würde gerne mal einen anderen Konservierer als nur Alkohol ausprobieren...

Nun zu den Inhaltsstoffen, die ich da gerne drin haben will:
Fettphase(20-30%):
-Trauberkernöl, Arganöl, Squalan, Jojobaöl
-Wollwachsalkohol (oder UdA?)
-Lipodermin (falls es zur Fettphase gehört)
Wasserphase
-Hamameliswasser
-Calendula-Essenz (Weleda)
-Natriumlaktat und Milchsäure
-Sodium PCA
-Glyzerin
-Panthenol
-niedermolekulare Hyaluronsäure
Wahrscheinlich hab ich jetzt noch was vergessen...

Was gibt es noch, was man da hineintun könnte? Und in welcher Reihenfolge würdet ihr das machen? Zuerst alles in Wasserphase lösen, dann Lipodermin, dann Fettphase? Habt ihr sonst irgendwelche Tipps?

Tut mir Leid, dass es so lang geworden ist... ich bin neu hier und diese ganzen Fragen schwirren mir die ganze Zeit im Kopf herum... Aber jetzt bin ich sie los und die nächsten Threads werden garantiert kürzer :) .

Ich hoffe, dass dieser Thread in diesem Unterforum richtig untergebracht ist, falls nicht, bitte ich die Moderatoren ihn zu verschieben.


Vielen lieben Dank fürs geduldige Durchlesen
Cremefee

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Helga
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Re: Schüttellotion mit hauteigenen/hautähnlichen Stoffen

Ungelesener Beitrag von Helga »

Hallo :-)
Ich würde gerne eine (Schüttel-)Lotion, Creme oder Ähnliches herstellen, die hauptsächlich aus hauteigenen oder möglichst hautähnlichen Stoffen besteht.
Das wird glaube ich, nicht möglich sein :-)
Aber wir verwenden eine Vielzahl wunderbarer Öle, auf deren hochwertige Qualität sehr großer
Wert gelegt wird.
Ich habe eine Weile Cremaba benutzt, meine Haut hat nicht gezickt (ich krieg relativ leicht Unreinheiten, unter anderem von klassischen naturkosmetischen Emulgatoren), war allerdings irgendwie wie innerlich ausgetrocknet.
Dieses Gefühl kenne ich sehr gut. aus heutiger Sicht weiß ich, dass es kombiniert werden müsste. Aber erst mal von
Anfang an :wink:
-Kennt jemand den Minimixer von Allerlei Praktisches und würdet ihr ihn empfehlen? Ich hab im Moment nur einen Milchschäumer.
Nein kenne ich nicht. Bei den "modernen" Emulgatoren ist hochtouriges rühren gefragt. Wenn Du einen
"Zauberstab", Mixstab hast, funktioniert das gut. Ich such mal einen Beitrag über hochtouriges rühren.
Ich würde gerne mal einen anderen Konservierer als nur Alkohol ausprobieren...

Mir persönlich ist Alkohol am angnehmsten, bequemsten, sichersten. Es gibt einen eigenen Rechner
auf olionatura, der Dir berechnen kann, wieviel Alk. Du nehmen sollst. Du musst nur eingeben wie
hoch Deine Wasserphase ist, wieviel Vol.% Dein vorhandener Alkohol hat und zu wieviel % (10-15) Du
konservieren möchtest. That's all :wink:
Der Link betreffend Konservierung ist hier


zu Deiner Frage Schutz Hautbarriere:

Heike hat eine wunderbare "Basis" entwickelt, Du kannst sie nachlesen

Hier ist noch ein wunderbarer Artikel über Hautbarriere.

Ich denke, Du wirst in naher Zukunft von Schüttellotion auf ein Fluid/Lotion oder auch Creme umsteigen.

Bei der Wahl eines geeigneten Emulgators lasse Dich ruhig von Lecithinen und Phospholipiden beeinflussen :wink:

Zu Deiner Frage betr. Herstellung :
hier der "Rührkurs für Öl in Wasser Emulsion.
Die Wirkstoffe werden erst in die handwarme Creme/Lotion eingerührt. Hy-Säure würde ich vorher in Alkohol dispergieren.
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga

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Helga
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Re: Schüttellotion mit hauteigenen/hautähnlichen Stoffen

Ungelesener Beitrag von Helga »

Hier der Link für hochtouriges rühren

:-)
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga

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Pialina
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Re: Schüttellotion mit hauteigenen/hautähnlichen Stoffen

Ungelesener Beitrag von Pialina »

Cremefee hat geschrieben: -Ich habe oft gelesen, dass Urea einen pH von ca. 6.2 braucht, damit sie nicht so schnell zerfällt. Das heisst dann aber, dass sie sich trotzdem mit der Zeit zersetzt? Was passiert, wenn der pH ca. 5 ist? Zerfällt sie dann viel schneller und sind die Zerfallsprodukte schädlich für die Haut?
Hallo Cremefee,
in diesem Thread findest Du sicher Antworten auf diese Frage :)
Liebe Grüße,
Pialina

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Heike
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Re: Schüttellotion mit hauteigenen/hautähnlichen Stoffen

Ungelesener Beitrag von Heike »

Dein Posting ist voll mit Fragen, die Dir Olionatura beantworten wird – Du musst nur die Zeit investieren. :-) Helga hat Dir bereits einige Links gesetzt.

Wir arbeiten hier vor allem mit hautanalogen Substanzen. Meine eigene Arbeit vor Jahren begann damit zu lernen, wie die Haut aufgebaut ist und wie sie arbeitet, was sie mit Stoffen macht, die man ihr anbietet. Darüber habe ich 2007 Unverseifbares entdeckt, also noch kein Mensch darüber sprach (und niemand, mich eingeschlossen, mehr darüber wusste), und 2008 hydriertes Lecithin, das bis dahin auch noch völlig unbekannt in der Selbstrührerszene war. Mein Erstkontakt war Lipoid damals, aber der Preis schien mir zu hoch für die Allgemeinheit, und ich habe mich kurze Zeit später (da ich eine Sammelbestellung durchführen wollte) für das wesentlich günstigere Emulmetik® 320 entschieden statt für ein Phospholipon® H (auch wenn einzelne, ich glaube Margit, sich daraufhin Muster von Phospholipon® H besorgten). Seitdem spuckt mir Phospholipon® 80 H im Kopf herum. Nun haben wir es – und Emulmetik® 320. Was ich Dir damit sagen will: Du wirst hier das finden, was Du suchst. :-)

Native Öle, Avocadin® (oder vergleichbare Produkte), hydriertes und ungesättigtes Lecithin (Phosphatidylcholin), Ceramide sind ebenso hautanaloge kosmetische Substanzen wie Urea, Natriumlaktat, Sodium PCA und andere.
Liebe Grüße
Heike

Cremefee

Re: Schüttellotion mit hauteigenen/hautähnlichen Stoffen

Ungelesener Beitrag von Cremefee »

Hallo und vielen Dank für eure Antworten und eure Geduld

Ich habe mich wohl etwas undeutlich ausgedrückt. Ich weiss sehr wohl, dass ich mir keine zweite Haut mixen kann, ich würde aber gerne mindestens die Fettphase in ähnlichen Verhältnissen zusammenbauen, wie das natürliche Sebum (also Triglyceride aus Ölen, Jojobaöl als Wachsester, Squalan statt Squalen, Cholesterol, Ceramide). Eigentlich müssten noch freie Fettsäuren und Mono- und Diglyceride rein (hat mir hier jemand einen Tipp?).
Übrigens will ich gar nicht etwas machen, was sehr barrierestärkend ist, ich will etwas, was gut einzieht, die Haut gut "füttert" und keinen Film macht. Ich habe ehrlich gesagt auch nur schlechte Erfahrungen mit den ganzen DMS-Cremes, sie trocknen bei mir stark aus (ich weiss, seltsam). Meine selbstgebastelte Schüttellotion mit Lipodermin hat meine Haut praktisch sofort gebessert.

Ich habe ziemlich viel auf Olionatura und auch bei anderen Quellen gelesen. Es gibt aber ein paar Sachen, die ich nicht nachvollziehen kann, bzw. die ich nicht gefunden habe. Z.B.: In dem Artikel über Phospholipide in der Hautpflege steht drin, dass Liposome, die hauptsächlich aus Phosphatidylcholin (also z.B. Lipodermin) bestehen einen hydratisierenden Effekt haben, Liposome mit Phosphatidylinosit jedoch eher austrocknen. Danach steht, dass Lipodermin den transepidermalen Wasserverlust erhöht. Das ist doch ein Widerspruch? Trocknet das Phosphatidylinosit auch aus, wenn es nicht als Liposom daherkommt? Das würde ja heissen, dass Reinlecithin ziemlich austrocknend wäre.
Die Sache mit dem transepidermalen Wasserverlust kapiere ich ehrlich gesagt eh nicht so wirklich. Die Liposome werden so weit ich das verstehe durch Endozytose aufgenommen und danach in der Zelle zum Lysosom gebracht und dann in ihre Einzelteile zerlegt (steht so auf wikipedia.de). Wieso muss hier zwangsläufig erhöhter Wasserverlust auftreten? An der Eintrittsstelle des Liposoms bleibt ja kein Loch oder so^^. Das heisst aber eigentlich auch, dass die Fluidisierung der Membran nicht direkt durch die ungesättigten Fettsäuren des Phosphatidylcholins beienflussbar ist (das Phosphatidylcholin geht ja nicht direkt an die Membran, sondern wird erst verdaut). Ok, der Zelle stehen dann mehr ungesättigte Fettsäuren zur Verfügung und sie wird sie wahrscheinlich auch für ihre Membran nutzen... Aber wahrscheinlich nicht so viele davon, dass sie dadurch mehr Wasser verliert, oder? So blöd sind unsere Zellen doch nicht... hoffentlich.

Die wichtigste Frage für mich im Moment ist aber, ob sich Lipodermin und Wollwachsalkohol (oder UdA) vertragen und wie ich sie zusammen verarbeiten muss. (Sorry, falls ich etwas übersehen habe, aber ich finde nirgends eine Rezeptur für eine Schüttellotion, in der beide Komponenten vorkommen.) Die Frage ist, kann ich Wollwachsalkohol einfach in der Fettphase schmelzen, abkühlen lassen und dann zum Rest hinzugeben? Es wird so ca. 3% der Fettphase werden, das wird ja nicht gleich fest, oder? (Die anderen Öle sind flüssig.)

Dann noch wegen Lysolecithin: Ich habe versucht schlüssige Infos über die Rolle von Lysophosphatidylcholin in der Haut zu finden, hab aber nicht wirklich was entdecken können. Es scheint aber so zu sein, dass Lysophosphatidylcholin ein Signalstoff ist, welcher Entzündungen fördert? Ausserdem "lockt" es bei einer Apoptose Phagozyten an, die die sterbende Zelle fressen. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese ganze Wirkungen in der Haut nicht ausgeprägt sind, trotzdem finde ich diesen Stoff irgendwie unsympathisch.

Man kann soviel ich weiss nicht generell sagen, dass Cholesterin die Membran steifer macht, das stimmt bei höheren Temperaturen, bei niedrigen Temperaturen bewirkt es das Gegenteil (wurde uns in der Bio-Vorlesung gesagt und steht auch so auf wikipedia.de). Ich muss aber zugeben, dass ich nicht weiss, wie hoch und wie tief die Temperaturen sein müssen.

Noch eine Frage: Wieso ist in der Barriere-Basis Isoamyl Laurate enthalten? Ich dachte, dass dieser Stoff überhaupt nicht natürlich vorkommt und als Silikonersatz in der Naturkosmetik benutzt wird? Wieso nicht Squalan nehmen?

Kann man Ceramide III auch in anderen Ölen als Neutralöl lösen?

Es tut mir Leid, dass ich euch mit diesen ganzen Sachen nerve, aber ich würde halt gerne die ganzen Vorgänge auf biochemischer Ebene verstehen und auf Olionatura sind sie zum Teil etwas vereinfacht dargestellt.


Liebe Grüsse und vielen Dank für eure Hilfe
Cremefee

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Heike
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Re: Schüttellotion mit hauteigenen/hautähnlichen Stoffen

Ungelesener Beitrag von Heike »

Cremefee, Du nervst in keiner Weise. Ich finde es wundervoll, intelligente Fragen zu lesen, das meine ich ernst.
Cremefee hat geschrieben:Eigentlich müssten noch freie Fettsäuren und Mono- und Diglyceride rein (hat mir hier jemand einen Tipp?).
Mono- und Diglyceride entstehen durch Spaltung von Lipiden in der Haut (durch hauteigene Lipasen, aber auch unsere Partialglyceride (Tegomuls®, Glycerinstearat SE, Sucrosestearat usw.) bestehen vorwiegend aus Mono- und Diglyceriden.
Übrigens will ich gar nicht etwas machen, was sehr barrierestärkend ist, ich will etwas, was gut einzieht, die Haut gut "füttert" und keinen Film macht. Ich habe ehrlich gesagt auch nur schlechte Erfahrungen mit den ganzen DMS-Cremes, sie trocknen bei mir stark aus (ich weiss, seltsam). Meine selbstgebastelte Schüttellotion mit Lipodermin hat meine Haut praktisch sofort gebessert.
Du bist nicht die einzige, die diese Erfahrung macht. :-) DMS-Cremes enthalten einen relativ hohen Anteil an Alkoholen, und ihre Fettsäurezusammensetzung ist aus meiner Sicht nicht optimal; nach dem naturkosmetischen Spreitmodell von Olionatura® (bei dieser Formulierung greift das Modell von Zeidler nicht) weisen sie eine deutliche Spreitlücke auf. Mit mittelspreitenden Ölen haben sie eine andere Haptik und Feuchte.
Es gibt aber ein paar Sachen, die ich nicht nachvollziehen kann, bzw. die ich nicht gefunden habe. Z.B.: In dem Artikel über Phospholipide in der Hautpflege steht drin, dass Liposome, die hauptsächlich aus Phosphatidylcholin (also z.B. Lipodermin) bestehen einen hydratisierenden Effekt haben, Liposome mit Phosphatidylinosit jedoch eher austrocknen. Danach steht, dass Lipodermin den transepidermalen Wasserverlust erhöht. Das ist doch ein Widerspruch?
Nein, kein Widerspruch.

Zunächst: Phosphatidylinositol (PL) ist in unseren Produkten nur in geringen Anteilen enthalten, man kann aber Liposome mit höheren Anteilen herstellen: die zeigten in Tests den genannten Effekt. PC ist ein sehr lipophiles Phospholipid, während das PL hydrophiler ist (ich meine mich an 5 Hydroxylgruppen zu erinnern, aber da müsste ich nachgucken). Wir müssen uns da keine Gedanken machen, da es – wenn überhaupt – in unseren Produkten, die wir kaufen, keine Rolle spielt.

Reinlecithin enthält insgesamt nur geringe Anteile (um die 23 %) an Phospholipiden, davon sind dann wiederum nur 10–15 % Phosphatidylinositol (PL). Man berechnet bei Lecithinen allgemein immer den Anteil an »Acetonunlöslichem« (Phospho- und Glycolipide, Unverseifbares usw.). Der Rest … steht in keinem Datenblatt. ;-) Kohlenhydrate, Proteine, Ballaststoffe, diverse Fette … man weiß es nicht genau. Unsere aufkonzentrierten Produkte enthalten je nach Reinheitsgrad primär PC und geringe Anteile an anderen Phospholipiden wie PL. Daher sind sie auch so teuer.

Ungesättigte Liposome (bzw. PC selbst) interagiert mit Zellmembranen und mit den analog aufgebauten Barriereschichten in der Hornschicht. Sie bauen sich ein, es kommt zu Umstrukturierungen in den Layern, und die ungesättigten Fettsäuren bewirken eine Veränderung dieser Layer: die werden beweglicher. Ganz anders wirken Sterole: ihre kompakten Moleküle setzen sich in Membrane und erzwingen eine starrere Struktur, ihr höherer Schmelzpunkt festigt diese zusätzlich. Nun, wo Türchen aufgehen, damit etwas hineinkommen kann, kann auch etwas hinaus. Versteht Du, was ich meine? Auf der anderen Seite unterstützt die freiwerdende Linolsäure de Synthese von Ceramiden, was wiederum den TWL vermindert. Wer wirklich feuchtigkeitsarme Haut hat, wird nicht nur mit ungesättigtem PC arbeiten, sondern es mit gesättigtem (hydriertem) kombinieren. Das sind unsere beiden Antipoden, die wir individuell austarieren müssen.
Die wichtigste Frage für mich im Moment ist aber, ob sich Lipodermin und Wollwachsalkohol (oder UdA) vertragen und wie ich sie zusammen verarbeiten muss.
Wollwachsalkohol ist ein Wachs, hier kann ich mir höchstens vorstellen, dass es mit der Zeit auskristallisiert oder sich die Emulsionsform nicht sicher ist, in welche Richtung sie sich entwickeln soll – je nach Menge des WWA. Ansonsten ist das ein tolles Stöffchen.
Dann noch wegen Lysolecithin: Ich habe versucht schlüssige Infos über die Rolle von Lysophosphatidylcholin in der Haut zu finden, hab aber nicht wirklich was entdecken können. Es scheint aber so zu sein, dass Lysophosphatidylcholin ein Signalstoff ist, welcher Entzündungen fördert? Ausserdem "lockt" es bei einer Apoptose Phagozyten an, die die sterbende Zelle fressen. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese ganze Wirkungen in der Haut nicht ausgeprägt sind, trotzdem finde ich diesen Stoff irgendwie unsympathisch.
Lysophosphatidylcholin ist nicht Lysolecithin. Lysolecithin ist quasi ein Reinlecithin mit erhöhter Hydrophilie, weil es eine Fettsäure weniger hat (was dem »Wasserkopf« im Molekül eine höhere Dominanz gibt). Es ist einfach ein gut verträglicher O/W-Emulgator, nicht mehr und nicht weniger. Viele lieben es, andere vertragen es nicht, aber an diesem Lecithin ist nichts, aber auch gar nichts gefährlich. ;-)
Lysophosphatidylcholin ist quasi das isolierte, aufkonzentrierte hydrolisierte Phosphatidylcholin. Ein solches Produkt gibt es nicht für uns, wir nutzen es nicht.
Man kann soviel ich weiss nicht generell sagen, dass Cholesterin die Membran steifer macht, das stimmt bei höheren Temperaturen, bei niedrigen Temperaturen bewirkt es das Gegenteil (wurde uns in der Bio-Vorlesung gesagt und steht auch so auf wikipedia.de). Ich muss aber zugeben, dass ich nicht weiss, wie hoch und wie tief die Temperaturen sein müssen.
Kannst Du mir den Wikipedia-Artikel benennen? Ich würde mir gerne selbst ein Bild von den Aussagen machen. :-)
Noch eine Frage: Wieso ist in der Barriere-Basis Isoamyl Laurate enthalten? Ich dachte, dass dieser Stoff überhaupt nicht natürlich vorkommt und als Silikonersatz in der Naturkosmetik benutzt wird? Wieso nicht Squalan nehmen?
In der originalen Barriereschutzbasis sind Caprylic/Capric Triglyceride enthalten. Wer das nicht hat, kann auch ein anderes stabiles Öl nehmen. Isoamyl Laurate ist ein Esteröl, in etwa so natürlich wie handgesiedete Pflanzenölseife. ;-) Beides sind halbsynthetische Tenside.
Kann man Ceramide III auch in anderen Ölen als Neutralöl lösen?
In allen oxidationsstabilen. Allerdings sind einige Öle lösungsfördernd, eben die genannten Esteröle.
Liebe Grüße
Heike

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pflanzenölscheich
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Re: Schüttellotion mit hauteigenen/hautähnlichen Stoffen

Ungelesener Beitrag von pflanzenölscheich »

Heike hat geschrieben:Wer wirklich feuchtigkeitsarme Haut hat, wird nicht nur mit ungesättigtem PC arbeiten, sondern es mit gesättigtem (hydriertem) kombinieren.
Wer wirklich feuchtigkeitsarme Haut hat - so wie ich :engel: -, hat zusätzlich zum gesättigten Phosphatidylcholin auch die Möglichkeit, das ungesättigte mit Sterolen in eine günstige Balance zu bringen. So mache ich es nämlich inzwischen. Zu diesem Zweck benutze ich Lipodermin und Wollwachsalkohole und fand heraus, dass es einen wohlig einhüllenden und an meine Haut richtiggehend andockenden Effekt gibt, wenn ich Phosphatidylcholin:Cholesterol = 1:2 dosiere. Damit habe ich diesen Winter bislang wunderbar überstanden.

Früher habe ich mich zur Barrierestabilisierung immer nur auf die Sterole gestürzt, aber mittlerweile weiß ich, dass die Wirkung deutlich ausgewogener ist, wenn man gleichzeitig auch Phospholipide zuführt. Gemeinsam sind sie stark.
:yeah:

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