Tonja hat geschrieben:Ich habe mal eine Zwischenfrage: Inwiefern unterscheidet sich dieser Vorgang von dem der Phytosterole? (Ich suche nach einer Erklärung, warum meine Akne mit pfundweise Lanolin gut zurechtkommt und bei Avocadin und Sheacadin zu neuer Blüte findet. Bereits 0,3% lassen mich aussehen, als wäre ich zurück in der Pubertät.
Der Unterschied ist, dass unveresterte Sterole wie in Avocadin, Wollwachsalkoholen und so weiter tatsächlich mit der Barriere interagieren. Sie machen die Doppelschichten fester, was sich mit Phospholipiden im gewünschten Maße ausbalancieren lässt.
Lanolin enthält zu einem kleinen Teil zwar auch freie Sterole, stellt aber im Grunde die Veresterung von Sterolen (hier Cholesterol und Lanosterol) mit (teilweise Lanolin-spezifischen) Fettsäuren dar. Es sind die für Wachse charakteristischen Monoester: Jeder Sterol-Alkohol ist mit genau einer Fettsäure verbunden.
Streng genommen zählt Lanolin (zusammen mit anderen Wachsen wie Bienenwachs und so weiter) zu den unphysiologischen Fetten, weil es nicht tief in die Epidermis eindringt und dort lediglich den Zellzwischenraum ausfüllt. Dies hat aber Auswirkungen auf seine Barrierewirksamkeit. Mit den
Worten des bekannten Dermatologen Kenneth R. Feingold:
First, one can use nonphysiological lipids such as petrolatum (i.e., Vaseline), lanolin, beeswax, etc. These lipids do not enter the lamellar body secretory pathway but rather fill the extracellular spaces of the stratum corneum with hydrophobic nonlamellar lipid that inhibits the movement of water and electrolytes.
Nur Cholesterol, Ceramide und Fettsäuren gelangen in den Golgi-Apparat der lebenden Keratinozyten, wo sie in deren später freigesetzte Lipidorganellen (Odland-Bodies) eingebaut werden. Lanolin entspricht von seinem Aufbau her (wie die anderen Wachse auch) eher den Verhältnissen im Sebum, wo sich ebenfalls Cholesterol- und Wachsester befinden.
Weil örtlich aufgebrachtes Lanolin kaum oder gar nicht hydrolysiert wird, kann das in ihm enthaltene gebundene Cholesterol nicht als physiologisches Lipid wirken und sich daher nicht mit den nachproduzierten Barrierelipiden in den Odland-Bodies mischen. Cholesterol selbst (zum Beispiel aus dem Unverseifbaren des Lanolins) hat dadurch einen ungleich stärkeren Einfluss auf die Festigkeit der Lipid-Doppelschichten als das ganze Lanolin.
Darum behindern Sterole (auch die pflanzlichen, die in der Haut die Funktion des Cholesterols übernehmen können) den Abfluss des Sebums mehr als Lanolin.