Gerbstoffe

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Ksenia

Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von Ksenia » 29. Juli 2007, 12:05

Gerbstoffe...interessant! Hab die Wirkung selbst miterlebt, bzw. bei meiner Kleinen, als sie mal einen wunden Po hatte: 2 Tage mit einer Gerbstoff-Lösung abgetupft und einmal Po drin gebadet und die Wunden waren weg, nur noch bißchen Kruste, die auch sehr schnell abgefallen ist!
Der Wirkstoff war: Phenol-Methanal-Harnstoff-Polykondensat, sulfoniert, Natriumsalz (synthetischer Gerbstoff).
Wär mal interessant, welchen Stoff Hamamelisrindenwasser so enthält...
Schwarzer Tee hat ja auch ne Menge an Gerbstoffen, dann noch Eichenrinde, Heidelbeeren...

Dann tipp ich noch mal was interessantes ab aus der Packungsbeilage:

Wie wirkt Gerbstoff?

Überall dort, wo die Hautoberfläche verletzt ist, heftet sich der Gerbstoff an und entfaltet verschieden Wirkungen. Im Gewebswasser der Hautspalten (dessen Austreten die Grundlage des Nässens ist) lässt der die Eiweißstoffe gerinnen (darin besteht das Wesen des Gerbens), die dadurch einen festen Film über der offenen Stelle bilden und weiteren Flüssigkeitsverlust, weiteres Nässen verhindern. In diesem Film werden mit dem Eiweiß auch entzündungshemmende und juckreizverursachende Substanzen gebunden, Bakterien und Pilze eingeschlossen und inaktiviert: der Gerbstoff wirkt damit auch indirekt desinfizierend, bakterienabweisend.

Jetzt wird auch klar, warum es anscheinend als Deo relativ gut wirkt...
den Rest muß ich mir noch durch den Kopf gehen lassen...


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Anonymous

Ungelesener Beitrag von Anonymous » 29. Juli 2007, 12:18

Iiiiiinteressant Ksenia :lupe: ;D ..........


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Anonymous

Ungelesener Beitrag von Anonymous » 29. Juli 2007, 12:37

Sternenfunke hat geschrieben:Iiiiiinteressant Ksenia :lupe: ;D ..........
:ja: passt auch sehr gut zu meinen Beobachtungen und verstehe jetzt ein wenig warum das so ist. Offene kleine Wunde, z.B. aufgekratzte Pickel oder auch aufgeplatzte. Hamamelisrindenwasser drauf. Ruckzuck weg. Pickel geschlossen. Keine Heilung durch das Zauberwässerchen. Also, warten bis aufgeht ...

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Heike
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Ungelesener Beitrag von Heike » 29. Juli 2007, 13:29

Gerbstoffe habe ich früher vor allem mit adstringierenden Substanzen in Verbindung mit fettender, unreiner Haut und großen Poren in Verbindung gebracht. Das wird ihren Möglichkeiten offenbar nicht gerecht: besondere Wirkung zeigen sie auch im Hinblick auf ihre Fähigkeit, den transepidermalen Wasserverlust zu reduzieren, und das eben auch bei gesunder Haut.
Wie Ksenia schon zitierte, bilden sie mit Proteinen der Haut unlösliche Komplexe, verfestigen die oberen Gewebsschichten und verringern dadurch den Feuchtigkeitsverlust der Haut. Ich habe eben ein wenig gestöbert, um zu schauen, ob man sie irgendwie unterteilen kann … man kann. :-)
Es gibt zwei Gruppen:

a) Kondensierte Gerbstoffe (Katechingerbstoffe),
z. B. Eichenrinde, Rhatania-Wurzel, Tormentillwurzel, Heidelbeeren, Hamamelisrinde

b)Hydrolisierbare Gerbstoffe (Tannine),
z. B. Hamamelisblätter, Walnussblätter, schwarzer Tee, Wein

Gerbstoffe sind in Wasser und in Alkohol löslich, sprich: wir finden sie in Hydrolaten, können Sie als alkoholische Tinktur verwenden oder mit Wasser als Infus/Decoctum aufbereiten.
Liebe Grüße
Heike

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Ungelesener Beitrag von Heike » 29. Juli 2007, 13:33

Ksenia hat geschrieben:Wär mal interessant, welchen Stoff Hamamelisrindenwasser so enthält...
Mein Phytotherapiebuch sagt: Hamamelistannin und Proanthocyanidin.
Liebe Grüße
Heike


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Christian

Ungelesener Beitrag von Christian » 9. August 2007, 16:08

Wo sind eigentlich noch viele Gerbstoffe enthalten?

Im Tee, ok. Wie siehs mit Weidenrinde aus? Irgendwas sagt mir dass die doch auch sicher Gerbstoffe enthält.


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sony

Ungelesener Beitrag von sony » 9. August 2007, 20:39

Christian hat geschrieben:Wo sind eigentlich noch viele Gerbstoffe enthalten?
Blutwurz,
Eichenrinde
Ratanhiawurzel,
Brombeerblätter,
Walnusblätter,
Blutwurzwurzeln


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Christian

Ungelesener Beitrag von Christian » 9. August 2007, 22:27

Blutwurzwurzeln :D Das ur Wort!

Da ich gestern Hamamelisrindenwasser gekauft habe und jetzt Tuâls Vergleich zum Blattgold verstehe, hab ich mir gedacht man könnte es sicher substituieren. Ich dachte eben gleich an Tee und Weidenrinde. Solche Auszüge kann man sich auch leicht selber machen. Das Hamamelisrindewasser ist doch eh ein wässrig-alkoholischer Auszug oder? Für ein Hydrolat kommt es mir zu intensiv vor.


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sony

Ungelesener Beitrag von sony » 9. August 2007, 23:09

Christian hat geschrieben:auch leicht selber machen. Das Hamamelisrindewasser ist doch eh ein wässrig-alkoholischer Auszug oder? Für ein Hydrolat kommt es mir zu intensiv vor.
Ich kenne es nicht glaube aber nicht, dass es ein wässrig-alkoholischer Auszug ist. Intensiv, meinst du damit den Geruch.
Meine selbsthergestellten Hydrolate sind auch recht intensiv. Und Hydrolate aus Rinde sind denke ich sogar einiges intensiver wie Hydrolate aus zarten Blütenblätter.


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Christian

Ungelesener Beitrag von Christian » 10. August 2007, 10:03

Ja es rieht recht stechend. Als ob Alkohol drin wäre. Deshalb dachte ich wässrig-alkoholisch.

Ich meine der Zusatz "Wasser" kan ja vieles sein. Was ist dann zB ein Destillat?


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sony

Ungelesener Beitrag von sony » 10. August 2007, 10:51

Mit der Wasserdampfdestillation gewinnt man ähterisches Öl.
Nach der Kondensation wird das aufgefangene Destillat im Scheidetrichter in Öl und Wasser getrennt. So hat man einmal das ätherische Öl und einmal ein Hydrolat, das auch noch Wirkstoffe der destillierten Pflanze enthält. Somit erhält man echte Hydrolate.
Vielleicht ist deins ein Hamamelisextrakt.
Neben dem Extrakt wird aus den frischen Zweigen und Blättern der Zaubernuss noch das sogenannte Hamamelis-Wasser hergestellt. Das geschieht durch Destillieren. Das Ergebnis ist ein gerbstoffreies wässrig-alkoholisches Destillat, eben das Hamameliswasser.

Quelle
Das Hamameliswasser wird durch Destillation von zuvor in Wasser eingeweichten Hamameliszweigen hergestellt. Während die Hamamelisblätter und -rinde sehr viel Gerbstoffe enthalten, ist das auf diese Art gewonnene Hamamelisdestillat fast gerbstofffrei. Es enthält aber wie die Blätter und die Rinde ätherisches Öl und viele andere Substanzen.
Quelle



Einigem Pflanzenwasser ist dem destiliertes Wasser einfach nur ätherisches Öl zugesetzt worden, was es von einem echten Hydrolat unterscheidet.

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Manuka-Bee
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Re: Gerbstoffe und ihr Einsatz in der Haut- und Haarpflege

Ungelesener Beitrag von Manuka-Bee » 30. November 2009, 20:24

Ich habe jetzt endlich vor Hamameliswasser bzw. Hamamelishydrolat aus Rinde herzustellen, eins ist unklar -
Hamamelisrinde wird im Verhaeltnis 1:2 ins dest. Wasser eingelegt und 24-48 Stunden gezogen. Daraus ergebenes Wasser wird gefiltert und konserviert - Hamameliswasser mit Gerbstoffen. Hamamelishydrolat ist ohne Gerbstoffe, wird auch ins dest. Wasser eingelegt und danach destilliert - was wird nun aber destilliert, (A) das Wasser samt Droge einfach in der Destille kochen oder (B)nur eingeweichte Rinde im Armakorb? Dieser Punkt ist mir unverstaendlich. Und, sagen wir, wenn es (B) ist, hat man theoretisch dann beides - Hamameliswasser UND Hydrolat, oder nicht? :lupe:

und wenn es (A) ist, waere es nicht optimaler dann einfach Hamamelisrindenextrakt herzustellen und einfach in der Emulsion oder mit Wasser zu verduennen?
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Re: Gerbstoffe und ihr Einsatz in der Haut- und Haarpflege

Ungelesener Beitrag von Manuka-Bee » 30. November 2009, 21:38

Schon erledigt, phyto doc hat meine Fragen beantwortet:
Zaubernuss - Gewinnung
Wichtig zur Extraktion von Gerbstoffen ist der Alkohol. Gerbstoffe lösen sich nur in diesem Lösungsmittel sowie in heißem Wasser.

Hamamelisrindenfluidextrakt (Hamamelidis corticis Extractum fluidum) wird aus der gepulverten Hamamelisrinde hergestellt. Dazu wird das Pulver mit Lösungsmitteln versetzt (Glycerin, Alkohol und Wasser). Darauf lässt man ein Wasser-Alkoholgemisch durch den Brei sickern. Es entsteht ein dunkelbrauner und würzig duftender ExtraktEine konzentrierte Zubereitung der löslichen Anteile aus Pflanzenmaterial..

Hamamelisblätterfluidextrakt (Hamamelidis folium et cortex Extractum fluidum): Zerkleinerte Hamamelisblätter werden in einer Alkohol/Wassermischung eingeweicht. Die Lösung wird zu einem Dickextrakt aufkonzentriert und filtriert. Es entsteht eine dunkelbraune Flüssigkeit mit einem bitteren Geschmack. Beim Verdünnen mit Wasser wird die Lösung trüb und es bildet sich ein Niederschlag. Hamamelisextrakt (Extractum Hamamelidis) und Hamamelisfluidextrakt (Hamamelidis Extractum fluidum) werden ähnlich hergestellt.

Hamamelis (Trocken)-ExtraktEine konzentrierte Zubereitung der löslichen Anteile aus Pflanzenmaterial. (Hamamelis Extrakum siccum):
Die Hamamelisblätter werden mit Alkohol ausgezogen. Nach der Entfernung der Flüssigkeit bleibt ein feines Pulver zurück.

Hamameliswasser: Frische oder teilweise getrocknete Zweige oder Rinde werden zerkleinert und für einen Tag in Wasser eingeweicht. Die flüchtigen Bestandteile wie das ätherische Öl werden durch Destillieren isoliert. Die frischen Blätter können sofort destilliert werden. Das Destillat wird schließlich mit Alkohol versetzt (Hamamelidis aqua). Es enthält keine Gerbstoffe, da diese nicht flüchtig sind.

Zaubernuss - Wirkstoffe
Blätter und Rinde sind reich an Gerbstoffen (bis zu 10%)

Rinde: Mischung aus Hamamelis-Tanninen (= Digalloylhamamelose) und Catechinen

Blätter: vorwiegend Proanthocyanidine, Ellagitannine, außerdem enthalten sie 0,5% ätherisches Öl (Safrol, Ionon), Flavonoide, Chinasäure, Kaffeesäuren, Gallussäure.
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Vergissmeinnicht

Re: Gerbstoffe und ihr Einsatz in der Haut- und Haarpflege

Ungelesener Beitrag von Vergissmeinnicht » 1. Dezember 2009, 06:24

Dein Beitrag kommt wie gerufen Serge. Danke. Vor 4 Tagen habe ich einen Extrakt hergestellt. Ein Teil der Rinde zu 3 Teilen Wasser und 3 Teilen Weingeist eingelegt. Habe es 3 Tage bei Zimmertemperatur stehen lassen und dann gefiltert. Danach habe ich dem Filtrat 1 Teil Weingeist und 1 Teil Wasser dazugegeben und nochmals 1 Tag ausziehen lassen. Danach auf kleiner Flamme eindampfen lassen.

Für Hamameliswasser habe ich dies gefunden. Weiß nicht mehr wo ich das her habe.

100 Teile grob gepulverte Rinde mit 200 Teilen Wasser und 15 Teilen Weingeist 24 Stunden ziehen lassen . Danach abdestillieren.

Liebe Grüße
Regina

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Re: Gerbstoffe und ihr Einsatz in der Haut- und Haarpflege

Ungelesener Beitrag von Heike » 1. Dezember 2009, 14:57

Die üblichen Verfahren nach DAB und Ph. Eu. habe ich im Pflanzenportrait beschrieben; ich habe die über Nacht eingeweichte Rinde abdestilliert, Rinde im Korb, Einweichwasser im Kessel der Destille, ohne Alkohol. Dass keine Gerbstoffe im Destillat mehr sind, haben wir in einem anderen Thread derzeit festgestellt – irgendwo. :-) Das Hydrolat soll eine besondere Wirkung haben, auch ohne Gerbstoffe. Ich mag das Hydrolat lieber, weil es nicht braun ist.
Liebe Grüße
Heike


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Vergissmeinnicht

Re: Gerbstoffe und ihr Einsatz in der Haut- und Haarpflege

Ungelesener Beitrag von Vergissmeinnicht » 1. Dezember 2009, 18:15

Heike hat geschrieben:Die üblichen Verfahren nach DAB und Ph. Eu. habe ich im Pflanzenportrait beschrieben; ich habe die über Nacht eingeweichte Rinde abdestilliert, Rinde im Korb, Einweichwasser im Kessel der Destille, ohne Alkohol. Dass keine Gerbstoffe im Destillat mehr sind, haben wir in einem anderen Thread derzeit festgestellt – irgendwo. :-) Das Hydrolat soll eine besondere Wirkung haben, auch ohne Gerbstoffe. Ich mag das Hydrolat lieber, weil es nicht braun ist.
Danke Heike. DAB und Ph. Eu. steht wofür? :lupe: Dann werde ich mein Wässerchen auch ohne Alk machen.

Keine Antwort nötig, habe das Portrait gelesen Heike. :versteck:

Liebe Grüße
Regina

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Re: Gerbstoffe und ihr Einsatz in der Haut- und Haarpflege

Ungelesener Beitrag von Manuka-Bee » 1. Dezember 2009, 19:27

@ Heike: also Mazerat und Droge zusammen destillieren, aha, danke Dir! :D
@ Vergissmeinnicht: DeutschesArzneiBuch | Pharmacopoeia Europa ( Reinheitsstandarts Ph. Eur. 4 etc.)
Wohlsein ist alles!


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Re: Gerbstoffe und ihr Einsatz in der Haut- und Haarpflege

Ungelesener Beitrag von Vergissmeinnicht » 1. Dezember 2009, 19:54

Manuka-Bee hat geschrieben: @ Vergissmeinnicht: DeutschesArzneiBuch | Pharmacopoeia Europa ( Reinheitsstandarts Ph. Eur. 4 etc.)
JAAAAA, darum habe ich mich ja oben versteckt.

Liebe Grüße
Regina

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Re: Gerbstoffe und ihr Einsatz in der Haut- und Haarpflege

Ungelesener Beitrag von Manuka-Bee » 2. Dezember 2009, 01:37

Verstehe... :santa:
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Re: Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von Tiramisurella » 2. August 2016, 20:08

Hallo liebe Mitrührerinnen,

da hier im Forum - so wie ich das bisher mitbekommen habe - auch einige Menschen mit Rosacea und Neurodermitis sind, dachte ich, dass die folgende Information zum Thema Gerbstoffe interessant sein könnte. Denn wie hier bereits festgestellt (ich zitiere Wikipedia):
Gerbstoffe können auch lebendiges Gewebe oberflächlich verdichten und eine schützende Membran ausbilden, z. B. auf einer Schleimhaut. Durch ihre zusammenziehende (adstringierende) und austrocknende Wirkung entziehen sie Bakterien, die sich auf der Haut oder einer Schleimhaut angesiedelt haben, den Nährboden. Das Eindringen von Bakterien und Pilzen ins Gewebe wird erschwert (antimikrobielle Wirkung). Schmerz und Wundsekretion werden vermindert, Entzündungen gehemmt und kapillare Blutungen gestillt.
Ich hatte überlegt, mir eine Creme zu rühren (aber erst nachdem im September Heikes neue Bücher erscheinen und ich mich noch mehr eingefuchst habe) und dabei Hydrolate als Grundlage zu verwenden. Eines davon - so war meine Überlegung - sollte leicht gerbstoffhaltig sein. Die Alternative: Ich rühre mir eine Creme und verwende nur lokal bei Entzündungen ein gerbstoffhaltiges Hydrolat. Doch wie ist das jetzt mit Hydrolaten? Enthalten sie Gerbstoffe oder nicht?

]Hierzu nun die interessante Info, die ich gerade auf aromaexperten.at gelesen habe. Das Ganze ist ein Auszug aus dem Buch „Hydrolate – Sanfte Heilkräfte aus Pflanzenwasser“:
Einige dieser pflanzlichen Substanzen sind wasserlöslich (hydrophil) und können sich in unseren Hydrolaten wiederfinden. Dazu müssen sie aber „flüchtig“ sein, das heißt, ihr Molekulargewicht muß niedriger sein, als das bereits angegebene von 250 g/mol. Einige sind fettlöslich (lipophil) und wir finden sie dann beispielsweise konzentriert im ätherischen Öl der entsprechenden Pflanze.
(...) Gerbstoffe lassen sich nur in einigen Hydrolaten nachweisen, z.B. im Hamamelis-Hydrolat.
Und auf "krautundquer.at"liest man:
Bei den hydrolisierbaren Tanningerbstoffen sind Gallotannine oder Ellagtannine die Einzelkomponenten, aus denen sich hochmolekülare Komplexe bilden. Sie kommen z.B. in Hamamelis und Blutwurz (zusammen mit Catechingerbstoffen) vor. Tannine hemmen die Eisenaufnahme aus der Nahrung, daher sollte Schwarztee oder grüner Tee nicht zu den Mahlzeiten getrunken werden.
Tatsächlich scheinen also nur im Hamamelis-Hydrolat Gerbstoffe enthalten zu sein.

Was mich zu einer Frage bringt, die sich mir schon lange stellt:
Einerseits liest man ja, dass bei Rosacea Gerbstoffe schlecht seien (Hautreizung), andererseits werden Schwarztee-Kompressen empfohlen (wegen der Gerbstoffe)... Weiß hier jemand weiter?

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Re: Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von rosengarten » 2. August 2016, 20:36

Ich habe seit vier Jahren Rosacea und habe bisher nicht gelesen, dass Gerbstoffe schlecht seien :gruebel: . Ich meine aber gelesen zu haben, dass Hamamelis bei Rosacea nicht gut sei. Getestet habe ich es aber nicht.

Und die Gerbstoffe im schwarzen Tee beruhigen die Haut auf jeden Fall bei einem Flush.
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Re: Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von Tiramisurella » 2. August 2016, 20:52

Hallo Rosengarten,

angeblich sollen adstringierend wirkende Stoffe (wie auch Gerbstoffe) schlecht sein. Von Hamamelis wird deshalb auf Rosacea-Seiten abgeraten.

Für mich ist das wie gesagt ein Widerspruch, der sich mir nicht erschließt. Mir helfen Schwarzteekompressen ebenfalls und sie werden ja auch vom Dermatologen als Akuthilfe empfohlen.

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Re: Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von rosengarten » 2. August 2016, 21:02

Ich hatte mir mal einen Grünteeextrakt hergestellt und mit 3 % in die Creme gerührt. Leider konnte ich aber keine Verbesserung feststellen.

Ich komm ganz gut mit Lavendel- und Rosenhydrolat klar.
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Re: Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von Tiramisurella » 2. August 2016, 21:09

Ja, Hydrolate verwende ich auch: Cistrosen-, Weihrauch und Myrrhe-Hydrolat...

Vom Cistrosenhydrolat dachte ich auch, dass es Gerbstoffe enthält, aber da lag ich wohl falsch (siehe meinen Post oben) :lupe:

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Re: Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von rosengarten » 2. August 2016, 21:18

Manchmal glaube ich das "Hautberuhigend" viel wichtiger ist bei Rosacea.

Auch der Mäusedornextrakt den ich oft in der Creme verwende zeigt bei mir keine besondere Wirkung. Das heißt, ich merk jetzt keinen Unterschied ob der in der Creme enthalten ist oder nicht. Geht mir aber auch mit anderen Wirkstoffen oft so. Weihrauch verwende ich auch sehr gerne. Falls er evtl. keine Wirkung hat so duftet er zumindest sehr gut.
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Re: Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von Tiramisurella » 2. August 2016, 21:23

Ja, da hast du Recht. Ich habe mir vor zwei Monaten ein richtiggehendes Rosacea-Ekzem ins Gesicht "gepflegt", weil ich dachte, dass viele Wirkstoffe viel helfen. Vom Dermatologen bekommt man ja auch nur das Metrogel (in einer schlecht formulierten Basis) und kaum zusätzliche Infos.

Ich konzentriere mich nun auch auf "Beruhigung" : :klimper:

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Karin Palim
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Re: Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von Karin Palim » 3. August 2016, 23:14

Hallo zusammen,

Was auch Gerbstoffe und "Salicylsäure" besitzt ist Mädesüß und Stiefmütterchen. Ich wundere mich, warum das bei Rosacea nicht explizit empfohlen wird....

Vom Mäusedorn war ich auch nicht so begeistert, erst der gekaufte Stiefmütterchenextrakt hat mich auf den Weg in diese Richtung gebracht.
Blüten habe ich aber erst einmal nur vom Mädesüß ergattern können und selbst einen angesetzt in 70% Alkohol.
Das ist wirklich ganz tolles Gewächs.
Schöne Grüße
Karin

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Re: Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von rosengarten » 4. August 2016, 09:23

Karin Palim hat geschrieben:Hallo zusammen,

Was auch Gerbstoffe und "Salicylsäure" besitzt ist Mädesüß und Stiefmütterchen. Ich wundere mich, warum das bei Rosacea nicht explizit empfohlen wird....

Vom Mäusedorn war ich auch nicht so begeistert, erst der gekaufte Stiefmütterchenextrakt hat mich auf den Weg in diese Richtung gebracht.
Blüten habe ich aber erst einmal nur vom Mädesüß ergattern können und selbst einen angesetzt in 70% Alkohol.
Das ist wirklich ganz tolles Gewächs.
Das interessiert mich jetzt aber. Welche Wirkung hast Du beim Stiefmütterchenextrakt gespürt und hast Du den Extrakt selbst angesetzt oder gekauft?

Vom Mädesüß habe ich 200 ml Hydrolat gemacht. Extrakt habe ich keinen davon herstellt......es gibt aber noch einige Blüten bei uns . vielleicht sollte ich noch einige einsammeln :gruebel: ?
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Liebe Grüsse
Pia

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Karin Palim
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Re: Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von Karin Palim » 4. August 2016, 10:52

rosengarten hat geschrieben: Das interessiert mich jetzt aber. Welche Wirkung hast Du beim Stiefmütterchenextrakt gespürt und hast Du den Extrakt selbst angesetzt oder gekauft?

Vom Mädesüß habe ich 200 ml Hydrolat gemacht. Extrakt habe ich keinen davon herstellt......es gibt aber noch einige Blüten bei uns . vielleicht sollte ich noch einige einsammeln :gruebel: ?
Hallo Pia,

den Mäusedorn und den Stiefmütterchenextrakt habe ich von aliacura. Ist in Glycerin angesetzt.
Vorher habe ich immer den Mäusedorn genommen, weil der auch bei POD empfohlen wird. Habe den dann mal mit dem Stiefmütter verglichen und die Haut sieht damit ausgeglichener, ebenmäßiger aus.

Mädesüß habe ich selber hergestellt aus getrockneten Blüten via Turboextraktion und der Geruch gefällt mir sehr gut (ist wahrscheinlich Geschmackssache) und auch hier sieht die Haut sehr schön eben aus und meine zu entzündeten Pusteln neigende Haut ist schön beruhigt und verträgt den Extrakt sehr gut.

Bin gespannt wie das selbstgemachte Stiefmütterchen dann mal abschneidet, da muß ich aber erst mal schauen wo ich die Blüten bestelle. Dragonspice ist leider zur Zeit ausverkauft.
Im Moment ist Mädesüß von allem was ich bis jetzt als Cremezusatz ausprobiert habe, mein Favorit.
Schöne Grüße
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Re: Gerbstoffe

Ungelesener Beitrag von rosengarten » 4. August 2016, 11:12

Das hört sich sehr gut an. Dann werde ich doch noch mal schnell am Wochenende Mädesüß sammeln, die Blüten werden nämlich schon weniger.

Turboextraktion habe ich bisher noch nicht gemacht. Du hast das Mädesüss dann in Alkohol extrahiert? Alkohol will ich nicht unbedingt benutzen, dafür ist meine Haut einfach zu empfindlich. Ich lege mir die Pflanzen auch meist in Glycerin oder Propylene Glycol ein, das vertrage ich beides sehr gut.

Ich kauf mir einfach mal Stiefmütterchen und lege sie selbst ein. Weisst Du, ob man dann nur die Blüten nimmt auch/bzw. nur das Kraut?
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Liebe Grüsse
Pia

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