Öle tauschen, wie geht ihr vor?

In diesem Unterforum erörtern wir Themen rund um die Entwicklung, Herstellung und Optimierung von Hautpflegeprodukten (inklusive Fehlersuche).

Moderator: Helga

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estrella

Öle tauschen, wie geht ihr vor?

Ungelesener Beitrag von estrella »

Liebe Profis

Wie geht ihr vor beim Öle tauschen?
Ich habe mich nun schon sehr vertieft in die thematik Psoriasis weil ich einem Freund eine Pflege rühren möchte. Ich weiss, dass damit überhaupt nicht zu spassen ist und werde vorher genau abklären. Ev. schlussendlich auch die Finger davon lassen, aber was mir dabei auffiel ist das Tauschen innerhalb der Ölgruppen. In manchen Pflegeprodukten hatte es viele Öle, in anderen weniger, jedoch waren diese meist so zusammengestellt dass aus denselben Ölgruppen (so wie sie Heike einteilt in ihrem Buch "Naturkosmetische Rohstoffe") immer jeweils eines vorhanden ist.
Scheint mir grad schwierig mich verständlich auszudrücken. Versuche es nun mal mit einem konkreten Beispiel.
Borretschsamenöl soll ja gut sein bei der Psoriasispflege, in einem Rezept ist diese drinnen. In einem andern aus der selben Ölgruppe Nachtkerzenöl.
Dann aus der Gruppe B1 immer Avocadoöl, jedoch bei einigen Rezepten auch Macadamianussöl dazu.
Oft Schwarzkümmelöl dabei. Im einen Rezept 0.08% der Gesamtmenge, in einem andern 0.002%
Nun meine Frage. Es idt doch kaum Möglich, dass diese Rezepte auf minutiösen Studien basieren. Wie also weiss ich was gilt beim austausch der Öle untereinander? Wann ist es wenig sinnvoll zwei Öle aus derselben Gruppe zu verwenden, nach welchen Regeln schränke ich mich überhaupt ein an Ölen?
Ich weiss ja, dass weniger mehr ist und man sich herantasten soll. Aber diese Abweichungen müssen doch einen Grund haben? Gibt es irgendwie medizinische Anhaltspunkte oder ev. Studien dazu?
Freue mich schon auf eure Tipps. :laufen:
Liebe Grüsse
estrella

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Petunie
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Re: Öle tauschen, wie geht ihr vor?

Ungelesener Beitrag von Petunie »

Ich bin zwar kein Rührprofi, dafür ein Psoriatiker"profi" (heißt, seit früher Jugend stark am ganzen Körper betroffen).
:seufz:

Ich kann dir absolut keine "kluge" Antwort auf deine Frage geben, aber aus 15 Jahren Öl-Anwendung erzählen....
Diese Öle, die du erwähnst, sind natürlich meine Klassiker (Nachtkerze, Borretsch, Schwarzkümmel,...) - Habe sie einzeln pur, gemischt, in verschiedenen Mengenverhältnissen, innerlich und äußerlich angwendet (und tue es immer noch) - Fazit: alle tuen meiner Haut mehr oder weniger gleich gut.
Die wirklich "großen" Heilerfolge (und auch Schübe) waren mM durch verschiedene Lebensumstände bzw. -veränderungen begründet.

Hilft Dir jetzt wahrscheinlich nicht weiter - wenn Du diese Creme für deinen Freund rührst, entscheide dich für EIN Wirkstofföl, bei der nächsten Charge kannst Du es ja in der selben Ölgruppe austauschen und den Anwender fragen, ob er einen Unterschied gemerkt hat.
Bei den Basisölen habe ich immer sehr stark variiert, wobei Sesam, Jojoba, Mandel eher meine Favoriten sind - Macadamia und Avocado sind mir zu heftig (bzw. mische ich sie in kleinerer Menge dazu).
Weiters liegt mein Schwerpunkt bei der Psopflege auch bei den ÄÖ - würde jetzt aber das Thema sprengen.

Die ganzen Ölsäurespektren und Theorien sind ja schön und gut - trotzdem muß sich der Anwender mit der Pflege wohl fühlen und sie wirklich gerne verwenden.
Mit Grauen denke ich an die widerlichen klebrigen fetten Salben, die ich meiner Jugend für die Psopflege hatte - damit kann es einfach nicht besser werden :nein:

So liebevoll, wie Du dich für einen Freund damit beschäftigst, wird es bestimmt eine feine Creme :wink: alleine das fördert schon die Linderung!

So, mal sehen, was die Rührprofis sagen. :popcorn:
Ein herzliches Lächeln ist das schönste Make-up.....

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cessna
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Re: Öle tauschen, wie geht ihr vor?

Ungelesener Beitrag von cessna »

Ich habe von Psoriasis keine Ahnung, aber grundsätzlich teste ich Öle immer erstmal pur auf meiner Haut und schaue wie sie reagiert. Vielleicht ist dein Freund auch dazu bereit?

Ansonsten frage ich ihn doch einfach was er bisher benutzt hat, womit ist er gut zurecht gekommen, was war gar nicht gut etc.

Gerade bei Hautkrankheiten auf blauen Dunst hin was rühren, auch noch für eine fremde Person, halte ich für keine besonders gute Idee. Auch wenn mir klar ist, dass du es nur gut meinst. :bussi:
Liebe Grüsse

Annemona

Re: Öle tauschen, wie geht ihr vor?

Ungelesener Beitrag von Annemona »

Liebe Estrella,
ich kann Dir zu den einzelnen Ölen leider nichts sagen, was nicht bei Olionatura steht, da ich da leider noch zu wenig Ahnung und Erfahrung habe. Ich habe aber eine gute Freundin mit Schuppenflechte. Ich hatte auch die Vorstellung, dass ich ihr vielleicht mit etwas Selbstgerührtem helfen könnte.
Ich habe dieses "Projekt" aber ersteinmal vertagt, da ich einfach noch zu wenig Erfahrung habe.
Was ich Dir aber eigentlich sagen wollte ist, dass es bei Psoriasis ja ständig verschiedene Hautzustände gibt und meine Freundin mir erklärt hat, dass sie dann zeitweise etwas benötigt, um die Verschuppungen zu lösen, zeitweise starken Juckreiz hat und in "ruhigen" Phasen dann eine gute Basispflege benötigt.
Das heißt ja dann, dass es nicht "die Eine" Creme geben kann, die immer hilft. Sehr kompliziert das ganze.
Ich wünsche Dir und Deinem Freund viel Erfolg bei der Suche nach einer guten Pflege und würde persönlich auch empfehlen, mit einem einzelnen Öl zu beginnen und zu testen, wie er es verträgt.
Liebe Grüße,
Annemona

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Heike
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Re: Öle tauschen, wie geht ihr vor?

Ungelesener Beitrag von Heike »

estrella hat geschrieben:Es idt doch kaum Möglich, dass diese Rezepte auf minutiösen Studien basieren.
Die Rezepte nicht, aber es gibt Studien zu den Wirkungen spezifischer Fettsäuren in Ölen, ganz vorne Nachtkerzenöl, aber auch andere (Arganöl usw.). :-) Viele Studien haben einen seriösen Hintergrund und sind im Kontext von Behandlungsstrategien atopischer Hautzustände entstanden.

Die Ölgruppen auf Olionatura bieten eine erste Orientierung für den Tausch. Wer gesunde Haut hat, kann da sehr locker mit umgehen; bei kranker Haut wird man gezielter tauschen und auf spezifische Fettsäuren schauen. Gerade bei der seltenen Gamma-Linolensäure gibt es eine begrenzte Auswahl an Ölen, die sie aufweisen.
Liebe Grüße
Heike

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Birgit Rita
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Re: Öle tauschen, wie geht ihr vor?

Ungelesener Beitrag von Birgit Rita »

Petunie hat geschrieben: Mit Grauen denke ich an die widerlichen klebrigen fetten Salben, die ich meiner Jugend für die Psopflege hatte - damit kann es einfach nicht besser werden :nein:
Ja, ich habe heute noch Bilder, im Kopf vom Behandlungszimmer im KH (ich war 3 Jahre) den ganzen Körper mit stinkender Teersalbe, und Teerbad, Tonnen Jellinsalbe wurden auf mir verschmiert. Echt grausig.

Habe zur Zeit intakte Haut.

Mein Sohn liebt diese Aloe-Creme , schönes Rezept von Heike, was aus meiner sicht für Psoriatiker gut geeignet ist, ich baue BSB ein und habe auch schon Schwarkümmel zugefügt.
Lieben Gruß
Birgit Rita :-)

estrella

Re: Öle tauschen, wie geht ihr vor?

Ungelesener Beitrag von estrella »

Vielen vielen Dank für eure lieben ausführlichen Antworten! :knuddel: :bussi:
Werde mich also noch etwas schlauer machen und dann mal auf der Haut testen lassen. :lupe:
Ich lass euch wissen ob ich mich dran wagen werde oder es den richtigen Profis überlasse. :-a
Auf bald
estrella

snakekaplan
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Re: Öle tauschen, wie geht ihr vor?

Ungelesener Beitrag von snakekaplan »

estrella hat geschrieben: Ich weiss ja, dass weniger mehr ist und man sich herantasten soll.
Guten Abend ;)
Also ich bezeichne mich selber ebenfalls nicht als Profi. Nun, ich habe zu dem Aspekt folgende Erfahrung gemacht:
Niemand merkt so schnell, was gut tut oder verschlimmernd wirkt wie der Betroffene selbst.
Meine Empfehlung: Direkt an ihm ausprobieren / von ihm ausprobieren lassen bzw. mit ihm zusammen rühren. So ziehst Du dich auch ein Stück weit aus der Verantwortung, da Du ihn einbindest und bekommst viel direkteres Feedback.
estrella hat geschrieben:Aber diese Abweichungen müssen doch einen Grund haben? Gibt es irgendwie medizinische Anhaltspunkte oder ev. Studien dazu?
Ganz ehrlich?
Wenn Dir olio natura zu hoch ist, dann wirst Du keine neuen Erkenntnisse aus medizinischen Studien erhalten und das wird dann auch die nächsten Jahre so bleiben...
Diese sind nicht für Laien wie uns geschrieben. Mir persönlich reicht olio natura in den allermeisten Fällen. Aber ich verzweifel regelmäßig, wenn ich mir doch mal die ein oder anderen Forschungsergebnisse anschau. Hier spielen so viele Faktoren zusammen.
Wir sind eben keine Medizinier, keine Apotheker,... es hat seine Gründe, warum deren Studiengänge so extrem vom Niveau angesiedelt sind und so viel länger dauern als andere.
Aber für genau für solche Leute werden diese Studien geschrieben.

MfG
Sebastian

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pflanzenölscheich
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Re: Öle tauschen, wie geht ihr vor?

Ungelesener Beitrag von pflanzenölscheich »

Liebe Estrella, als jemand, der selbst erkrankte Haut hat und sie seit einem Jahr mit Selbstgerührtem fest im Zaume hält, wage ich hiermit eine Antwort.

Letztlich geht es wirklich um die Inhaltsstoffe unserer pflanzlichen Fette und Wachse. Auch, wenn ich dies aufgrund rohstoffbedingter Schwankungen und nicht lückenlos eingeholter Zertifikate nur mit begrenzter Genauigkeit machen kann, berechne ich mir trotzdem stets das ungefähre Fettsäurespektrum meiner Produkte. Die Grundeigenschaften der Fettsäuren sind ja soweit bekannt, wobei sich in der Praxis erhebliche Schwankungen je nach konkretem Hautzustand ergeben können. Besonders manifeste Superinfektionen können die heile Fettsäurewelt mitunter Kopf stehen lassen, wenn man solche Dinge bei der Rezeptierung nicht ausreichend berücksichtigt. Da werden beruhigende juckreizlindernde Stoffe wie Gamma-Linolensäure auf einmal zum Juckreizverstärker.

Aber lasse Dich durch diese Worte nicht verunsichern, denn gerade bei Psoriasis, entnahm ich einer Studie, deren Lektüre allerdings schon wieder eine Weile her ist, produziert die Haut sogar noch mehr Defensine (=antimikrobielle Peptide) als im gesunden Zustand. Selbstverständlich wirst Du Deine Versuche anfangs so planen, als verhielten sich die eingesetzten Wirkstoffe restlos artig wie im Lehrbuch. :)
snakekaplan hat geschrieben:Nun, ich habe zu dem Aspekt folgende Erfahrung gemacht:
Niemand merkt so schnell, was gut tut oder verschlimmernd wirkt wie der Betroffene selbst.
Meine Empfehlung: Direkt an ihm ausprobieren / von ihm ausprobieren lassen bzw. mit ihm zusammen rühren. So ziehst Du dich auch ein Stück weit aus der Verantwortung, da Du ihn einbindest und bekommst viel direkteres Feedback.
Das ist absolut korrekt. :ja:

Als Betroffener, wenn auch nicht der Psoriasis sondern der atopischen Dermatitis (unbehandelt durchwegs schwerer Ausprägung, mit meinem aktuellen Pflegekonzept seit einem Jahr so gut wie erscheinungsfrei) kann ich ausdrücklich bestätigen, dass man - vor allem mit etwas Selbstbeobachtung - als Betroffener ein exzellentes Gespür entwickelt, was gut tut und was wie wirkt.
estrella hat geschrieben:Aber diese Abweichungen müssen doch einen Grund haben? Gibt es irgendwie medizinische Anhaltspunkte oder ev. Studien dazu?
Es gibt etliche Studien, die mit unsterblich gemachten (sprich: am programmierten Zelltod gehinderten) sogenannten HaCaT-Keratinozyten arbeiten, die im Labor kultiviert und dabei mit der jeweiligen Substanz (zum Beispiel einer Fettsäure) inkubiert werden, wie das so schön heißt. In einer Studie habe ich zum Beispiel gelesen, dass die Zellhüllen solcher Keratinzyten durch freie ungesättigte Fettsäuren beschädigt wurden - was ja einleuchtet, weil diese die Membran kräftig fluidisieren. Hier muss man aber wissen, dass derartige in vitro Experimente oft nicht mit dem Geschehen in der lebenden Haut übereinstimmen.

Keratinozyten nehmen in der Basalschicht essentielle Fettsäuren (Linol- und Alpha-Linolensäure) aus der Blutzirkulation auf, wofür es eigene Fettsäuretransporterproteine gibt. Da bringen sie den Keratinozyten aber nicht um sondern bereichern ihn und sind für sein physiologisches Funktionieren ganz unerlässlich.

Was ich damit sagen will:
Eine der schwierigsten Angelegenheiten beim Lesen (besondes in vitro durchgeführter) wissenschaftlicher Studien ist die Einschätzung ihrer Tragweite und Anwendbarkeit auf das lebende Objekt. Sehr gut funktioniert allerdings der Ansatz, sich von solchen Studien inspirieren zu lassen und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten einfach auszutesten. So habe ich zum Beispiel die eigentlich in einer Psoriasis-Studie erwähnte Apoptose fördernde Wirkung von Ceramiden kennengelernt und damit experimentiert, sie entweder nicht oder eben doch in Lipodermin zu verkapseln, um sie möglichst tief in die Epidermis einzuschleusen.

Das Ergebnis war eine deutlich erkennbare Unterscheidung der Wirkungen: unverkapselt in der bekannten Schutzwirkung eher von außen. Verkapselt war es keine äußere Schutzschicht sondern eine Strukturveränderung meiner Haut selbst - irgendwie fester, kompakter, strapazierfähiger. Seither verkapsle ich die 3er-Ceramide ganz gezielt.

Der langen Rede kurzer Sinn: Mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen, viel Neugier und dem Wissen um die Grenzen des eigenen Verständnisses sind Fachpublikationen ein kostbarer Quell von Anregungen - gerade auch für unser eigenes Selbstrühren und besonders, wenn es um die Pflege eines krankhaften Hauzustandes geht.

Um also die ursprüngliche Frage zu beantworten: Wie tausche ich Öle aus? Gar nicht. Ich arbeite nicht in dieser groben Einteilung. Du kannst es Dir wie eine Sammlung von Vorratsgefäßen denken, aus denne ich ein bisschen hiervon und ein wenig davon in meine Rezeptur gieße, bis sie genug von jeder Fettsäure, vom ätherischen Schwarzkümmelöl und so weiter enthält. Für Öle mit speziellen Wirkstoffen (Schwarzkümmelöl, Calophyllumöl, Amaranthöl wegen des Squalens, ...) ist natürlich schon die konkrete Dosierung des jeweiligen Öles wichtig, aber alles Andere spielt sich bei mir nur im Rahmen seines Beitrages zur inhaltsstofflichen Gesamtkonzeption ab. Die Verteilung der Fettsäuren ist davon ein selbstverständlich wesentlicher Teil.

In der Hoffnung, dass Dich sein Beitrag nicht allzu erschlagen hat, wünscht Dir eine gute Nacht
Harald
:monsieur:

snakekaplan
Rührgeselle
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Registriert: Donnerstag, 1. September 2011, 14:25
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Re: Öle tauschen, wie geht ihr vor?

Ungelesener Beitrag von snakekaplan »

Hallo Harald

Und zum dritten Mal heute: Vielen Dank! :yeah:

MfG
Sebastian

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