Mizellentechnologie

In diesem Unterforum erörtern wir Themen rund um die Entwicklung, Herstellung und Optimierung von Hautpflegeprodukten (inklusive Fehlersuche).

Moderator: Helga

Antworten
Benutzeravatar
Rika
Rührküken
Rührküken
Beiträge: 91
Registriert: Mittwoch, 18. April 2012, 22:52
14
Wohnort: im Garten des Inn

Mizellentechnologie

Ungelesener Beitrag von Rika »

Hallo ihr Lieben,

mir muss bitte Mal jemand auf die Sprünge helfen. Seid einiger Zeit sind Gesichtsreinigungswässer immer Beliebter die mit einer sogenannten 'Mizellentechnologie' arbeiten. Das lässt mich nicht los. Kann das was? Ist so etwas sinnvoll?

Laut einigen Anwenderinnen soll es sehr sanft und hautverträglich sein, jedoch auch sehr zuverlässig arbeiten.

Mizellen, so habe ich aus Heikes Handbuch erfahren sind: [Zitat] Anhäufungen von Tensid-Molekülen, die sich in einem Dispersionsmedium ( meist Wasser ) spontan zusammenlagern und kugelige Struckturen ausbilden [Zitat ende]


Bezüglich der Sanftheit und guten Hautverträglichkeit kann es sich doch eigentlich um kein 'normales' Tensid handeln, oder? Ich habe noch Mal etwas genauer im Buch gelesen und auf Seite 80 beschreibt Heike dass die Molekülstrucktur von Lysolecitin eine Mizellenbildung fördert. Es ist mir bekannt das einige ( oder alle Emulgatoren? ) auch Tenside sind und umgekehrt.
Jetzt meine Fragen:

Könnten wir mit LL auch soetwas herstellen und dann wie. Wie berechtnet man die benötigete Menge um eine Reinigung zu erreichen? Auch sollte sich LL mit dem Wasser schön verbinden ( wenn ich meine Cremes rühre tut er dass nicht, oder ich rühre zu schwach...) aber da LL in Öl gelösst ist würden wir einen Solubilisator brauchen z.B.: Dermofeel G 10 LW was wiederum auch ein Tensid ist.

Ich glaube beim lesen des Rohstoffportäts, habe ich mir meine Frage gerade selbst beantwortet. Zu diesem Reinigungswasser braucht man eigentlich NUR! Dermofeel G 10 LW! Ich denke in der Industrie wird der von Heike weiter unten genannte ( Symbio®solv XC ) verwendet. Die INCIs des Tensids und eines der Handelprodukte deuten darauf hin.

Aber ist das denn wirklich sooo sanft?

Ich freue mich auf eure Meinungen/ Ideen. Bis bald und ein schönes Wochenende euch allen.
Liebe Grüsse
Rika



Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.
L.A.Seneca

Benutzeravatar
Helga
Moderator
Moderator
Beiträge: 25422
Registriert: Samstag, 25. August 2007, 22:37
19
Wohnort: Traun/Oberösterreich

Re: Mizellentechnologie

Ungelesener Beitrag von Helga »

Leider keine Antwort auf Deine Frage Rika, aber etwas an Erklärung
habe ich gefunden, was Mizellen sind.

.........Seifen lösen sich nicht richtig in Wasser, sondern bilden sogenannte Mizellen. In reinem Wasser sind die Mizellen (Abb. 1) sehr klein und nicht zu sehen. Im Inneren dieser kleinsten „Tröpfchen“ befinden sich die langen, unpolaren Kohlenwasserstoffketten, während die polaren Enden in das Wasser hinausragen. Durch die Ladungen, die auf den Enden sitzen, wird ein Zusammenballen der Mizellen verhindert.
.............

So sehen Mizellen aus
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga

Benutzeravatar
Helga
Moderator
Moderator
Beiträge: 25422
Registriert: Samstag, 25. August 2007, 22:37
19
Wohnort: Traun/Oberösterreich

Re: Mizellentechnologie

Ungelesener Beitrag von Helga »

Ich erinnere mich, dass im Zusammenhang mit Mizellen neulich jemand nach "sulfatisiertem Rizinusöl"
(bei uns heisst es Türkisch Rotöl) gefragt hat, auch an Aromazone erinnere ich mich :wink:

Hier ist das Datenblatt von "Türkisch Rotöl" bei Aromazone, Tante Guugle übersetzte mir, dass durch das sulfatisieren es "anionisch" ist; weiter unten steht ein Rezept für "Eau micellaire nettoyante pour peaux sèches à l'Amande".

100ml von diesem "Mizellwasser für trockene Haut" bestehen aus
4g Türkisch-Rotöl, 3g Mandelöl, 2 Tropfen ÄÖ Bittermandel, 92,3g Orangenblütenhydrolat und 0,6g Cosgard (Konservierer).
Es wird noch darauf hingewiesen, dass der PH-Wert 6,7 bis 7 ist, muss man also noch einstellen.
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga

Benutzeravatar
Rika
Rührküken
Rührküken
Beiträge: 91
Registriert: Mittwoch, 18. April 2012, 22:52
14
Wohnort: im Garten des Inn

Re: Mizellentechnologie

Ungelesener Beitrag von Rika »

Danke Helga für deine Antwort.

Ja wie Mizellen aussehen hat Heike auch in ihrem Handbuch dargestellt. Ich danke dir trotzdem sehr für deinen interessanten Link. :knicks: Ich kann mir denken wie und dass es funktioniert, kann mir nur nicht vorstellen dass es so mild sein soll. :gruebel:

Vielleicht findet sich noch jemand der weiter helfen kann. :popcorn:

Ich wünsche dir noch ein ganz schönes Wochenende mit deinen Lieben :hallihallo:
Liebe Grüsse
Rika



Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.
L.A.Seneca

Benutzeravatar
cessna
Rohstoffqueen
Rohstoffqueen
Beiträge: 895
Registriert: Mittwoch, 5. Oktober 2011, 15:03
15

Re: Mizellentechnologie

Ungelesener Beitrag von cessna »

Wenn man sich die Inci von so manchem Mizellen-Wässerchen anschaut, sieht man, dass es sich mitnichten um spezielle Tenside handelt. Oft wird Decyl- und/oder Lauryl Glucoside verwendet.

Wenn man pi mal Daumen 95% Wasser mit 5% Tensid mischt, hat man eine gut reinigende Lösung. Ganz einfach.
Hier sind zum Beispiel die Inhaltsstoffe vom mizellaren Reinigungswasser der Firma Melvita:
AQUA/WATER - ROSA DAMASCENA FLOWER WATER* - HAMAMELIS VIRGINIANA (WITCH HAZEL) WATER* - CITRUS AURANTIUM AMARA (BITTER ORANGE) FLOWER WATER* - GLYCERIN - ALCOHOL*** - NARCISSUS TAZETTA BULB EXTRACT* - ALPHA-GLUCAN OLIGOSACCHARIDE - DECYL GLUCOSIDE - LEVULINIC ACID - SODIUM LEVULINATE - SODIUM BENZOATE

Diese Werbung mit Mizellentechnologie ist nur gutes Marketing, mehr nicht.
Liebe Grüsse

Benutzeravatar
Heike
Administrator
Administrator
Beiträge: 35482
Registriert: Sonntag, 10. Juni 2007, 20:37
19
Wohnort: Leverkusen
Kontaktdaten:

Re: Mizellentechnologie

Ungelesener Beitrag von Heike »

Cessna, so sehe ich das auch: Im Gesichtswasser ist ein Zusatz an Tensid, das dort naturgemäß Mizellen bildet und daher reinigt; hier ist eine Grafik von Olionatura.de, die Mizellen mit »Inhalt« zeigt, nämlich Schmutz:

Bild

Ohne Schmutz sind die Mizellen räumlich identisch organisiert (wasserliebende Molekälenden außen, fettliebende innen), nur eben leer – und warten auf »Futter« (Hautfette, Staub usw.). :-)

Rika, ich habe den Beitrag verschoben; hier ist er gut aufgehoben.
Liebe Grüße
Heike

Benutzeravatar
Rika
Rührküken
Rührküken
Beiträge: 91
Registriert: Mittwoch, 18. April 2012, 22:52
14
Wohnort: im Garten des Inn

Re: Mizellentechnologie

Ungelesener Beitrag von Rika »

Hallo Heike habe mir nach dem posten schon gedacht dass er am Küchentresen warscheinlich falsch ist. :pfeifen: Danke für's verschieben. :knuff:

Decylglucoside?! :augenwisch: Das ist ja wirklich einfach. Ich wusste bisher nur von zwei Firmen die solch ein Gesichtswasser anbieten. Danke Cessna für den Tipp.

Euren Ausführungen nach sollte dem nach auch Sanfteen als Tensid in Frage kommen. Das Prinzip ist ja bei allen gleich.

Aber wie sieht es hautpflegetechnisch aus? Soweit ich weiss wird das Produckt nach der Anwendung nicht abgewaschen. Ist es denn sinnvoll ein Tensid auf der Haut zubelassen? Oder sollte man doch mit etwas anderem 'nachwaschen' ?
Liebe Grüsse
Rika



Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.
L.A.Seneca

Benutzeravatar
cessna
Rohstoffqueen
Rohstoffqueen
Beiträge: 895
Registriert: Mittwoch, 5. Oktober 2011, 15:03
15

Re: Mizellentechnologie

Ungelesener Beitrag von cessna »

Ich würde das Produkt auf jeden Fall abwaschen, sei es mit purem (Leitungs-) Wasser, Hydrolat oder ähnliches. Auf keinen Fall Tenside auf der Haut lassen, die wirken weiter und das wollen wir nicht, es reizt die Haut zu sehr.
Liebe Grüsse

Benutzeravatar
Rika
Rührküken
Rührküken
Beiträge: 91
Registriert: Mittwoch, 18. April 2012, 22:52
14
Wohnort: im Garten des Inn

Re: Mizellentechnologie

Ungelesener Beitrag von Rika »

Ja das verstehe ich, habe genau aus diesem Grund gezweifelt. Die Produkte werden aber gerade damit beworben... :ugly:
Liebe Grüsse
Rika



Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.
L.A.Seneca

Antworten