sonnenkind hat geschrieben:
Und einige von diesen Menschen waren noch nicht mal psychisch labil wegen ihren angeblichen Makeln
Wenn man einmal tatsächlich psychisch erkankt ist, denke ich, kann eine OP nur unterstützend bei der geistigen Gesundung helfen. Auf andere Wege - welche auch immer das sein mögen - wird man meiner persönlichen Meinung nach dann nicht mehr verzichten können, wenn man wirklich geistig wieder gesund werden möchte.
In meinem Umfeld und auch dem meiner Lebenspartnerin (Ja, es hält jemand mit mir aus

) haben sich bis jetzt nur die ihren Bauch verkleinern, Fett absaugen, Hautlappen entfernen lassen, bei denen es für unser Empfinden (ohne, daß ich mich jetzt hinter einem "wir" verstecken will) wohl ihr Körper oder ihre Einstellung zum Körper ihnen auch psychisch zusetzte. Natürlich sind da von uns keine Diagnosen zu stellen, aber als ehrliche Freunde raten wir zu professioneller Hilfe. Das ist auch absolut keine Schande, sondern im Gegenteil zeigt es große Charakterstärke, wenn man sich dies eingestehen und daraus Konsequenzen ziehen kann.
Wirklich glücklich geworden... im Sinne von, daß wir als Freunde oder Familie dies bemerkt hätten, wurde von diesen unseren Lieben bis jetzt durch die OP niemand.
Ein halbes oder ganzes Jahr später so um den Dreh fingen diese an, sich mit dem neuen Körper anzufreunden. Aber dieser "Wahnsinns-Schritt", wie sie uns von der OP im Vorfeld immer vorgeschwärmt haben... das wars für niemanden.
Diese OPs werden gerne mit unrealistischen Erwartungen überfrachtet: "Wenn die OP endlich meinen hässlichen Körper und alles, weswegen mich andere so hassen weggemacht hat, dann gehen auch die Depressionen weg. Dann werde ich auch endlich beruflich erfolgreich. Dann finde ich meine große Liebe."
Als Freund steht man dann daneben und... guter Rat ist teuer...
In meinen Augen sind das alles keine Makel, Problemzonen, Hässlichkeiten. DAS sind genau die Dinge, die uns als Menschen zu Individuen machen und so versuche ich, alle so anzunehmen wie sie sind. (ich bin nicht so vermessen zu sagen, mir würde dies immer zu 100% gelingen. Bin auch nur ein Menschlein

) Letzendlich hat sich aber keiner diesen Körper ausgesucht. Es hat sich keiner seine Krankheiten ausgesucht. Und auch das Bündel, daß man zu tragen hat, konnten sich die wenigsten nur aussuchen. Warum sich gegenseitig das Leben schwer machen, wenn man sich auch stützen könnte?
Irgendwo bleibt man als Freund oder Angehöriger aber auch ratlos und verloren zurück, wärend die Lieben auf einem Weg nach ihrem Glück suchen, der für sie zwar gangbar und mit vielen Entbehrungen auch bezahlbar ist aber in meinen Augen keineswegs zum Ziel führt.
Klar lässt man sie gehen. Sie haben oft genug nach Rat gefragt. Entscheiden und damit leben können und müssen sie selbst. Auch wenn man sie natürlich nicht alleine lässt.
"Du musst dich selbst anfangen zu lieben"... Das ist so ein schöner Satz. Ich traue vielen - die ohne sonstige "Probleme" sich so einer OP unterziehen- zu, nach dieser damit wieder anfangen zu können. (Falls sie überhaupt jemals damit aufgehört haben.)
Aber wenn Du in den Spiegel schaust und dann - um mal zu zitieren - denkst: "Ich könnt kotzen. Wer soll soetwas bitte lieben? Ich hasse meinen Körper, ich hasse mich. Und ich verstehe, warum mich jeder verabscheut. Ich empfinde ja das Gleiche."
Und das ist jeden Tag in der Früh so... Am Abend kommt man drum rum, in den Spiegel zu schauen.
Klar kann hier eine OP unterstützend helfen, aber daß es *nur damit* getan sein soll... schön wärs wirlich aber ich mag das nicht kaufen, tut mir leid.
Das sind jetzt nur meine persönlichen Eindrücke. Ich bin weder Mediziner noch kenn ich hier Statistiken. Bitte auf keinen Fall jetzt als pauschalisierende Aussage verstehen. Denn ja, ich weis, es liest sich so.
MfG
Sebastian