Sonrise hat geschrieben:
Bei einem unserer Kindergarten-Sommerfeste wurde in einem Jahr sogar eine Modenschau á la Germanys N.T.M. aufgeführt.
Mahlzeit

Ja, ich finde es auch super, wie sich die Dikussion entwickelt hat.
Zum Zitat oben:
Vor einigen Jahren habe ich eine psychologische Arbeit zu einem ähnlichen Thema gelesen. Die provozierte auch einiges an Medienecho.
Die grundlegende These war:
Wir statten unsere Kinder spätestens am dem 5. Lebensjahr in Kleidung, die eindeutige sexuelle Aussagen beinhaltet.
Das Thema behandelte die Ursachenforschung
Zunächst aber wurde die These - auch mit vielen Beispielen - belegt. Nach der Lektüre war ich zunächst eine gute halbe Stunde wirklich sprachlos....
Es ist schon verrrückt: Warum müssen 5 jährige in Muskel-Shirts rumlaufen? Warum kaufen Mütter für ihre Töchter bevorzugt Baby-Kleidung die sexy ist? Warum gibt es also eine ganze Sparte in der Bekleidungsindustrie, die nuttige Babykleidung mit eindeutigen sexuellen Botschaften entwickelt und herstellt?
Es hängt extrem stark mit den Projektionen der Eltern in ihren Nachwuchs zusammen.
Leider, leider hab ich mir das damals nicht aufgehoben.
Mittlerweile trage ich alles in meinen Augen wertvolle zu einer kleinen Privat-Bibliothek zusammen. Voll cool
Aber schaut man erst einmal genauer hin, sieht man solche Auswürchse überall: Erstes Makup hat sich das Nachbarskind mit 4 aufgelegt. Nägel sind auch schon fast immer lackiert.
Makeup trägt sie natürlich nicht immer, Nägel aber... da scheint Mutti fleißig zu sein.
Die Eltern sind hochgebildete Akademiker.
Es ist genau wie beim Klischee, daß Jungs mit Autos & Maschinen und Mädchen mit ihren Puppen spielen müssen. So werden schon lange vor dem ersten vollständigen und richtigen Satz schön die späteren Rollen, Verhaltensmuster und vor allem Wertevorstellungen eingeschliffen.
Etwas anders kommt meiner Meinung nach noch erschwerend dazu:
Kinder - so sehr sie unser Herz erfreuen und unser Leben erfüllen mögen - verfügen noch nicht über ausreichende und tiefer verstandende Wertesysteme und pauschal über eine Erziehung.
Öfter als man denkt kommt es deswegen zu teils sehr "asozialen" Verhaltensmustern. Es gibt da diesen schönen Spruch "Kein Mensch kann so grausam sein wie ein Kind". Ob die Benutzung solcher Superlative gerechtfertigt ist... ich zumindest kann das nicht beurteilen. Bin selber (noch!) kein Vater.
Aber dieses ständige Gegeneinander, die Marginalisierung von allem, was nicht dazu passt sprich das Ab- und Ausgrenzverhalten, die teils naiv-elitären Denkweisen und Weltbilder, das Mobbing schon von der Kinderkrippe an,...
Gerade in den "besseren" sozialen Umfeldern, in denen die Kinder nicht tagtäglich gezwungen sind mit anderen, die "irgendwie anders" sind, sich friedlich auseinander setzen zu müssen bringt das immer öfter Kinder mit für mein Empfinden richtig schlimmen Einstellungen hervor. Und wo sollte sich das auch wieder relativieren, wo könnten sie sich ihre neuen Hörner wieder abstoßen?
Heutzutage ist doch jedes Kind eine Prinzessin oder ein Prinz. Der Begriff "Helikopter-Eltern" trift hier für mich garnicht mehr zu. Manchmal hat man eher den Eindruck, es handelt sich eigentlich um Eltern als Diener.
Also werden sie auch noch von ihren 2 Hauptbezugspersonen in ihrem Verhalten bestärkt.
(Wo das hinführt sieht man auch sehr schön an dem neuen Geschäftsfeld, daß sich die letzten Jahre für Kanzleien und Anwälte aufgetan hat: Klagen gegen Prüfungsergebnisse.
"Niemals kann es der Wirklichkeit entsprechen, daß der Sprößling in der Grundschule nicht die Zugangsvorraussetzungen für das Gymnasium erfüllt hat. Der Lehrer, der Rektor oder gar alle zusammen müssen böse, BÖSE Menschen sein. Die werden jetzt verklagt! Für die Zukunft des Kindes muss man manchmal hart und gnadenlos sein. Eine Unverschämtheit ohne sondersgleichen ist das!!!"
Und es gibt so viele Kanzleien, die damit angefangen haben, diese Dienste in den letzten Jahren anzubieten.
Gefallen dir deine Abitur-Noten nicht? Klage!
Findest Du, deine Uni oder dein Prof behandeln dich ungerecht? Kein Problem, mach es wie Mami und Pappa: Einfach klagen!
Fast niemand kommt damit durch, aber es ist trotzdem total trendy. Und was es noch ist: Eine konsequente Fortführung von Verhaltensmustern die einem durch falsche Erziehung vorgelebt wurde.)
Es gilt heute mehr denn je: Wirklich glücklich der, dem Geschwister geschenkt wurden.
Und auch der, den die Eltern nicht wegsperren vor einer Welt, in der es manchmal auch sehr ungemütlich werden kann.
In meinen Augen sind in erster Linie die Eltern gefordert. Die Gesellschaft ist ein Produkt, an dem alle Erwachsenen - auch die Eltern - teilhaben und es ständig mitgestalten.
Hier jetzt die Verantwortung auf die Gesellschaft - für deren desolaten Zustand wir ja eigentlich selber verantwortlich sind - zu schieben.... hm...
Man kann so argumentieren, auch wenn wenn es für mich nicht ungedingt logisch ist. Aber auf die Hoffnung, daß wir als Gemeinschaft aus uns selber heraus "gesunden" zerbricht wohl schon daran, daß "gesund" in dem Kontext für jeden etwas anderes bedeutet.
Nein, die Verantwortung muss beim Einzelnen liegen. Für mich sind das ganz klar die Eltern.
Überspitzt und provokant gesagt: Wer sich einbildet für das Wohl seines Kindes eine Schule verklagen zu müssen, der sollte es auch selber erziehen können. Verantwortlich für das Wohlergehen und die Erziehung eines Kindes sind zunächst immer die Eltern.
MfG und schönen Feiertag,
Sebastian