Da mein Ex, für den ich trotzdem noch Cremes rühre (ich tue es ja gerne
Ich dachte, ich könnte ja alle zusammengetragenen Informationen in einen Beitrag bringen,
a. um den diesbezüglichen Informationsaustausch anzuregen (zu W/O Emulsionen, die nicht auch Wollwachs basieren, haben wir ja noch nicht so viel im Forum), und
b. um eine Informations-Fundus zu schaffen, die andere Interessierte and diesen Emulsionen dann einfach finden können (Ich versuche auch möglichst links einzubauen!).
Dadurch wird das hier allerding etwas länger... Aber ich hoffe jemand kann was davon gebrauchen.
P3P (Dermofeel PR, Polyglyceryl-3 Polyricinoleate)
• Heikes Portrait
• Straetmans Produktinformation
Ich hatte erstmals meine Schwierigkeiten, für 25% Fettphase eine stabile Emulsion hinzukriegen. Mit 4% P3P entstand eine eher flüssige Emulsion, die dann – erst nach dem Erkalten, Gemein! – zerfiel, in eine feste Creme und davon getrennte Wasserphase.
Fogende Info half mir weiter:
• Link Olionatura
„Bei Wasser-in-Öl-Emulsionen hat sich bewährt, den lipophilen Emulgator mit einem hydrophilen Emulgator (also mit einem HLB-Wert über 7) zu kombinieren und einen geringen Anteil an Salzen (z. B. 0,5 % Magnesiumsulfat, d. h. Bittersalz) hinzuzufügen.“
An irgendeiner Stelle meinte Heike, dass ca. 1/3 der P3P Menge eines O/W Emulgator mit einem möglichst hohem HLB Wert günstig sei (Ich hoffe ich zitiere hier nicht falsch, ich kann die Stelle nicht mehr finden).
Das habe ich mit Dermofeel GW L10 (HLB-Wert 14) und mit Magnesium Stearate ausprobiert und endlich, endlich, hielten die P3P Emulsionen.
Bezüglich der Zugabe von Magnseium Stearate ist folgender link interessant:
Aroma-Zone
Unter „Textures obtenues“, kann man im direkten Vergleich zwischen Beispiel 2 und Beispiel 3 sehen, wie sich die Zugabe von Magnesium Stearate auswirkt: mehr Mg Stearate = mehr Konsistenz, mehr Okklusivität, erwchwertes Einziehen der Emulsion.
In Bezug auf stabile P3P Emuslionen sind auch folgende Infos von Straetmans hilfreich:
Light W/O Lotion
Für eine 25% Fettphase werden hier beide
• Mg Sulfate (in Wasserphase, 1%) und
• Mg Stearate (in Fettphase, 0,5%) verwendet.
Außerdem,
• Polyglyceryl-3 Polyricinoleate (3%) und
• Polyglyceryl-3 Diisostearate ( O/W Emu, Einsatzkonzentration: 1%)
Zudem bietet Stratemnan eine Emulsionsmischung an, symbio®muls WO, deren Zusammensetzung ebenfalls aufschlussreich ist.
• Polyglyceryl-3 Polyricinoleate (P3P)
• Sorbitan Sesquioleate (Emu mit HLB-Wert HLB = 3.7, also W/O) =>
• Cetyl Ricinoleate (ester of ricinoleic acid and cetyl alcohol; Konsistenzgeber?)
• Glyceryl Caprate (Skin-Conditioning Agent - Emollient; Surfactant - Emulsifying Agent) =>
• Cera Alba
• Magnesium Stearate
• Aluminium Tristearate (Aluminiumsalz; erfüllt wahrscheinlich die gleiche Funktion wie das Mg Stearat)
Daraufhin habe ich bei Codecheck.info gespickt, wie denn z.B. CF ihre W/O Cremes macht. Die kenne ich nämlich, und ich fand sie immer sehr schön – wenn auch auf Dauer für mich zu ölig.
Und siehe da, hier lassen die INCIs ein durchgehendes Muster erkennen:
• Wasser
• Squalane (in ähnlichen Cremes auch weit oben, also in größerer Menge)
• Neutralöl (in ähnlichen Cremes auch weit oben, also in größerer Menge)
• Propylene Glycol (in allen ähnlichen Cremes weit oben, also in größerer Menge)
• Pflanzenöl (bzw. wenn auch Butter dann weiter unten in INCI)
• Sorbitan Oleate (W/O Emu)
• P3P (W/O Emu)
• Solubilisator
• Tocopherol (manchmal auch weiter unten in der INCI)
• Bienenwachs
• Mg Salz
• Weitere Wirkstoffe, inkl. Vitamin C, und Konservierer (können nur noch kleine Mengen sein)
Also:
1. Emulgatorprinzip: Sorbitan Oleate + P3P + Solubilisator + Mg Salz + Bienenwachs
2. Keine Konsistenzgeber
3. Viel Squalan
4. Weniger als die Hälfte der Öle sind Pflanzenöle (Squalan zähle ich jetzt nicht dazu)
5. Immer Tocopherol mit Vitamin C =>
6. Viel Propylene Glycol
Sorbitan Oleate
=>
Das die Verwendung unterschiedlicher Emulgatoren stabilisierend ist, und daher eine Reduktion der Emu-Gesamtmenge ermöglicht, wissen wir schon. Sorbitan Oleate ist aber besonders interessant, bezüglich folgender, von Heike gemachten Feststellung, dass nämlich bei diesen W/O Emulsionen viel freies Wasser zur Verfügung bleibt. Wie sie feststellt, eröffnet das Möglichkeiten für pflegende Rezepturen für öl- und feuchtigkeitsarme Haut.
Die meisten W/O Cremes (gespickt bei Codecheck.Info, natürlich) enthalten nicht so viele NMF Zutaten.
Ich denke, zum einen brauchen sie die nicht (W/O sind okkludierender als O/W, der TEWL hält sich also in Grenzen), zum anderen aber ist die Freigabe von wasserlöslichen Wirkstoffen in W/O Emulsionen nicht so unproblematisch wie in O/W.
Folgendes Patent behandelt übriggens das Problem, dass diese Zutaten W/O Emulsionen unangenehm klebrig machen.
Vielleicht setzt deshalb CF soviel Propylene Glycol (feuchthaltend, Lösungsmittel, hautpflegend, viskositätsregelnd ) ein?
Es ist nicht so klebrig wie z.B. Glycerin, und dass es die Permeabilität der Haut erhöht – oft als Minuspunkt gesehen – könnte im Zusammenhang mit eher okkludierenden W/O Cremes wünschenswert sein.
Wenn aber Sorbitan Oleate W/O Emulsionen mit viel freiem Wasser erzeugt, dann kann man dieses Wasser vielleicht auch „emulsionstechnisch“ nutzen.
Sprich, es verwenden um
a) NMF Wirkstoffe zu löen und zu transportieren, aber auch um
b) durch Zugabe von anderen Phasen-Verbindern (Konsistenzgeber, Lipodermin, Gelbildner) die Emulsionsstabilität zu erhöhen und möglicherweise
c) die W/O-typische Okklusivität etwas zu mindern.
Vielleicht entstehen dann eher Mischemulsionen als reine W/O Emulsionen. Das wäre aber nicht schlimm.
Squalane und Neutralöl
An irgendeiner Stelle im Internet stand, dass empfohlen wird, für P3P-emulsionen nur die Hälfte der Öle mit Naturölen zu besetzen.
Wo und Warum weiß ich leider nicht mehr.
Dass Kaufkosmetik so vorgeht ist nahaeliegend: geringere Allergiegefahr, nettes Einziehverhalten.
Vielleicht ist die Oxidationsgefahr für Öle in W/O höher, weil sie länger auf der Haut liegen? Keine Ahnung
Es liegt jedoch nahe, gerade bei O/W möglichst schnell einziehende Öle zu wählen. Da ist Squalan natürlich nicht verkehrt.
Lecithine
=>
Polyglycerol polyricinoleate „is virtually always paired with lecithin or another plastic viscosity-reducing agent.“
Nun ja, dass Emulsionen mit einem niedrigen Fettanteil zu fest sind, ist wohl eher selten das Problem...
Rezept: 25% (bzw. 20%) Fettphase
Jetzt habe ich also versucht, das Gelesene in ein Rezept (kleine Probe, 25g) einzubringen, wobei ich wenig Ölsäure und keine Shea oder Kakaobutter verwende, weil ich davon Pickel bekomme. Da Sorbitan Oleate bei ca. 80ºC verarbeitet wird, habe ich möglichst keine temperaturempfindlichen Zutaten, und weil ich in einer Tagescreme keine dunkle Creme mag (Kragenränder!) verwende ich hauptsächlich raffinierte Öle.
Fettphase:
• 4% Sorbitan Oleate (=> 3,3%)
• 3% P3P (=> 2,5%)
• 1% Dermofeel GW L10 (=> 0,83%)
• 0,5 % Mg Stearate
• 0,5 Bienenwachs
• 2,5 % Myristyl Myristrate
• 2% Mangobutter
• 3,5% Squalane
• 3,5% Neutralöl
• 3% Reiskeimöl
• 2,5% Distelöl
• 1% Cranberry oil
• 0,5% Barriereschutzbasis =>
• 5% Phospholipidbasis (Hydriertes Lecithin und Lipodermin aber im Verhältnis 2:1; also insgesamt 0,75% Hydriertes Lecithin; => 0,63%) =>
• 0,2% Tocopherol
Wasserphase:
• 15% Alkohol
• 0,2% Hyaluronsäure
• 45% Wasser
• 5% Aloe 1:10
• 7% Propylene Glycol
• 2% Natrium Lactat
• 1% Niacin
• 0,2% Allantoin
• X Milchsäure
Dann habe ich noch 20% Hydrolat im Nachinein reingegeben – wollte sehen was geht!
Dadurch verändern sich die Prozent natürlich, und die habe ich für die Emus noch mal nachgerechnet.
Damit komme ich immer noch auf 7,3% Emus auf gesamt, immerhin noch ca. 6,5% ohne das hydrierte Lecithin.
Ist das zuviel?
Über die Hälfte ist Sorbitan Oleate, da sind für höhere Fettphasen 7% wohl normal. Aber den P3P/Solubilisator-Anteil kann man vielleicht verringern.
Nun ja, die Creme zieht gut ein und fühlt sich nicht zu okklusiv an, obwohl es offensichtlich eine W/O ist. Die Haut ist schön weich und es klebt nicht.
Jetzt heißt es abwarten, ob sie auch länger stabil bleibt und wie sie auf Dauer wirkt.
Verbesserungsvorschläge sind - wie immer - sehr willkommen!







