Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

In diesem Unterforum erörtern wir Themen rund um die Entwicklung, Herstellung und Optimierung von Hautpflegeprodukten (inklusive Fehlersuche).

Moderator: Helga

Antworten
Stefan

Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von Stefan »

Hallo zusammen,

ich wollte eine Variation einer Creme, mit der ich bisher sehr zufrieden war, ausprobieren, aber leider ist es ziemlich schiefgelaufen. Ich habe zwar mehrere Details verändert, aber insbesondere habe ich zum ersten Mal Propylenglykol ausprobiert, weil ich zusätzlich zu dessen hydratisierender Eigenschaft auch die Fähigkeit zur Kokonservierung ausnutzen wollte.

Das Rezept ist im Wesentlichen eine Emulsion mit 20% FP, mit Emulsan (2,5%) als Emulgator und Myristylmyristat (2%) als Konsistenzgeber. Dazu gibt es noch Hyaluronsäure (0,2%) als Gelbildner, die ich bisher in Glycerin (4%) und Panthenol (2%) dispergiert habe, bevor ich die Mischung in der Wasserphase gelöst habe. Diesmal habe ich eben noch 2% Propylenglykol dazugegeben. Die erste Beobachtung war, dass die Mischung mit dem Wasser wesentlich dünnflüssiger blieb, als ich das gewohnt war.

Beim hochtourigen Rühren bildete sich dann auch keine richtige Konsistenz aus. Wurde zuvor die Emulsion dadurch weiß und dick, blieb sie jetzt glasig und dünnflüssig und drohte sich wieder zu trennen. Weitere Zugabe von Gelbildner (Xanthan) führte zwar zu einer Erhöhung der Viskosität, die Mischung blieb aber glasig und erschien eher wie ein Hydrodispersionsgel. Mein Eindruck war, dass das MM überhaupt nicht seine Wirkung entfaltete.

Daher meine Frage: Kann das an dem Propylenglykol liegen? Sind entsprechende Eigenschaften davon bekannt? Oder wird das eher an etwas anderem gelegen haben (z.B. Mischung nicht heiß genug)?

Benutzeravatar
fortunella
Bachelor of Creams
Bachelor of Creams
Beiträge: 1958
Registriert: Montag, 27. Februar 2012, 16:23
14
Wohnort: Magdeburger Börde
Kontaktdaten:

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von fortunella »

Mit Propylenglykol habe ich, da ich diesen Stoff nicht benutze, keine Erfahrungen.
Wenn der Einsatz dieses Stoffes nicht die einzige Änderung im Vergleich zur ersten, höherviskoseren Version deiner Rezeptur war, wäre es interessant, zu erfahren, was du sonst noch geändert hast. Manche Öle, wie z.B. Squalan, können nämlich auch verflüssigend wirken.
Vielleicht magst du einfach mal die komplette Zusammensetzung posten, so daß man die Gesamtrezeptur beurteilen kann?

Stefan

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von Stefan »

fortunella hat geschrieben:Vielleicht magst du einfach mal die komplette Zusammensetzung posten, so daß man die Gesamtrezeptur beurteilen kann?
Das wollte ich Euch eigentlich ersparen, weil es eine recht komplexe Rezeptur ist. Ich versuche mal eine vereinfachte Version, weil das Problem schon offensichtlich ist, bevor alle Phasen zusammengemischt sind.

Phase A:
2,5% Emulsan
1,0% Lanolin* (als Wirkstoff)
2,0% Myristylmyristat
2,0% Jojobaöl
2,5% Sheabutter
4,0% Babassuöl
5,0% Arganöl
1,0% Squalan
* in der ursprünglichen Version war statt Lanolin 1% Phospholipon als Wirkstoff und Koemulgator enthalten. Da ich aber schon erfolgreich andere Emulsionen mit Emulsan+Lanolin hergestellt habe, glaube ich nicht, dass das hier das Problem ist. Alle anderen Komponenten von Phase A sind unverändert.

Phase B:
4,0% Glycerin
2,0% Panthenol
2,0% Propylenglykol*
0,2% Hyaluronsäure (0,6-1,0 MDa)
* neu in der Rezeptur

Phase C:
61% Wasser
0,5% Milchsäure
1,5% Natriumlaktat
1,0% Natrium PCA
0,2% Kaliumsorbat

Phase D: ... (hier nicht relevant)

Von Phase C wurde etwa ein Viertel abgezweigt und zu Phase D gegeben. Der Rest von Phase C wurde zu Phase B gegeben. An dieser Stelle wurde sonst die Mischung schon deutlich viskoser (gelartig). Nun Phase B/C zusammen mit A im Wasserbad erhitzt und langsam vermischt und emulgiert. Dann Phase A/B/C in eine Gako-Kruke gefüllt und hochtourig gerührt. Hier hätte sich schon eine gescheite Konsistenz ausbilden müssen, das ist aber nicht geschehen.

Bei niedrigerer Temperatur wären dann noch Phase D, Konservierung, ÄÖs dazugekommen.

Benutzeravatar
fortunella
Bachelor of Creams
Bachelor of Creams
Beiträge: 1958
Registriert: Montag, 27. Februar 2012, 16:23
14
Wohnort: Magdeburger Börde
Kontaktdaten:

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von fortunella »

O.k., so wie du es beschreibst, scheint der Fall klar zu sein- also das Propylenglycol. Absolute Gewissheit bekommst du wohl nur, wenn du nochmal eine exakt gleich zusammengesetze Vergleichscharge ohne Propylenglycol rührst.
Inzwischen habe ich auch ein wenig im Netz gestöbert und hier und da ein Stückchen weit überflogen, daß es tatsächlich auch als Viskositätsregler fungiert. Gut, es ist nicht unbedingt "mein" Rohstoff, vielleicht wissen andere hier dazu mehr.
So komplex finde ich deine Rezeptur übrigens gar nicht. :happy:

Stefan

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von Stefan »

fortunella hat geschrieben:Gut, es ist nicht unbedingt "mein" Rohstoff
Freunde werden wir dann wohl auch nicht...
fortunella hat geschrieben:So komplex finde ich deine Rezeptur übrigens gar nicht. :happy:
Soweit ich mich erinnern kann, ist es jedenfalls das erste Rezept, für das ich vier Bechergläser benutzt habe :-)

Benutzeravatar
rosengarten
Bachelor of Creams
Bachelor of Creams
Beiträge: 1458
Registriert: Montag, 29. Dezember 2014, 19:50
11
Wohnort: Saarland

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von rosengarten »

Stefan hat geschrieben: Mein Eindruck war, dass das MM überhaupt nicht seine Wirkung entfaltete.

Daher meine Frage: Kann das an dem Propylenglykol liegen? Sind entsprechende Eigenschaften davon bekannt? Oder wird das eher an etwas anderem gelegen haben (z.B. Mischung nicht heiß genug)?
Zuerst mal zum Tego MM. Bei mir hat das noch NIE (bisher 3-4 mal getestet) zum Verdicken herbeigeführt. Meistens hatte ich Suppe, aber richtig flüssige. Ich dachte eigentlich auch, dass Tego MM etwas Konsistenz geben würde :skeptisch: .

Zum Propyleneglycol. Das hab ich auch erstmal mit meiner Weihrauchtinkur zu 2 % in einer Creme drin. Ich konnte da jetzt nix besonderes feststellen :gruebel: ....Ich habe es auch erst am Schluss in die handwarme Creme gerührt
Ein Garten macht viel Arbeit, aber noch mehr Freude


Liebe Grüsse
Pia

Stefan

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von Stefan »

rosengarten hat geschrieben:Zuerst mal zum Tego MM. Bei mir hat das noch NIE (bisher 3-4 mal getestet) zum Verdicken herbeigeführt. Meistens hatte ich Suppe, aber richtig flüssige. Ich dachte eigentlich auch, dass Tego MM etwas Konsistenz geben würde :skeptisch: .
Damit das funktioniert, musste ich immer etwas Gelbildner (meistens Xanthan, in obigem Rezept Hyaluronsäure) hinzunehmen. Die Menge war dabei so gering (0,2%), dass sie selbst für die erzielte Konsistenz nicht verantwortlich sein konnte. Ohne Gelbildner hatte ich auch völlig flüssige Brühe, aber das gilt, soweit ich mich erinnere, z.B. auch für Cetylalkohol. Anscheinend gibt es einen essenziellen Synergieeffekt dabei.

Benutzeravatar
rosengarten
Bachelor of Creams
Bachelor of Creams
Beiträge: 1458
Registriert: Montag, 29. Dezember 2014, 19:50
11
Wohnort: Saarland

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von rosengarten »

Ja, ich hab auch immer noch schnell Gelbildner (nehme die letzte Zeit lieber Natrosol) genommen. Aber wenn das IMMER so ist , dass ich Gelbildner brauche erübrigt sich doch der Tego MM :gruebel: ?

Cetylalkohol, etc. hab ich bisher noch nie benutzt.
Ein Garten macht viel Arbeit, aber noch mehr Freude


Liebe Grüsse
Pia

Stefan

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von Stefan »

rosengarten hat geschrieben:Ja, ich hab auch immer noch schnell Gelbildner (nehme die letzte Zeit lieber Natrosol) genommen. Aber wenn das IMMER so ist , dass ich Gelbildner brauche erübrigt sich doch der Tego MM :gruebel: ?
Nein, weil du viel weniger Gelbildner brauchst, als wenn du alleine durch den Gelbildner versuchen wolltest, dieselbe Viskosität zu erreichen (etwa 0,2% statt 1%). Das ergibt dann auch eine ganz andere Textur und Haptik.

Benutzeravatar
Helga
Moderator
Moderator
Beiträge: 25471
Registriert: Samstag, 25. August 2007, 22:37
19
Wohnort: Traun/Oberösterreich

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von Helga »

Stefan hat geschrieben: Daher meine Frage: Kann das an dem Propylenglykol liegen? Sind entsprechende Eigenschaften davon bekannt? Oder wird das eher an etwas anderem gelegen haben (z.B. Mischung nicht heiß genug)?
Mit Propylenglykol habe ich leider auch keine Erfahrung.
Es könnte sich aber um einen - wie uns allen schon passiert - klassischen "Wiegefehler" handeln und ja eventuell die Mischung nicht heiss genug. (aber müsste sich dann die Lotion nicht ein bisschen "sandig" anfühlen :gruebel: )


Auszug aus Rohstoffportrait Emulsan:
Einsatzkonzentration für Lotionen und leichte Fluids: ca. 2–3 %, kombiniert mit einem geringen Zusatz an Konsistenzgebern wie Cetylalkohol, Cetylpalmitat, Glycerolmonostearat oder Cetearylakohol. 0,1–0,2 % Gelbildner erhöhen die Temperaturstabilität.

Hyaluronsäure funktioniert eigentlich nicht als Gelbildner.
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga

Benutzeravatar
rosengarten
Bachelor of Creams
Bachelor of Creams
Beiträge: 1458
Registriert: Montag, 29. Dezember 2014, 19:50
11
Wohnort: Saarland

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von rosengarten »

Stefan hat geschrieben: Nein, weil du viel weniger Gelbildner brauchst, als wenn du alleine durch den Gelbildner versuchen wolltest, dieselbe Viskosität zu erreichen (etwa 0,2% statt 1%). Das ergibt dann auch eine ganz andere Textur und Haptik.
Ich benutze nie mehr als 0,2 Gelbildner. Auch ohne Tego MM. Nur im Hydrodispersionsgel hatte ich mal 0,8 % drin.

Ich habe aber auch immer Fluids, nie kompakte Cremes. Nur MIT dem Tego MM wurde es jetzt auch nicht besser als ohne. Deshalb die Frage ob er Sinn macht. Ich dachte eigentlich er ersetzt meinen Gelbildner.
Ein Garten macht viel Arbeit, aber noch mehr Freude


Liebe Grüsse
Pia

Stefan

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von Stefan »

Helga hat geschrieben:Hyaluronsäure funktioniert eigentlich nicht als Gelbildner.
Um ein richtiges Gel herzustellen mag sie ungeeignet sein, aber im Zusammenspiel mit Konsistenzgebern funktioniert sie wunderbar (außer man nimmt zu niedrigmolekulare).

Benutzeravatar
Helga
Moderator
Moderator
Beiträge: 25471
Registriert: Samstag, 25. August 2007, 22:37
19
Wohnort: Traun/Oberösterreich

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von Helga »

Stefan hat geschrieben: Um ein richtiges Gel herzustellen mag sie ungeeignet sein, aber im Zusammenspiel mit Konsistenzgebern funktioniert sie wunderbar (außer man nimmt zu niedrigmolekulare).
Ja- es sind die Konsistenzgeber :) Hyaluron verdickt keine Lotion, zumindest nicht in dieser niedrigen Einsatzkonzentration.
Liebe Grüße und noch einen schönen Tag :-)

Helga

Stefan

Re: Creme misslungen - Propylenglykol schuld?

Ungelesener Beitrag von Stefan »

Helga hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben: Um ein richtiges Gel herzustellen mag sie ungeeignet sein, aber im Zusammenspiel mit Konsistenzgebern funktioniert sie wunderbar (außer man nimmt zu niedrigmolekulare).
Ja- es sind die Konsistenzgeber :) Hyaluron verdickt keine Lotion, zumindest nicht in dieser niedrigen Einsatzkonzentration.
Ja, das ist ja genau das, was ich sage. Ich sage aber auch, dass nur Konsistenzgeber ganz ohne Gelbildner (und hier wirkt eben schon Hyaluronsäure) bei mir nur immer dünne Brühe ergeben hat - wobei das aber wahrscheinlich auch ein wenig vom verwendeten Emulgator abhängt. Bei Emulsan scheint es ziemlich extrem zu sein.

Antworten