Mian hat geschrieben:Der Hersteller schreibt, dass das normal wäre. Die Kerne werden aus Maische gewonnen, dadurch ist immer auch ein kleiner Fruchtanteil vorhanden und der enthält Essigsäure.
Das heißt, dass in diesem Fruchtanteil bereits eine Hefegärung stattgefunden hat, durch welche Ethanol entstanden ist. Dieses ist entweder von selbst oder unter Mithilfe von Essigsäurebakterien zu Essigsäure oxidiert.
Ich habe einen Zentimeter Bodensatz Essigsäure, das kommt mir schon sehr viel vor...
Die Erklärung des Herstellers deutet eher darauf hin, dass es (teilweise) vergorener Fruchtsaft ist, in dem sich bereits eine Menge Essigsäure befindet und, wahrscheinlich, ein geringer Anteil noch nicht weiteroxidierten Ethanols - sowie Acetaldehyd (Ethanal) als oxidative Zwischenstufe zwischen Ethanol und Ethansäure (Essigsäure).
Wir haben:
1) ein feuchtes Milieu, wie es in Ölflaschen dringend zu vermeiden ist, um an der Grenzfläche zwischen Öl und wässriger Phase keinen mikrobiellen Verderb zu ermöglichen.
2) nicht nur ein feuchtes Milieu, sondern einen erklecklichen Bodensatz vergorener und damit ziemlich sicher mikrobenhaltiger Flüssigkeit - mögen die Mikroben (darunter die besagten Hefen) in Anbetracht der Säure noch am Leben sein oder nicht.
3) infolgedessen die Gefahr, ein Kosmetikum mit den Mikroben aus dem Bodensatz der Ölflasche zu verseuchen - wo man sich doch sonst immer bemüht, möglichst keimarm zu arbeiten und das Endprodukt zu konservieren.
Fazit: Vom Gebrauch dieses Traubenkernöls (das sich in Geruch und Bodensatz auch deutlich von den Chargen unterscheidet, die ich selbst bis jetzt verwendet habe) ist nach meiner Meinung abzuraten.
