Wichtig finde ich diesen Aspekt, weil der Emulsionstyp sehr ausgeprägt das Hautgefühl und die spezifische Pflegewirkung einer Emulsion bestimmt, und hier liegen die individuellen Vorlieben, wie bekannt, deutlich auseinander.
Faktoren, die den Emulsionstyp bestimmen, gibt es mehrere,
z. B. der HLB-Wert eines Emulgators. Bei Reinlecithin beträgt dieser ca. HLB 4, demnach ist Lecithin ein Wasser-in-Öl-Emulgator. Ich habe mal diese Grafik von Olionatura kopiert, die aufzeigt, dass eine Wasser-in-Öl-Emulsion fast überwiegend aus Wasser bestehen kann (und sich dennoch auf der Haut deutlich fettend anfühlt (Beispiel: Nivea®). Die rechte Emulsion hat die gleichen Phasenverhältnisse wie die linke (75 % Wasser- zu 25 % Fettphase), dennoch erzeugt der Emulgator mal eine O/W-, mal eine W/O-Emulsion:
[Bild entfernt, nicht mehr online verfügbar]
Daneben gibt es aber noch andere Parameter:
die Phasenverhältnisse können den HLB-Wert dominieren. Bis zu 30:70 ist eine Emulsion in der Regel stabil; ab da können die Phasen »kippen« – das kommt auf den /die Emulgatoren an.
Die Verarbeitung spielt durchaus eine Rolle: welche der Phasen wird in welcher emulgiert?
Die Temperatur kann zu einer Phaseninversion führen.
Test:
Ich möchte nun im Folgenden zwei identische RL-Emulsionen rühren, und zwar nach einem bereits veröffentlichten Grundrezept, allerdings mit erhöhtem Anteil an Cetylalkohol, da ich das Guarkernmehl herauslassen möchte:
6 gr Öl (ich werde Sonnenblumenöl nehmen)
1 gr Butter (Shea, raffiniert)
1,5 gr Cetylalkohol
1,0 gr RL
20 gr Wasser
Bei Probe 1 wird das RL in Wasser gelöst, die Fettphase hinzugegossen,
bei Probe 2 wird das RL in der Fettphase gelöst und die Wasserphase hinzugegossen.
Beide Proben werde ich mit dem Knethaken emulgieren und im Wasserbad kalt rühren.
Analysemethoden zur Bestimmung des Emulsionstyps gibt es mehrere, ich werde folgende versuchen (es ist das erste Mal für mich, hoffentlich mache ich nichts falsch)

a) Emulsionen auf ein Blatt Löschpapier geben und schauen, ob sich ein Wasserrand bildet (Hinweis auf Wasser als äußere Phase = O/W)
b) Emulsionen mit einem Farbstoff vermischen (ich habe das fettlösliche Sudanrot; das wasserlösliche Methylenblau muss ich noch besorgen). Auch hier: Sudanrot wird sich in einer W/O lösen (weil das Fett die äußere Phase ist), Methylenblau in einer O/W (weil Wasser die äußere Phase ist).
Also, dann bis später.
