Fett- und Wasserphase haben vor allem da ihre Berechtigung, wo es um Löslichkeiten von Substanzen geht. Es gibt jedoch noch einen anderen Aspekt, der die Höhe der Fettphase interessant macht: Wir müssen sie emulgieren (je höher die Fettphase, desto höher der absoute Anteil an Emulgator), und ihre Höhe hat Einfluss auf den haptischen und kosmetischen Charakter einer Emulsion. Daher macht es für uns Sinn, eine Rezeptur von der Fettphase aus zu planen, und in diesem Zusammenhang ist Deine Frage eine gute und logische.
Ich selbst rechne Fette mit Wirkstoffcharakter dann zur Fettühase, wenn sie einen deutlichen Einfluss auf die Haptik der Emulsion haben. Dazu gehört z. B. Avocadin®. Andere wie Tocopherol werden normalerweise so gering dosiert, dass ich es
nicht dazuzähle, obwohl Tocopherol chemisch betrachtet zu den Lipiden gehört. Ich würde es vermutlich auch mit 10 % Einsatzkonzentration eher als (therapeutisch dosierten) Wirkstoff betrachten … denke ich gerade.
In industriellen Rahmenrezepturen spielen diese Begriffe übrigens kaum eine Rolle. Da werden Rohstoffe gemäß ihrer optimalen Verarbeitung Phasen zugeordnet, der Rest ist Wasser:
ad 100 steht meistens dort, aufs Wasser bezogen. Ich kenne keine Rezeptur, bei der die Fettphase in Prozent angegeben ist, wie wir Selbstrührer dies tun. Ich glaube, es ist auch typisch für Selbstrührer, sich darüber philosophierende Gedanken zu machen. Einem Kosmetikchemiker interessiert vorwiegend, dass die Rohstoffe korrekt verarbeitet werden und das Produkt stabil bleibt.
