Die Frage ist in keiner Weise blöd, sondern eine sehr, sehr wesentliche. Ich habe mehrfach darüber nachgedacht, dass eine grundsätzliche und sachliche Behandlung dieses Themas fernab aller Dogmen, Missverständnisse und Halbinformationen sehr sinnvoll wäre. Ich versuche mal einen »Kurzabriss«, in dem vermutlich auch viele bekannte Sachen stehen (also bei Bedarf selektiv lesen

). Hin und wieder werde ich auf bestehende Beiträge verweisen, die man lesen
kann, aber nicht muss, um zu verstehen (sehe es als Möglichkeit der Vertiefung):
An Emulgatoren stehen uns Selbstrührern im Wesentlichen zur Verfügung:
a) die »klassischen« nicht ionischen Emulgatoren z. B. auf Glucose-, Sorbit- oder Glycerinbasis (die sind die polaren, also hydrophilen Bestandteile), die mit lipophilen (unpolaren) Kohlenstoffketten verbunden sind. Das erkennt man schon an den Bezeichnungen der INCI:
Glycerinstearat SE, Methyl
Glucose Sequistearate (Emulsan),
Glycerinmonostearat (Tegomuls®), Cetearyl Alkohol and Cetearyl
Glucoside usw.
b) die ebenfalls auf Naturstoffen basierenden Lecithine (auch sie unterlaufen chemische Prozeduren

), aber auch Cholesterole im Lanolin und – abgeschwächt – Phytosterole wie im Unverseifbarem.
Unserer Haut nutzt ein hauteigenes Emulsionsgemisch, bestehend aus Cholesterolen (die pflanzliche Variante davon sind eben die Phytosterole, z. B. aus dem Unverseifbaren), Fettsäuren, Diglyceriden, die mit anderen Lipiden wie Triglyceriden, Squalen und Wachsen einen schützenden Lipidfilm bilden, der die Hautoberfläche überzieht, Wasser bindet und die Haut vor Austrocknung schützt. (Im Sommer sind diese Fette flüssig und können sich leicht auf der Haut verteilen; im Winter, bei hohen Außentemperaturen, verhindert der hohe Schmelzpunkt der Fette eine ausreichend schnelle Spreitung auf der Haut; ein Grund, warum wir im Winter so oft unter trockenen Hautzuständen leiden – der Lipidfilm ist unterbrochen).
Kurz: Emulgatoren entsprechen, grundsätzlich betrachtet, hauteigenen Wirkmechanismen.
Emulgatoren binden Fett- und Wasserphase samt Wirkstoffen und bieten sie der Haut in einer Form an, die sie gut aufnehmen kann. Es gibt unzählige Studien zu der Frage nach Emulsionsgrundlagen, die Wirkstoffe gezielt in die Haut transportieren (oder eben gezielt nicht, je nach Intention) – in der Regel Fragestellungen aus der Dermatologie und Pharmazie. Erwiesenermaßen werden Wirkstoffe aus gemischtphasigen Systemen (wie Emulsionen) viel besser aufgenommen als aus einphasigen (nur Wasser-, nur Fettgrundlage), wobei fettlösliche Stoffe grundsätzlich besser resorbiert werden. (Weitere Infos zu resorptionsfördernden Faktoren habe ich
hier im Glossar zusammengestellt). Die Beobachtung mancher Selbstrührer, dass sie mit klassischen Cremes subjektiv empfundene, bessere Ergebnisse erzielen als mit reinen Schüttellotionen oder einer reinen Ölpflege (die Haut ist »praller«, glatter), liegt sicher auch darin begründet.
Es gibt da allerdings einen Aspekt, den man im Auge behalten muss, wenn die eigene Haut, aus welchen Gründen auch immer, barrieregestört oder sehr trocken ist: die durch eine Creme auf die Haut aufgetragenen klassischen Emulgatoren können, wenn sie noch »freie Kapazitäten« haben (sprich: nicht alle Bindungskräfte belegt sind), bei erneuter Wasseranwendung auf der Haut weiter emulgieren, hauteigenes Fett an sich binden und dieses mit abspülen. (Reinigungspräparate lassen sich, statt mit Tensidzugabe, auch mit einem erhöhten Emulgaturzusatz erzeugen, z. B. 25–30 % Anteil auf die Fettphase). Daneben gibt es Hinweise, dass die Ordnung der Lipidlayer in der Hornschicht durch klassische Emulgatoren gestört werden kann und die Barriereschicht in Folge durchlässiger wird. Beide Wirkungen sind jedoch stark a) vom Hautzustand (vorgeschädigt, atropisch), b) vom Emulgatortyp (nichtionisch, anionisch usw.) und c) von der Einsatzkonzentration des Emulgators abhängig. Unsere modernen, nicht ionischen Emulgatoren dürfen wir in dieser Hinsicht etwas anders einschätzen als vorhergehende Emulgator-Generationen – dennoch: Auge z. B. auf die Einsatzkonzentration. Gerade bei höheren Fettphasen brauchen wir nicht pauschal 20 % Emu auf Fettphase). Der Fett- und Wasserphasen-Rechner versucht in dieser Hinsicht zu helfen.
Lecithine sind in diesen beiden Punkten auf der sicheren Seite: sie destabilisieren nicht die Lipidschichten in der Hornschicht und haben erwiesenermaßen keine austrocknende Wirkung. Sie sind, wie Sternenfunke ganz richtig sagt, nicht nur Emulgatoren, sondern pflegen auch, je nach Anteil an Phosphatidylcholin mehr oder weniger intensiv – wohltuend für die Haut sind sie alle.
Das war der chemische Aspekt, ein nicht weniger wichtiger ist der des subjektiven Empfindens verschieden emulgierter Produkte auf der Haut. Da wir unsere Emulsionen nicht so fein dispergiert bekommen wie die Industrie, werden viele Emulsionen mit klassischen Emulgatoren mehr oder weniger stark als filmbildend, »schwitzig« empfunden. Das sieht man ja schon an den Emulgatoren selbst, an diesen wachsartigen Pastillen oder Pulvern mit hohem Schmelzpunkt. Je feiner diese Partikel zerschlagen werden, desto leichter liegen sie auf der Haut – uns sind da physikalische Grenzen gesetzt.
Emulsionen auf Lecithinbasis fehlt dieser schwitzige Film. Fettig können sie sein – bisher erhalten wir mit Reinlecithin nach unserem bisherigen Kenntisstand nur W/O- oder Mischemulsionen.
Fazit: für uns Selbstrührer gibt es Alternativen, und jeder sollte gemäß Hautzustand, subjektivem Empfinden, Bauchgefühl entscheiden, was der eigenen Haut bekommt. Es stimmt aber: Lecithine pflegen zusätzlich, Emulgatoren emulgieren vorwiegend.
Ich habe viele Erfahrungsberichte gelesen; selbst die DMS-Cremes haben offensichtlich bei nicht wenigen zu trockener, schuppiger Haut geführt, und dieses Konzept soll sich ja gerade an hauteigene, physiologische Prozesse und Strukturen anlehnen. Ich denke, es gibt nur den persönlichen Weg.
Ich persönlich (ganz subjektiv

) vertrage alle Emulgatoren, bin aber seit einigen Wochen in der Gesichtspflege völlig auf Lecithine umgestiegen (ich hatte immer Fluidlecithin Super-Fluids, manchmal Lipodermin, nun eben auch Reinlecithin); in der Körperpflege mag ich weiterhin gerne (vor allem die neuen) CACG, CC und Glycerinstearat SE. An Tensiden vertrage ich auch die nicht ionischen und amphoteren (Lecithin übrigens ist ein amphoterer Emulgator). Was ich nicht vertrage ist Seife – das ist ein anionisches Tensid. Du siehst, wie unterschiedlich die Erfahrungen sind.
