Jatira hat geschrieben:Leider fühle ich mich ja immer noch als totale Anfängerin und kriege besonders bei Emulgatoren und Ölen nur schwer einen Überblick. So viele Öle, jedes anders bei den Fettsäuren, und dann noch die Vielzahl weiterer zu berücksichtigender Faktoren bei der Zusammenstellung einer Ölmischung, puh!
Liebes, das kannst Du ganz gelassen angehen.
Ganz sachlich betrachtet würde tatsächlich ein einziges Öl reichen, damit die Haut physiologische Fettsäuren bekommt. Die meisten Öle basieren im Wesentlichen auf Stearinsäure, Palmitinsäure, Ölsäure und Linolsäure, einige weisen daneben nennenswerte Mengen an Alpha- und noch weniger an Gamma-Linolensäure auf – in unterschiedlichen Anteilen. Ob ich diese Anteile nun aus einem oder aus der Mischung mehrerer Öle erziele, ist völlig egal. Die Öle mit seltenen Begleitstoffen lasse ich mal außen vor (wie Schwarzkümmelöl, das ätherische Komponeten enhtält usw.).
Wir mischen Öle aus folgenden Gründen:
Mischungen kann ich oxidativ stabiler gestalten: Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren lassen sich vor allem mit Jojoba- oder Wiesenschaumkrautöl haltbarer machen.
Mischungen kann man im Auftragsverhalten optimieren: Je nach Spreitverhalten wirken Öle haptisch »leichter«, geringer fettend oder gehaltvoller, rückfettender.
Mischungen lassen sich hinsichtlich ihrer Okklusivität gezielter planen: Das Spreitverhalten ist im naturkosmetischen Spreitmodell von Olionatura (und nur das gilt für unsere pflanzlichen Öle) eng gekoppelt mit dem Grad der Okklusivität, und diese korreliert stark mit dem Anteil an gesättigten Fettsäuren.
Ursprünglich stammen die Bezeichnungen der Spreitfähigkeit von Fetten aus der konventionellen Kosmetik. Das originale Spreitmodell berücksichtig mehrheitlich synthetische Öle und zielt ausschließlich auf haptische Eigenschaften; aktive hautphysiologische »Pflege« ist von diesen Lipidkomponenten nicht zu erwarten. Das Spreitmodell gilt auch nur für Fette, die bei Zimmertemperatur flüssig sind, d. h. feste Fette wie Buttern werden nicht erfasst. In diesem Spreitmodell sind übrigens alle unsere nativen Öle langsame (!) Spreiter.
Im naturkosmetischen Spreitmodell von Olionatura zählen auch Buttern dazu, weil sie wie die Öle als hautphysiologisch wertvolle Fette betrachtet und als solche gezielt in Formulierungen eingeplant werden, und sie markieren daher das untere Ende der Spreit-Skala: Sie sind die langsamen Spreiter. Die meisten unserer Öle sind mittlere, bis auf wenige Ausnahmen wie z. B. Squalan (als isoliertes Triterpen) oder Kokosöl. Mein Spreitmodell berücksichtigt die völlig andere Fokussierung auf pflanzliche Lipide und ihre Besonderheiten, wie sie in der Naturkosmetik sinnvoll sind.
Konkret heißt dies für Dich: Eine sinnvolle Ölmischung nimmt ein stabiles Öl auf, wird im Herzen gestaltet aus ein, vielleicht auch zwei oder drei Basisölen mit gewünschter Fettsäuredominanz (im wesentlichen mehr Linolsäure oder mehr Ölsäure) – und wenn man will, kann man einen schmusigen Schnellspreiter dazunehmen, aber das ist nicht zwingend. Der Pflegegipfel wäre ein Wirkstofföl, das ich persönlich gerne separat in ein Hautöl auslagere, um es abends dazuzumischen oder solo aufzutragen.
Minimalstandard also z. B. : Wiesenschaumkrautöl (Stabilität, Reizfreiheit), Arganöl (hautphysiologische Pflege), Squalan (haptisches Feintuning). Das Schöne an unseren Lipiden ist aber, das alle 3 pflegetechnisch punkten können. Meine Zuordnung sollten nur die Hauptaufgabe jeder Komponente skizzieren. Ah, Du magst es reichhaltiger? Dann nimm doch etwas Sheabutter dazu. Verstehst Du, was ich meine?
Das Mischen von Ölen soll Lust sein, nicht Qual.

Es ist der (in meinen Augen) schönste Teil an der Rezepturentwicklung.