Kosmetika ohne Konservierungsstoffe?

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Moderator: Helga

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Dieses Unterforum richtet sich speziell an Rühreinsteiger und neue Mitglieder, die teilweise noch keinen Zugang zu spezifischen Unterforen haben. Damit wir Dich optimal unterstützen und mit Dir nach einer Lösung suchen können, sind einige Aspekte sehr wichtig.


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  • Beschreibe bitte genau, wie Du bei der Herstellung vorgegangen bist. Dazu gehört auch, welches Rührgerät Du verwendet hast, bei welcher Temperatur gearbeitet wurde, wie lange welche Phase dauerte. Alle diese Details helfen bei der Einschätzung des Ergebnisses.
  • Bitte notiere die korrekte und vollständige Bezeichnung der Rohstoffe, so gut es Dir möglich ist. »Dermosoft« ist z. B. ein Handelsname, kein konkretes Produkt (Dermosoft® GMCY oder Dermosoft® 1388 eco wären konkrete Produkte). »Cranberry« kann alles mögliche sein, schreibe also »Cranberryöl« oder »Cranberryextrakt«. Gerne kannst Du die INCI-Bezeichnung für einen Rohstoff verwenden, wenn Du unsicher bist, da viele Händler aus markenschutzrechtlichen Gründen Phantasienamen verwenden. Die Nennung von konkreten Shops ist nicht erwünscht.
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Violette
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Kosmetika ohne Konservierungsstoffe?

Ungelesener Beitrag von Violette »

Ich wollte mich über "Verkapseln von Wirkstoffen mit Liposomen" schlau machen und bin dabei über 2 Abhandlungen von Dr. Lautenschläger gestolpert. HIER und HIER.
Er schreibt, dass man mit hochkonzentrierten Liposomen-Präparaten weder Konservierer noch Emulgatoren benutzen soll, da diese wie die Wirkstoffe ebenfalls verstärkt in die Haut eindringen.
Der Schwerpunkt liegt hier offensichtlich auf "hochkonzentriert" und somit sind unsere 3%igen Liposomengele wohl kaum betroffen.
Allerdings schreibt er dann noch im ersten Artikel: Es wird zwar immer wieder behauptet, Kosmetika und Dermatika müssten aufgrund der möglichen Gesundheitsgefahren konserviert sein. Dies entspricht allerdings längst nicht mehr dem Stand der Technik.
Da bin ich jetzt doch etwas geplättet! , Wir gehen doch alle davon aus, dass man unbedingt konservieren muss, was mir auch völlig einleuchtet. Kann sich bzw. mir also jemand diese Aussage erklären? :skeptisch:
LG Petra

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Heike
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Ungelesener Beitrag von Heike »

Violette hat geschrieben:Da bin ich jetzt doch etwas geplättet! , Wir gehen doch alle davon aus, dass man unbedingt konservieren muss, was mir auch völlig einleuchtet. Kann sich bzw. mir also jemand diese Aussage erklären? :skeptisch:
Ich denke, ich kann es, da ich Herrn Lautenschläger persönlich kenne und schon einige Gespräche mit ihm geführt habe.

Wenn er von einem »Stand der Technik« spricht, meint er Konservierungsstrategien, wie wir sie auch nutzen: Stoffe, die laut Kosmetikverordnung nicht als Konservierungsmittel gelten, aber eine antimikrobielle Wirkung zeigen.

In den Dermaviduals-Produkten konserviert er z. B. so:

»Die mikrobiologische Stabilität von DMS wird durch Zusatz von Feuchthaltesubstanzen wie Glycerin, Oligosaccharide, Sorbitol, Propylenglykol, Pentylenglykol gewährleistet, die neben dem Feuchthalteeffekt das mikrobielle Wachstum völlig unterbinden. Am besten haben sich Kombinationen dieser Stoffe bewährt. Vorteil: Sensibilisierungen sind im Gegensatz zu den traditionellen, apothekengängigen bzw. in der europäischen Kosmetikverordnung gelisteten Konservierungsmitteln praktisch ausgeschlossen. Nach Erfahrungen der Universität Karlsruhe stellt auch Propylenglykol kein Risiko dar.« (Quelle)

Dort formuliert er es selbst und sieht die von ihm verwendeten »im Gegensatz zu den traditionellen, apothekengängigen bzw. in der europäischen Kosmetikverordnung gelisteten Konservierungsmitteln«.

Wir haben z. B. Leucidal® Liquid SF, Dermosoft® GMCY und Dermosoft® 1388 eco. A erster Stelle: Ethanol, also reiner Weingeist. Kein Konservierungsmittel laut Kosmetikverordnung.

Lipodermin ist übrigens auch »konserviert«, mit Ethanol. :shisha:
Liebe Grüße
Heike

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pflanzenölscheich
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Ungelesener Beitrag von pflanzenölscheich »

Heike hat geschrieben:Lipodermin ist übrigens auch »konserviert«, mit Ethanol. :shisha:
EIn wichtiger Grund, warum es - neben der extrem praktischen Entnahme - in Tubenflaschen so gut aufgehoben ist: Da kann das konservierende Ethanol nicht so einfach abdampfen - jedenfalls nicht so leicht wie der Dunst aus unserem Shisha-Smiley. :kicher:

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Violette
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Ungelesener Beitrag von Violette »

Heike hat geschrieben: Dort formuliert er es selbst und sieht die von ihm verwendeten »im Gegensatz zu den traditionellen, apothekengängigen bzw. in der europäischen Kosmetikverordnung gelisteten Konservierungsmitteln«.

Wir haben z. B. Leucidal® Liquid SF, Dermosoft® GMCY und Dermosoft® 1388 eco. An erster Stelle: Ethanol, also reiner Weingeist. Kein Konservierungsmittel laut Kosmetikverordnung.
Danke Heike, aber wo sortiere ich dann Rokonsal oder Cosgard ein? Ich dachte, die gehören in die Gruppe der eher traditionellen, wenn auch für NK zugelassenen Konservierer?
Und sollte man die besser vermeiden, wenn Lipodermin im Spiel ist?
LG Petra

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pflanzenölscheich
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Ungelesener Beitrag von pflanzenölscheich »

Violette hat geschrieben:aber wo sortiere ich dann Rokonsal oder Cosgard ein?
Anhand der INCI-Deklaration von Rokonsal BSB-N schreibe ich in Klammern die deutschen Namen der Funktionen dazu, die der jeweilige Stoff laut CosIng-Datenbank der EU in einem kosmetischen Produkt haben kann):
Benzyl Alcohol (Parfumbestandteil, Konservierungsmittel, Lösungsmittel, Viskositätssteuerung)
Glycerin (Denaturant, Haarpflegemittel, Feuchthaltemittel, Geruchsmaskierung, Mundpflegemittel, Parfumbestandteil, Hautschutz, Viskositätssteuerung)
Benzoic acid (Füllstoff :!:, Geruchsmaskeriung, Konservierungsmittel)
Sorbic acid (Konservierungsmittel)

Mit allen anderen Inhaltsstoffen könnte man Rokonsal BSB-N als "Parfum" deklarieren, aber die Sorbinsäure macht hier einen Strich duch die Rechnung und muss extra ausgewiesen werden, weil sie laut CosIng garantiert eine andere Funktion als die Parfümierung hat.

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Heike
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Ungelesener Beitrag von Heike »

Auch Benzoesäure und Benzylalkohol gelten beide laut KosmetikV als Konservierungsmittel, nur Glycerin ist davon ausgenommen.

Violette, unsere naturkosmetikkonformen Konservierungsmittel stehen mit den konventionellen nicht auf einer Stufe. Ich sehe da noch einen deutlichen Sprung. :) Kaliumsorbat z. B. wird im Körper als Fettsäure verstoffwechselt (genauer gesagt, die Sorbinsäure, denn bei saurem pH-Wert liegt sie nicht mehr als Salz vor, sondern in ihrer wirksamen Säureform). Benzoesäure und Benzylalkohol sind ebenfalls organische Komponenten. Hier kann ich aktuell keinen Metabolismus liefern :klimper: ... Müsste ich recherchieren.
Liebe Grüße
Heike

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Violette
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Ungelesener Beitrag von Violette »

Dank an euch beide, Heike und Harald! :bluemchen:
LG Petra

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