

Für viele wird dieses Konzept nicht neu sein, für mich ist es das in gewisser Weise schon, weil ich Öle pur nur als Ergänzung verwende (und dann, wenn die Haut, aus welchen Gründen auch immer, verrückt spielt und eine Woche Purismus wieder Ruhe bringt). Was ich nie mochte, war ein gewisser störender Film auf der Haut, der mir als Foundationgrundlage nicht geeignet erschien. Daher habe ich bisher nur mit Emulsionen gearbeitet.
Durch meine Beschäftigung mit Phospholipiden und Phytosterolen in den letzten Monaten und konkreten Tests habe ich für mich feststellen können, dass ich durch die Kombination von Lipiden mit Phospatidylcholin (im Lipodermin) und konzentriertem Unverseifbaren (in UdA) gezielt das Verhalten und die Wirkung von Emulsionen kontrollieren kann. Lautenschlägers Beitrag formuliert ein ähnliches Prinzip für Oleogele mit hydrierten Phospatidylcholinen (also solchen, die mit gesättigten Fettsäuren verestert sind). Die haben wir zwar nicht, aber Phytosterole wirken ähnlich, weil sie im oberen Bereich des Stratum Corneum verbleiben und sich dort an die Keratinozyten binden, während das mit ungesättigten Fettsäuren verbundene Phospatidylcholin im Lipodermin sehr gut in tiefere Schichten der Hornschicht penetriert. Ich habe es ausprobiert, und es klappt tatsächlich sehr gut.
Ich habe eben noch einmal ein Oleogel in der Fantaschale gerührt, alles native Öle und Buttern:
3 gr Arganöl,
1 gr Jojobaöl,
2 gr Johannisbeersamenöl
1 gr Wildrosenöl
3 gr Cupuacubutter (also 30 % an der Lipidmischung)
1 kleine Löffelspitze UdA (kaum zu wiegen)
2 gr Lipodermin
je 1 Tropfen ätherisches Öl Cistrose und Immortelle
Öle und Butter wurden getrennt im Wasserbad erwärmt, bis die Butter geschmolzen ist. Dann habe ich die Butter in die Fantaschale gegeben und ohne Wasserbad sehr lange gerührt; dann kam Lipodermin hinzu, zum Schluß die ätherischen Öle. Das ganze wurde ein homogenes, leicht sämiges Gel, dunkel grünlich mit einem angenehm würzigen Duft. In Zukunft könnte ich mir vorstellen, je nach Hautzustand Tocopherol (Vitamin E) und Ascorbylpalmitat (Vitamin C) hinzuzugeben.
Ich habe es nun in ein kleines Pipettenfläschchen gefüllt und einen Tropfen (!) über ein Feuchtigkeitsgel aufgetragen; es verteilt sich gut, zieht sofort an und hinterlässt ein angenehm glattes und nicht fettiges (!) Hautgefühl. Das Lipodermin nimmt das Öl mit »in die Haut«. Nach wenigen Minuten teste ich MF: es klappt wunderbar!
Von der Wirkungsweise her ist ein Oleogel ein Präparat, das seine Qualitäten langsam auspielt. Es wirkt semiokklusiv, das heißt, es mindert den transepidermalen Wasserverlust durch einen leichten, aber halb durchlässigen Film, der Stoffwechselprozesse der Haut nicht behindert, hydratisiert aber nicht aktiv und schnell. Ziel ist, die Barriereschicht der Haut langsam zu regenerieren. Dies bedeutet jedoch, dass bei feuchtigkeitsarmer Haut dringend vorher z. B. ein entsprechendes hydratisierendes Gel aufgetragen werden muss, um den akuten Feuchtigkeitsbedarf zu decken. Mit den Wochen sollte die intakte Barriereschicht in der Lage sein, mit geringeren äußeren Feuchtigkeitsgaben zufrieden zu sein, d. h. man kann dann eventuell ein Hydrolat oder Pflanzengel mit einem geringen Zusatz an feuchtigkeitsbindenden Substanzen verwenden … oder noch weniger. In der Küche steht nun ein wenig Rosenhydrolat mit Eibischwurzeln; in wenigen Stunden werde ich den Auszug mit Rosenextrakt, Sole, Sorbit und Panthenol ergänzen und in einen Sprühflakon füllen. Das wird dann meine Pflege in den nächsten zwei Wochen sein (gegebenenfalls kürzer, falls meine Haut mir ein deutliches »Stopp« vermittelt).

Ob die Dosierung des Lipodermin so für mich optimal ist, kann ich noch nicht sagen.
Das Spiel mit Phospatidylcholin im Lipodermin und den Phytosterolen im Unverseifbaren (konzentriert oder in entsprechenden nativen Fetten) ist eine Gradwanderung zwischen Fluidisierung und Barriereförderung.
Fluidisierung durch Lecithine (z. B. durch Liposome) bedeutet nicht nur, dass Stoffe leichter in die Haut können, sondern im Zweifelsfalle auch, dass Wasser leichter hinausgelangt. Phytosterole und gesättigte Fettsäuren hingegen verstärken die Barriere und verhindern Wasserverlust, machen aber auch Zellmembrane dichter und rigider, weniger beweglich. Ich teste nun und werde bei Bedarf die nächste Probe mit weniger Lipodermin ausprobieren. Ich könnte mir aber für den Winter eine solche Pflegekombi vorstellen … Oleogel über Pflanzengel.